DVV-Frauen: Knappe Niederlage gegen NED
Das erste von drei Testspielen gegen die Niederlande hat die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in Münster mit 1:3 (26-24, 20-25, 20-25, 33-35) knapp verloren. In einem insgesamt engen und guten Spiel setzten sich die Gäste am Ende wegen einer etwas größeren Stabilität – gerade in entscheidenden Phasen – durch. Insgesamt zeigte das DVV-Team, für das erste Spiel nach der Pause nach dem Grand Prix trotz der Niederlage aber eine gute Leistung.
Startformation Deutschland: Kathleen Weiss, Maren Brinker, Christiane Fürst, Corina Ssuschke, Margareta Kozuch, Heike Beier und Libera Kerstin Tzscherlich
Startformation Niederlande: Kim Staelens, Alice Blom, Caroline Wensink, Manon Flier, Ingrid Visser, Debby Stam und Libera Janneke van Tienen.
Beide Trainer beginnen ohne große ‚Experimente’. Bei den Niederländerinnen spielt lediglich Alice Blom in der ersten Sechs, für Chaine Staelens die in dieser Partie gar nicht im Kader ist. Für Deutschland hat Bundestrainer Giovanni Guidetti seine ‚erste Sechs’ aufgeboten. Noch hat die ‚Personal-Testphase’ für die anstehende EM also nicht begonnen. Das deutsche Team erwischt den besseren Start in die Partie. Vor allem aufgrund des variantenreicheren Angriffsspiels haben sich die deutschen Frauen zur erste Technischen Auszeit (TA) einen 3-Punkte-Vorsprung herausgespielt. Aber die Gäste aus den Niederlanden kommen stark aus der Pause zurück. Mit einem sehr effektiven Blockspiel gleichen die ‚Oranjes’ erst aus, wenig später haben sie sich sogar einen 4-Punkte-Vorsprung erspielen können. Guidetti nimmt eine Auszeit, die Gäste haben das Spiel aber auch danach weiter unter Kontrolle. Auch weil sich im deutschen Spiel jetzt zu viele Unsicherheiten eingeschlichen haben. Als auch nach der zwei TA nur die Gäste Punkte verbuchen können, nimmt Guidetti sein zweites Timeout. Doch auch diese Auszeit bringt das deutsche Team nicht in die Spur zurück – die Gäste sind jetzt schon mit 6 Punkten vorn. Jetzt kommt Lena Möllers für Kathleen Weiß ins deutschen Spiel. Dieser Wechsel zeigt positive Wirkung. Das deutsche Team verkürzt, auch Dank einer Aufschlagserie von Kozuch, auf einen Punkt. Jetzt reagiert auch der Coach der Gäste, Avital Selinger. Erst mit einem Timeout, dann wechselt er Huurman für Wensink. Doch das deutsche Team hat jetzt Fahrt aufgenommen. Als Möllers Flier abblockt, hat das deutsche Team den Ausgleich geschafft. Wenig später wechselt Guidetti wieder Weiß für Möllers, die mit zwei Aufschlag-Winnern anschließend den Satz für Deutschland zu macht. Vor allem die richtigen Wechsel zur richtigen Zeit haben den Satzgewinn für das deutsche Team noch möglich gemacht. Denn nicht nur der (Rück)Wechsel Möllers für Weiß, sondern auch die Einwechslungen von Sarah Petrausch und Lisa Thomsen taten dem deutschen Spiel sichtlich gut.
Auch in den zweiten Satz startet das deutsche Team besser, führt zur ersten TA mit zwei Punkten. Doch wie schon im ersten Durchgang kommen die Niederländerinnen stark aus der Auszeit zurück und verwandelt den 2-Punkte-Rückstand in eine 2-Punkte-Führung. Zur zweiten liegen TA liegen die Gäste dann mit 3 Punkten vorn. Danach geht auch der nächste Punkt an die ‚Oranjes’ und Guidetti nimmt sofort wieder ein Timeout. Auch die folgenden zwei Punkte gehen an die Gäste und Guidetti muss mehrfach reagieren. Erst wechselt er Möllers und Petrausch für Weiß und Brinker, danach nimmt der deutsche Coach seine zweite Auszeit. Es bahnt sich eine Kopie des ersten Satzes an. Das deutsche Team macht 4 Punkte in Folge und jetzt muss Selinger eine Auszeit nehmen. Danach agieren die Gäste wieder sicherer und holen sich wenig später den Durchgang mit 25-20. Vor allem aufgrund der besseren Annahmequote, 50 % NED – 35% GER, schaffen die Gäste den Satzausgleich.

Foto Daniel Wesseling: Maren Brinker mit einem Angriffsversuch. Oft konnten die Niederländerinnen allerdings mit einem starken Blockspiel die deutschen Angriffe entschärfen
Auch im dritten Durchgang bleiben die Niederländerinnen zunächst überlegen. Zur ersten TA führt NED schon mit 4 Punkten, auch die beiden darauffolgenden Punkte gehen an die Gäste. Guidetti muss schon früh eine Auszeit nehmen. Danach kommen die deutschen Frauen wieder besser in die Partie und können den Rückstand auf 2 Punkte verkürzen. Jetzt folgt das Timeout auf niederländischer Seite. Als Kathleen Weiß mehrfach die Annahme der Gäste ins Schwanken bringt, ist der Ausgleich zum 12-12 geschafft. Doch zur Führung reicht es für das DVV-Team nicht. Zur zweiten TA führen die Niederländerinnen wieder mit 2 Punkten. Wieder kommt Möllers für Weiß in die Partie und ‚Team GER’ kann erneut ausgleichen. Doch zwei Blockpunkte von Visser lassen die Gäste erneut davonziehen, die danach wieder souverän agieren. Auch weil das deutsche Team in mehreren Phasen im Angriff ‚schwächelt’ holen sich die ‚Oranjes’ auch den dritten Satz – wieder mit 25-20.
Zum vierten Satz wechselt Guidetti erstmals die Startformation – für Kozuch spielt nun Roß. Dieser Wechsel bringt Schwung ins deutsche Spiel. Roß sorgt für einige Punkte für das DVV-Team und die deutschen Frauen führen zur ersten TA mit einem Punkt. Danach ziehen die deutschen Frauen weiter das Tempo an, können damit die Gäste weiter unter Druck setzen und den Vorsprung vergrößern. Zur zweiten TA liegt das DVV-Team mit 3 Punkten vorn. Als die Niederländerinnen erneut verkürzen können, wechselt Guidetti Möllers und Radzuweit für Weiß und Ssuschke. Wenig später kommt Kozuch für Roß zurück und das deutsche Team baut den Vorsprung wieder auf 3 Punkte aus. Doch mit zwei deutschen Annahmefehlern und eine ‚fragwürdige’ Entscheidung des Schiedsrichtergespanns kommen die Niederländerinnen erneut zum Ausgleich. Danach packt erneut der NED-Block zu und die ‚Oranjes’ haben sich zwei Matchbälle erspielt. Doch das deutsche Team wehrt sich, mit großer Unterstützung der 2000 Zuschauer in der Halle, gegen die Niederlage, Es folgt ein echter Krimi. Erst haben die Gäste weitere Matchbälle, die vom deutschen Team aber alle abgewehrt werden. Dann erspielt sich das DVV-Team einige Satzbälle, die aber auch ungenutzt bleiben. Nach vielen sehenswerten Ballwechseln verwandelt am Ende Debby Stam den entscheidenden Ball für die Niederländerinnen. Der Satz, mit 35-33, und damit das Match geht an die ‚Oranjes’. Doch auf die über weite Strecken gute Leistung des deutschen Teams lässt sich aufbauen. Schon morgen in Bottrop (20 Uhr) oder am Sonntag in Paderborn (18 Uhr) ist ein DVV-Sieg durchaus im Bereich des Möglichen.
An diesem Abend stand aber nicht nur das Spiel im Fokus der Volleyballfans. Im Rahmen der Partie wurde auch Tanja Hart für ihren langjährigen Einsatz im Nationalteam geehrt und offiziell verabschiedet. Hart bestritt insgesamt 206 Länderspiele für die A-Nationalmannschaft und nahm unter anderem dreimal mit der DVV-Auswahl an den Olympischen Spielen teil. Über insgesamt 14 Jahre prägte die Zuspielerin somit die Historie der deutschen Volleyball-Frauen. Die größten Erfolge erzielte Hart mit dem Nationalteam mit der Bronze-Medaille bei der EM 2003 und dem 6. Platz bei den Olympischen Spielen 2000. Nicht nur deswegen, sondern für ihr gesamten Auftreten auf und neben dem Feld wurde Hart von DVV-Vize-Präsident Hubert Martens ausgezeichnet.

Foto Daniel Wesseling: DVV-Vize-Präsident Huberts Martens ehrte Tanja Hart für eine außergewöhnliche Nationalmannschaftskarriere. Insgesamt 14 Jahre und 206 Länderspiele war Hart für den DVV aktiv gewesen
„Spielfilm“
1. Satz: 3-2 (Kozuch mit Diagonalangriff), 8-5 (‚Team GER’ erwischt den besseren Start), 9-8 (Kozuch mit dem Angriff die Linie lang), 10-14 (Fürst in Aus), 11-16 (Blom überwindet den deutschen Block), 13-20 (Brinker gegen den Block erfolgreich), 20-21 (Ssuschke punktet mit Schnellangriff), 23-23 (Möllers blockt Flier), 26-24 (Weiß mit zwei Aufschlag-Winnern zum Satzgewinn)
2. Satz: 3-1 (Kozuch gegen NED-Zweierblock erfolgreich), 8-6 (Brinker mit dem Punktgewinn), 8-10 (Kozuch ins Netz), 11-11 (Fürst mit Aufsteiger), 13-16 (Wensink blockt Kozuch), 13-19 (Wensink mit Block gegen Brinker), 15-21 (Petrausch erfolgreich), 20-25 (Beier setzt Aufschlag ins Aus)
3. Satz: 3-4 (Kozuch setzt Aufschlag ins Aus), 4-8 (Brinker ins Aus), 6-12 (Blom weit ins Aus), 12-12 (Weiß mit starkem Aufschlägen), 14-16 (Staelens mit Zuspielertrick erfolgreich), 17-19 (Brinker überwindet den Zweierblock), 20-22 (Beier blockt Flier), 20-25 (Flier beendet den Satz mit einem Block)
4. Satz: 4-4 (Brinker mit dem Punktgewinn), 8-7 (Roß erneut mit dem Punktgewinn), 13-11 (Beier erfolgreich), 16-13 (Fürst mit Aufsteiger), 19-17 (Kozuch im zweiten Versuch mit dem Punkt), 21-21 (Kozuch erneut erfolgreich), 24-24 (Radzuweit im Block mit dem Punkt), 25-25 (Brinker schlägt den gegnerischen Block an), 26-26 (Erneut Brinker mit dem Punktgewinn), 27-27(Staelens setzt Aufschlag ins Aus), 28-28 (Auch Stam verschlägt den Service), 29-28 (Brinker aus dem Hinterfeld), 29-29 (Visser punktet mit dem Aufsteiger), 30-29 (Technischer Fehler bei den Gästen), 30-30 (Blom schlägt den deutschen Block an), 31-30 (Flier mit Aufschlagfehler), 31-31 (Auch Fürst mit dem Fehler beim Service), 32-31 (Blom schlägt Aufschlag ins Netz), 32-32 (Staelens verwandelt den zweiten Ball), 33-32 (Brinker mit dem Punkt), 33-33 (Blom durch den deutschen Dreierblock), 33-34 (Beier ins Netz), 33-35 (Stam macht das Match zu)
Stimmen zum Spiel
Bundestrainer Giovanni Guidetti: „Unser Spiel war besser als ich das gedacht hatte. Wir haben in den letzten Tagen viel Krafttraining gemacht und deswegen waren die Spielerinnen sehr müde. Das hat man in einigen Aktionen heute gesehen, wo wir viel zu langsam waren. Aber für unseren momentanen Stand haben wir gut gespielt. Für mich sind bei diesen Spielen zwei Dinge sehr wichtig: Erstens muss die erste Sechs nach der Pause wieder den Rhythmus finden, deswegen habe ich sie heute auch lange Zeit spielen lassen und zweitens will ich sehen welche anderen Spielerinnen uns bei ihrer Einwechslungen helfen können. Hier habe ich heute einige Erkenntnisse gewonnen. Wir werden in den nächsten beiden Spielen, wie auch heute, mit keiner speziellen Taktik spielen lassen, weil ich den Fokus ganz auf die Spielerinnen legen will um vielleicht schon nach den Spielen gegen die Niederlande sagen zu können wer für uns bei der EM spielt.“
Christiane Fürst, Team-Kapitän: „Ich fand wir haben mit diesem Spiel einen guten Start nach unsere Pause nach dem Grand Prix gezeigt. Sicherlicht hatten wir ein paar Schwächephasen im gesamten Spiel, aber insgesamt haben wir nicht schlecht gespielt. Auch die Spielerinnen die eingewechselt worden sind haben uns immer weiter gebracht, dass war eine sehr positive Erkenntnis des heutigen Spiels.“
Kathleen Weiß: „Am Ende hat die Niederlande gewonnen, weil sie in wenigen Momenten etwas stabiler waren. Aber grundsätzlich haben wir heute ordentlich gespielt und das sehr enge Match hätte auch für uns ausgehen können. Gerade im vierten Satz hatten wir ja auch mehrere Satzbälle, die wir leider nicht verwerten konnten. In Punkto Fitness und unserer Gesamtvorbereitung stehen wir wohl bei ca. 80% und dafür haben wir heute eine gute Leistung gezeigt.“
Statistik
GER: Aufschlag (9 Fehler und 10 Asse), Block (10 Punkte), Angriffsquote (35 %)
NED: Aufschlag (8 Fehler und 11 Asse), Block (16 Punkte), Angriffsquote (36 %)
Der deutsche Kader gegen die Niederlande in Münster: Lisa Thomsen (Schweriner SC), Kerstin Tzscherlich (Dresdner SC), Anne Matthes (Forli/ITA)), Sabrina Roß (Allianz Volley Stuttgart), Maren Brinker (USC Münster), Corina Ssuschke (Prostejov/CZE), Margareta Kozuch (Novara/ITA), Heike Beier (Piacenza/ITA), Kathleen Weiß (z.Zt. ohne Verein), Christiane Fürst (Bergamo/ITA), Lenka Dürr, Sarah Petrausch, Lena Möllers (Rote Raben Vilsbiburg), Kathy Radzuweit (VT Aurubis Hamburg)