Beach-WM: Kjell Schneider: „Ich musste eigentlich nackt über die Kieler Woche laufen“

Beach-WM: Kjell Schneider: „Ich musste eigentlich nackt über die Kieler Woche laufen“ Kjell Schneider (links) und Julius Brink gewannen 2005 in Berlin die bislang einzige deutsche WM-Medaille im Beach-Volleyball.

Eine WM-Medaille konnten deutsche Beach-Volleyballer in der Historie bislang aus dem Sand graben. 2005 gewannen Julius Brink/Kjell Schneider beim Heimspiel in Berlin Bronze, als sie im Spiel um Platz drei die nationale Konkurrenz Thorsten Schoen/Marvin Polte bezwangen. Brink ist 2009 in Stavanger mit Jonas Reckermann am Start und gilt als ein Medaillenkandidat, Schneider hat sich aus dem internationalen S(tr)and-Geschäft zurück gezogen, hat aber beruflich weiter mit Beach-Volleyball zu tun. Im Interview der Woche äußert sich der 32-Jährige Kieler zu damals und heute.

Welche Erinnerungen hast du noch an die Beach-WM 2005?
Schneider: „Ach Gott, das ist schon so lange her. Ich habe gerade für eine neue Autogrammkarte Fotos zusammen gesucht, und da habe ich natürlich auch Fotos von der Beach-WM gesehen. Mein Lieblingsbild war direkt nach dem Spiel um Platz drei, wo ich inmitten meiner Freunde und Bekannten verschwinde. Das habe ich vor Augen und in guter Erinnerung.“

Julius Brink und Du habt als Außenseiter die Bronzemedaille gewonnen. Wann hast du gespürt, da geht was, wann die Medaille realisiert?
Schneider: „Ich glaube, im Spiel um Platz fünf, ich glaube gegen Benjamin/Harley (BRA), da hat man gemerkt, hier geht was. Wobei wir bei der World Tour in Gstaad in der Woche vorher schon Fünfte geworden waren. Ich kann gar nicht mal sagen, dass die Medaille einen höheren Stellenwert für mich hat als mein erster Masterssieg. Irgendwie, weil es kein Titel ist. Realisiert habe ich das eigentlich am meisten, weil ich während der WM gesagt hatte, dass ich beim Gewinn einer WM-Medaille nackt über die Kieler Woche laufe. Das habe ich aber nicht eingelöst, obwohl ich eigentlich meine Wettschulden einhalte.“

Es ist bis heute die einzige deutsche WM-Medaille im Beach-Volleyball. Was traust du den insgesamt neun deutschen Duos bei der WM in Stavanger zu?
Schneider: „Ich traue ihnen super viel zu. Julius und Jonas zeigen andauernd, dass sie absolut in die Spitze reingehören. Wenn sie die Form halten, weiß ich nicht, wer sie davon abhalten soll, eine Medaille zu gewinnen. Und auch David und Eric traue ich einiges zu, auch wenn die Ergebnisse in diesem Jahr noch nicht so topp waren wie von Julius und Jonas.“

Damals wurde die WM im Doppel-Ko Modus gespielt, die WM 2009 zunächst im Pool-, dann im Einfach-Ko Modus. Deine Meinung?
Schneider: „Ich glaube, das Ergebnis wird mehr oder weniger das Gleiche sein. Am Ende werden die Top-Teams vorne sein. Ich finde dieses System nicht schlecht.“

Julius Brink hat sich nach der Partnerschaft mit dir zunächst mit Christoph Dieckmann, jetzt mit Jonas Reckermann zusammen getan. Wie siehst du seine Entwicklung?
Schneider: „Es war die komplett richtige Entscheidung damals. Er hatte ja damals mit mir „Schluss gemacht“ mit der Aussage: „du hast Frau und Kind, und ich will noch mehr Zeit in den Beach-Volleball investieren.“ Er hat das gleich richtig eingeschätzt, auch damit, dass er sich mit Christoph weiter entwickeln kann. Und auch jetzt mit Jonas haben sich – glaube ich – die zwei Richtigen gefunden. So erfolgreich war wohl noch nie ein deutsches Team zu Saisonbeginn.“

Hättest du diese Entwicklung von ihm erwartet? Was zeichnet ihn aus?
Schneider: „Er ist im Prinzip immer unzufrieden, und das gibt ihm die Motivation, so viel zu machen und nicht müde zu werden. Wenn er schlecht drauf war im Training, dann hat er nachher noch 30 Aufschläge gemacht, um seinen Frust abzubauen. Er ist im Prinzip ein Beach-Volleyball Masochist.“

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Foto Hoch Zwei: An dieses Foto erinnert sich Kjell Schneider, wenn er an die WM zurück denkt.

Brink gilt als Heißsporn auf dem Platz, einige sehen in ihm auch einen „bad boy“. Trifft das auf ihn zu? Wie war das damals, wie heute?
Schneider: „Es ist immer so eine Sache mit „jemandem kennen“. Wer ihn kennt, weiß, dass er ein unheimlich netter Kerl mit großer Sozialkompetenz ist. Ich glaube, er setzt diese Dinge bewusst und gut für ihn ein. Es ist nie leistungshindernd für ihn. Und so lange das nicht gegen die Partner geht, ist einem das als Partner auch ziemlich egal.“

Deine internationale Karriere sollte 2006 mit David Klemperer weiter gehen – Ziel war Peking. Gesundheitliche Probleme machten dir einen Strich durch die Rechnung. Was war damals genau los, wie geht es dir heute?
Schneider: „Das genau kann ich damals wie heute nicht richtig beantworten. Damals war ich bei drei Ärzten und es gab vier Meinungen. Mir geht es heute super. Was ich nach der letzten Saison, also 2008, gemerkt habe. Wenn ich nicht 100% hinter Beach-Volleyball stehe, dann sollte man es komplett sein lassen. Das weiß man aber in der Situation zunächst nicht.“

Du warst Beach-Volleyball Profi und musstest deinen Traum von den Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften usw. begraben. Wie war deine Gefühlslage?
Schneider: „Ambivalent. Auf der einen Seite hätte ich heulen können, auf der anderen Seite war ich froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Aber natürlich ist der Traum eines jeden Sportlers die Teilnahme an den Olympischen Spielen, und da wäre ich schon gerne dabei gewesen. Aber es gibt natürlich auch andere Dinge im Leben, die wichtig sind.“

Hast du – drei Jahre später - dem Sand abgeschworen oder kann man dich noch irgendwo spielen sehen?
Schneider: „Momentan habe ich aufgrund meiner Arbeit wenig Zeit für irgendwelche sportliche Aktivitäten. Und wenn ich nach langer Zeit einen Ball anfasse, bekomme ich gleich Schulterprobleme. Über unser Projekt „Sportstrand“ habe ich zuletzt ein wenig mitgezockt, aber ich werde bestimmt nochmals ein Turnier spielen. Ich werde nicht sagen, „Beach-Volleyball - bleib mir weg damit.“

Du arbeitest bei der Agentur Sportplatz, u.a. mit Axel Hager und Werner Richnow zusammen, zwei alten Beach-Haudegen. Da muss es doch schon ein internes Beach-Turnier gegeben haben. Wer ist „King of the Beach bei Sportplatz“?
Schneider: „Nee, das hat es noch nicht gegeben. „Pille“ (Werner Richnow, Anm. d. Red.) kann gar nicht mehr spielen, und generell hat keiner das Bedürfnis, dies auszuspielen. Ich glaube, Axel wäre momentan der Beste, weil er ab und an noch im Sand ist. Aber vielleicht machen wir demnächst bei einem Firmencup, der mit drei oder vier Spielern ausgetragen wird, dafür wären wir ja prädestiniert.“