Olympia-Qualifikation Düsseldorf (M): DVV-Auswahl mit souveränem 3:0 -Auftaktsieg

Olympia-Qualifikation Düsseldorf (M): DVV-Auswahl mit souveränem 3:0 -Auftaktsieg Der deutsche Block mit Simon Tischer und Ralph Bergmann stellt sich Wang gegenüber.

Die DVV-Männer sind wie erhofft und erwartet in die Olympia-Qualifikation in Düsseldorf gestartet: Gegen Außenseiter Taiwan gewann die Mannschaft von Bundestrainer Stelian Moculescu nach 74 Minuten Spielzeit vor 2.980 Zuschauern 3:0 (25-18, 25-15, 25-17). Punktbeste Spieler waren bei Deutschland Jochen Schöps (13), Marcus Popp (12) sowie Björn Andrae und Marcus Böhme (je 10) sowie Ming Chun Wang (12) bei Taiwan. Vor dem Spiel gab es eine Schweigeminute zu Ehren des verstorbenen Düsseldorfer Oberbürgermeisters Joachim Erwin, das deutsche Team spielte zudem mit Trauerflor. Um 20.00 Uhr folgt das mit Spannung erwartete Duell zwischen Spanien und Kuba.

Startformation Deutschland: Simon Tischer, Jochen Schöps, Björn Andrae, Marcus Popp, Ralph Bergmann, Marcus Böhme, Markus Steuerwald

Startformation Taiwan: Li Sheng Cheng, Chia Jui Tai, Wei Lun Chien, Yao Chiang Lu Chiang, Ming Chun Wang, Tien Yu Chiang, Jung Chung Hung

Das erste Spiel in einem so wichtigen Turnier bedeutet für alle Teams auch Ungewissheit: Wo stehen wir, wie gut ist der Gegner, wie kommen wir mit der Atmosphäre und der Nervosität zu Recht. So verhielt es sich auch bei der deutschen Mannschaft, die zwar vom ersten Ballwechsel an die Führung inne hatte, jedoch nie ganz die Nervosität ablegen konnte. Vor allem im Block taten sich hin und wieder Lücken auf, die waren jedoch auch dem ungewöhnlichen Spielaufbau der Taiwanesen geschuldet „die Volleyball spielen wie wir 1972“, so Moculescu. Rückraumangriffe über die Position fünf sieht man beispielsweise im internationalen Volleyball ansonsten nicht. Da die deutsche Mannschaft jedoch im Aufschlag von Beginn an Druck ausübte und in der Annahme sicher stand, war der Sieg nie gefährdet. Am Ende standen sieben direkte Aufschlagpunkte auf deutscher Seite, eine gute Quote, „die müssen wir auch gegen Kuba zeigen“, so Moculescu. Auffällig war, dass die erfolgreiche Achse vergangener Friedrichshafener Tage, Tischer/Schöps, wieder gut harmonierte. In der Vorbereitung hatte es in diesem Bereich noch Abstimmungsprobleme gegeben.

Ausführlicher Spielbericht

1. Satz
Das deutsche Team setzte den Gast aus Taiwan vom ersten Ballwechsel an unter Druck. Tischers Aufschläge waren Grundlage für das 2-0, der zweite Punkt wurde per Block (Bergmann/Schöps) unter Dach und Fach gebracht. Nach einem Angriffsfehler von Schöps hatten die Asiaten den Ausgleich geschafft (3-3), Schöps erhöhte dann per Ass auf 6-4. Böhme machte per Block das 7-4, ehe Schöps erneut per Ass punkten konnte – erste technische Auszeit (8-4). Die Taiwanesen agierten überwiegend über die Außenposition vier, doch da die Bälle nicht sonderlich schnell waren, hatte der deutsche Block Zeit sich zu positionieren – Tischer erhöhte mit dieser Technik auf 9-4. Nach einem Annahmefehler von Steuerwald verkürzte Taiwan auf 10-7, doch ein Angriffspunkt von Schöps sowie ein verschlagener Ball der Gäste machten daraus ein 12-7. Tischer erhöhte per Netzkanten-Ass auf 14-8 – Auszeit Taiwan. Die Gäste gaben jedoch nicht auf und verkürzten per Block von Wang (gegen Andrae) auf 14-10, ehe Bergmann den nächsten Zähler per Aufsteiger beisteuerte. Nach Schmetterball Popp ging es mit fünf Zählern Vorsprung in die zweite technische Auszeit (16-11). Beide Teams punkteten in der Folge aus der Annahme, sodass der Vorsprung Bestand hatte (18-13). Als Tai den Ball durch den deutschen Block schlug, hieß es nur noch 19-16, ein Rückraumangriff von Popp sorgte wieder für das Fünf-Punkte-Polster (21-16). Taiwans Chef-Trainer Chang nahm beim 22-17 seine zweite Auszeit, den Satzverlust konnte er mit dieser Maßnahme jedoch nicht mehr abwenden. Andrae erhöhte per Aufschlag auf 23-17, Schöps machte per Angriff das 24-18. Christian Pampel kam zum Aufschlag für Bergmann und schlug prompt ein Ass (25-18).

2. Satz
Beide Teams gingen mit unveränderter Startformation in den zweiten Satz, und auch der Beginn war gleich: Nach erfolgreichen Angriffe von Andrae und Bergmann hieß es schnell 2-0, doch die Gäste konterten durch drei gute Aktionen und gingen das erste Mal im Spiel in Führung (2-3). Ein Angriff von Schöps (über den Block) sowie zwei Asss von Andrae (einen Roller, einen hart) sorgten wieder für die deutsche Führung (5-3). Dann eine kleine Schrecksekunde, als Kapitän Andrae bei einer Abwehraktion umknickt, aber weiter machen kann. Mit vier Zählern Vorsprung geht es in die erste technische Auszeit, weil die Asiaten keinen Ball auf den Boden der deutschen Sechs unterbringen können (8-4). Popp gelingt gegen die klein gewachsenen Asiaten gar ein Punkt per Trickschlag – überhaupt können die Taiwanesen in der Abwehr (eigentlich eine Domäne der asiatischen Teams) bislang nicht sonderlich überzeugen (10-5). Dafür spielt Taiwan teilweise überraschend im Angriff: Vor allem der Hinterfeldangriff über die Position fünf ist doch eher untypisch im internationalen Volleyball. Nach zwei „Knallern“ von Popp aus dem Rückraum und Andrae am Netz schraubt die deutsche Mannschaft das Ergebnis hoch (14-8). Ein Angriffsfehler von Wang lässt beide Teams in die zweite technische Auszeit gehen (16-8). Mit diesem Vorsprung im Rücken agierte das deutsche Team in der Folge souverän: Vor allem aus der Annahme punkteten die deutschen Angreifer erfolgreich, da die Annahme stand, und Tischer die Bälle variabel verteilte (20-11). Moculescu führte einen Doppelwechsel durch und brachte Frank Dehne sowie Christian Pampel (für Tischer und Schöps, 22-13). Pampel holte mit zwei Angriffsschlägen Satzbälle (24-15), Böhme machte gleich den ersten per Ass klar – 2:0-Satzführung (25-15).

3. Satz
Die Formationen blieben wie zu Beginn des Spiels unverändert, Taiwan ging nach einem starken Aufschlag von Chiang 1-3 in Führung. Nach einem Angriffsfehler von Tai war der Ausgleich geschafft (4-4), doch nach einem Missverständnis zwischen Tischer/Böhme lief das deutsche Team erneut einem Rückstand hinterher. Mit 6-8 ging es in die zweite technische Auszeit, dieser Rückstand hatte bis zum 8-10 Bestand, dann punktete Schöps per Block (10-10). Bei der ersten Führung im dritten Satz profitierte die deutsche Mannschaft von einem gegnerischen Angriffsfehler (11-10), ein weiterer sorgte für das 13-11 und Auszeit Taiwan. Der längste Ballwechsel des Spiels wurde schließlich per Blockpunkt durch Tischer abgeschlossen – die Führung wuchs (15-12). Ein Block von Andrae/Bergmann brachte das 18-14, Andrae erhöhte per direktem Aufschlagpunkt auf 20-15. Mark Siebeck kam für Bergmann zum Aufschlag und bereitete den nächsten Zähler per Aufschlag-Roller vor (22-16). Böhme machte im Anschluss nochmals die „Luke dicht“, ehe ein Fehlaufschlag von Hung für Matchbälle sorgte (24-17). Tischer beendete die Partie mit einem erfolgreichen Angriff, der erste Schritt in Richtung Peking ist geschafft (25-17).

Foto
Foto Conny Kurth: Jubel beim deutschen Team über den ersten Sieg in Düsseldorf.

Stimmen zum Spiel

Stelian Moculescu: „Kompliment an die Mannschaft. Wir wollten hoch gewinnen, möglichst auch nach Ballpunkten, weil dies in diesem Turnier von Bedeutung ist. Die Mannschaft hat über weite Strecken gut gespielt, vor allem in Annahme und Aufschlag, Tischer hat die Bälle gut verteilt. Aber Taiwan ist auch nicht der Gegner, der meiner Mannschaft alles abverlangt, die Deutlichkeit des Sieges zeigt jedoch, dass meine Mannschaft auf den Punkt da ist.“

Björn Andrae: „Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, so hoch wie möglich zu gewinnen. Das haben wir geschafft, weil wir vor allem im Aufschlag Druck ausüben konnten. Man darf das Spiel nicht mit der Partie gegen Kuba vergleichen, die spielen viel athletischer.“

Ralph Bergmann: „Wir waren nervös, aber wir wussten, dass wir gewinnen. Wir hatten schon schlechtere Spiele in einer Auftaktpartie. Kuba ist mit Taiwan nicht zu vergleichen: Die sind athletisch und groß, das wird Power-Volleyball. Wir gucken uns nachher die Kubaner gegen Spanien an, dann beginnt die Vorbereitung.“

Marcus Popp: „Die Stimmung bei uns ist topp. Wir wollten mit Spaß spielen, das haben wir gemacht. Wir sind bis in die Haarspitzen motiviert.“

Jung Hsiang Chang (Trainer TPE): „Deutschland ist eine sehr große Mannschaft mit harten Angriffen. Wir sind sehr jung und unerfahren, und dies war für uns heute das erste Spiel gegen eine europäische Mannschaft.“

Spielstatistik