Beach-EM Hamburg (M): Jonas Reckermann: „Europameisterschaften waren immer etwas Besonderes für mich“
Drei 2. Plätze, drei 5. Plätze und 2 9. Plätze lässt das Team Jonas Reckermann/Mischa Urbatzka in die Olympia-Qualifikation einfließen. Eine herausragende Ausbeute, doch zu wenig: Die Olympischen Spiele 2008 in Peking finden ohne Reckermann/Urbatzka statt, weil Julius Brink/Christoph Dieckmann und David Klemperer/Eric Koreng noch besser waren. Als US-Amerikaner wäre das für den 1. FC Köln spielende Beach-Volleyball-Duo übrigens für Peking qualifiziert…
1) Seit dem vergangenen Wochenende ist klar: Die Olympischen Spiele in Peking finden ohne das Team Reckermann/Urbatzka statt. Wie ist die Gefühlslage?
Reckermann: „Ich würde es mal als enttäuscht/traurig, aber gefasst beschreiben. Wir haben eine sehr gute Qualifikationsphase gespielt, standen insgesamt dreimal im Finale, erreichten bei jedem Grand Slam eine Top Ten-Platzierung - da kann man nicht von einer sportlichen Enttäuschung sprechen...“
2) Ihr hättet euch für jedes andere Land (bis auf Brasilien) für Peking qualifiziert. Was zeigt das?
Reckermann: „Das ist natürlich ziemlich offensichtlich: Deutschland ist zumindest bei den Männern eine Beach-Volleyball-Großmacht. In jedem der Grand Slams in diesem Jahr standen deutsche Teams im Halbfinale, hinzukommen Top-Platzierungen bei den Open Events. Kurzfristig und egoistisch betrachtet wäre ich im Augenblick natürlich lieber Nationalspieler eines anderen Landes...“
3) Woran lag der Unterschied zu Brink/Dieckmann und Klemperer/Koreng bzw. wo habt ihr Boden verloren?
Reckermann: „Wir haben sicherlich alles andere als enttäuscht, haben uns ja erst unmittelbar vor Beginn der Qualifikationsphase als Team zusammen getan. Mischa ist vom internationalen Nobody innerhalb kürzester Zeit zu einem Topspieler gereift. Vor Beginn der Qualifikationsphase hatte ich ein Jahr lang verletzungsbedingt keinen Beach-Volleyball in der Hand gehabt. Für diese Rahmenbedingungen haben wir eine sensationelle Qualifikationsphase gespielt. Hätte uns vorher jemand gesagt, dass wir gleich im ersten Jahr die Saison in den Top Ten der Weltrangliste abschließen würden, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Gleichzeitig muss man festhalten, dass sowohl Brink/Dieckmann als auch Klemperer/Koreng herausragende Ergebnisse erzielt und das Olympiaticket absolut verdient haben. Es ist auch müßig zu überlegen, ob wir ohne unsere beiden längeren Verletzungspausen vielleicht noch mehr hätten zulegen können. Ich denke, dass wir das Bestmögliche herausgeholt haben, und am Ende standen eben leider zwei andere deutsche Teams noch weiter vorne.“
4) Die EM in Hamburg steht an. Wäre eine Medaille eine kleine Entschädigung für das verpasste Olympia-Ticket?
Reckermann: „Ich sehe die Turniere eigentlich unabhängig voneinander. Wenn wir jetzt etwas erzwingen wollen, dann geht das ohnehin schief, und gleichzeitig hätte ich auch eine gute EM spielen wollen, wenn wir uns für Olympia qualifiziert hätten. Wir möchten für uns und die deutschen Fans möglichst gutes Beach-Vvolleyball spielen. Es ist zwar unser siebtes Turnier in Serie aber für eine EM im eigenen Land lassen sich hoffentlich noch mal ausreichend Kräfte mobilisieren.“
5) Wer werden die härtesten Konkurrenten sein und wie viele Duos spielen bei den Männern um den Titel mit?
Reckermann: „Die härteste Konkurrenz kommt logischerweise aus dem eigenen Land, alle deutschen Teams haben Medaillenchancen, dazu kommen die Holländer, Russen, Österreicher, Schweizer, Spanier und vielleicht noch ein Überraschungsteam. Die Spitze liegt unheimlich dicht beisammen, eindeutige Prognosen sind da schwierig. Nummerdor/Schuil (NED) erwarte ich weit vorne, immerhin konnten sie es sich leisten, während des Grand Slams in Moskau eine Pause einzulegen, die werden frisch nach Hamburg kommen.“
6) Du hast bereits vier EM-Medaillen gewonnen (allesamt mit Markus Dieckmann), darunter auch die Titel 2002 und 2004. Hast du besondere Erinnerungen daran?
Reckermann: „Natürlich. Europameisterschaften waren immerhin etwas Besonderes für mich, bisher bin ich jedes mal mit einer Medaille nach Hause gekommen (inklusive der U-23-EM mit David Klemperer). Die EM in Basel war meine erste EM überhaupt, mit Markus gelang gleich der große Wurf. 2004 dann der Erfolg in der Heimat in Timmendorfer Strand - auch ein ganz besonderes Erlebnis. Ich hätte kein Problem damit, wenn die Serie mit Mischa so weitergehen würde...“
7) Ist ein Turnier in Deutschland stets etwas Besonderes für die Weltreisenden in Sachen Beach-Volleyball?
Reckermann: „Es ist immer wieder schön, in der Heimat zu spielen. Nicht nur wegen der verkürzten Anreise, sondern vor allem auch weil viele Leute vor Ort sein werden, die einem nahe stehen. Hinzu kommt die große Fachkenntnis und Begeisterungsfähigkeit des deutschen Publikums. Es macht einfach Spaß vor solch einer Kulisse zu spielen.“
8) Wie geht es weiter mit dem Team Reckermann/Urbatzka?
Reckermann: „Wir werden nach der EM wohl eine kleine Pause einlegen und dann die Grand Slams in Gstaad und Klagenfurt spielen. Danach folgen Auftritte in der Heimat in Bonn und natürlich die Deutschen Meisterschaften in Timmendorf. Weiter haben wir noch nicht wirklich geplant, bis letzte Woche wussten wir ja nicht einmal, wo wir im August spielen würden...Die World Tour geht noch weiter bis Ende November, mal schauen wo wir noch spielen werden.“
9) Wie wirst du die Olympischen Spiele erleben? Und: Guckst du dir die Beach-Volleyball-Wettkämpfe an?
Reckermann: „Ich werde vermutlich zu Hause in Köln sein und natürlich mit Interesse alle möglichen Sportarten verfolgen - selbstverständlich auch das Beach-Volleyball-Turnier. Ein bisschen Wehmut wird vermutlich bei den ersten Übertragungen dabei sein, aber es dient dann auch als Ansporn für 2012...“