Volleyball-Verband Berlin: Führungskrise abgewendet – Hecht doch wieder Präsident!
Der ordentlicher Verbandstag des Volleyball-Verbandes Berlin (VVB) wählte René Hecht zum Präsidenten. Die drohende Führungskrise des rund 11 000 Mitglieder zählenden Volleyball-Verbandes Berlin (VVB) wurde abgewendet. Und die „alte Führung“ nimmt die mehrheitlich beschlossenen Struktur-veränderungen des Präsidiums in Angriff – das sind die wichtigsten Signale des Ordentlichen Verbandstages des VVB am 6. Juni im Coubertin-Saal des Berliner Landessportbundes.
Bekanntlich hatte sechs Wochen vor dem Verbandstag die komplette Führungsspitze mit Präsident René Hecht und Vizepräsidentin Maike Arlt (Sport) sowie den Vizepräsidenten Gunnar Götz (Verwaltung) und André Zander (Finanzen) angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Die noch vor zwei Jahren so gerühmte Doppelspitze mit dem deutschen Rekordnationalspieler Hecht (385 Länderspiele) und der Ex-Nationalspielerin Arlt war auf dem Wege aufzugeben.
Die einsetzende fieberhafte Suche nach neuen Kandidaten blieb erfolglos, so dass der Verband in eine gefährliche Führungskrise zu stürzen drohte, von der er sich so schnell nicht wieder erholt hätte. Doch drei Tage vor dem Verbandstag signalisierte Hecht eine Kehrtwende. Nach seiner Ankündigung, das Präsidentenamt aufgeben zu wollen, war er innerhalb des Verbandes von vielen Seiten gebeten worden, seine Entscheidung zu überdenken. Zudem wäre es schade, so der allgemeine Tenor, wenn der VVB den mit ihm neu eingeschlagenen Weg nicht weiter gehen könnte. „Ich habe diese Einwände sehr ernst genommen, sie abgewogen und mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, doch noch einmal zu kandidieren“, äußerte Hecht. „Ich will – unterstützt durch mein bewährtes Team – versuchen, mit neuen Strukturen die Kluft zwischen beruflicher Belastung, dem Ehrenamt und meinen Ansprüchen an die Verbandsarbeit zu überbrücken.“
Hecht hatte zuvor seinen Rückzug damit erklärt, dass er „trotz hohen Aufwandes die eigenen Ziele und Erwartungen nicht durchsetzen“ konnte. „Meine Ansprüche sind hoch, dafür konnte ich zu wenig bewegen.“ In seinem Rechenschaftsbericht an den Verbandstag nahm er auch kein Blatt vor den Mund, um zu erklären, was ihn zum Amtsverzicht bewogen habe. „Persönliche Offenheit und Vertrauen fanden nicht die erhoffte Resonanz. Leider wird oft viel Zeit und Energie mit Grabenkämpfen, Kompetenzgerangel und Selbstdarstellung auf Kosten anderer verschwendet.“ In seinen ergänzenden Bemerkungen vor den Delegierten beklagte Hecht vor allem „fehlende Kommunikation und mangelndes Vertrauen“ und „mehr ein Gegeneinander statt ein Mit- und Untereinander“.
Bei allen durchaus berechtigten Einwänden von Hecht und Co. hatte es unter Verbandsmitgliedern aber Unverständnis darüber gegeben, dass eine Führungsspitze nach nur einer Wahlperiode von zwei Jahren aufsteckt und auch darüber, dass eben diese Führungsspitze eine neue Struktur initiierte, die sie „eine gute Vorlage für die künftige Arbeit des Verbandes“ (Hecht) nannte, aber selbst nicht mit Hand anzulegen bereit war, diese Struktur nunmehr in der Praxis umzusetzen
Hechts Rücktritt vom Rücktritt war schließlich wie ein Befreiungsschlag. Der 45-Jährige wurde von den 85 Delegierten ohne Gegenstimme gewählt. Seine Kehrtwende hatte Signalwirkung. Maike Arlt kandidierte als Vizepräsidentin Volleyball-Sport, woraufhin der bisherige Leistungssportwart Klaus Helmke seine Kandidatur zurückzog, und Gunnar Götz stellte sich der Wahl als Vizepräsident für den neuen Geschäftsbereich Finanzen und Verwaltung. Beide wurden ebenso mehrheitlich gewählt wie die neuen Vizepräsidenten Stephan Eckardt (Beachvolleyball-Sport), Markus Rusch (Jugendsport) und Harald Fröhlich (Breitensport). Damit stehen dem Präsidenten nach der neuen Struktur des Präsidiums fünf Vizepräsidenten zur Seite.
Aus der Führungsriege schied der langjährige Vizepräsident Finanzen, André Zander, aus, der aus beruflichen Gründen schon vor zwei Jahren nicht mehr kandidieren wollte, nunmehr aber seine Ankündigung wahr machte. Er wurde mit viel Beifall und Blumen als Vize verabschiedet. Zander bleibt jedoch dem Präsidium als wieder gewählter Schiedsrichterwart erhalten. Dem neuen Präsidium gehören auch Heiko Schultz (Landesspielwart), Torsten Spiller (Jugendspielwart) und Gerhard Prenzel (Lehrwart) an. Die drei gewählten Referenten sind Klaus Helmke (Leistungssport), Jochen Altmann (Schulsport) und Christa Wels (Bußgeldkasse). Ein Pressewart wurde nicht – wie bisher üblich – vom Verbandstag gewählt. Der künftige Referent für Öffentlichkeitsarbeit wird vom Präsidium berufen.
Wahrlich kein Ruhmesblatt indes war für die Delegierten, dass sich nicht ein einziger von ihnen in der Aussprache über die vorliegenden Rechenschaftsbericht der Vorstands- und Präsidiumsmitglieder zu Wort gemeldet hat. Dabei boten die Berichte durchaus genug Debattenstoff. Auch die durch die Strukturveränderungen bedingte neue Satzung und Geschäftsordnung des VVB gingen völlig kommentarlos über die Bühne. Dabei wäre es nützlich für alle Seiten gewesen, von der Basis zu hören, wie sie die Strukturveränderung mit einem kleineren Präsidium und mit der Verlagerung der künftigen Arbeit in zehn Kommissionen beurteilt. Durchaus vorwärtsweisend wäre gewesen, sich über die künftige Entscheidungskompetenz der Kommissionen auszutauschen. Leider Fehlanzeige!
Dafür wurde umso heftiger und fast endlos über die Beitragserhöhung ab 2008 (200 Euro Vereinsgrundbeitrag für wettkampfspielende Mitglieder und 140 Euro für Vereine mit freizeitspielenden Mitgliedern) sowie über die einmalige Beitragsumlage für 2007 von 45 Euro pro Verein gestritten. Beide Erhöhungen sind darauf zurückzuführen, dass der DVV in den letzten Jahren seine Beiträge für die Mitgliedsverbände deutlich angehoben hat.
Schließlich gab es noch jede Menge Ehrungen für Vereine, die letzte Saison besonders erfolgreich waren. Mit der Ehrennadel des VVB in Silber wurden Klaus Grosche und Peter Neumann ausgezeichnet, die Ehrennadel in Bronze erhielten Susanne Kingreen, René Ryll, Udo Marquardt, Ralf Hartig und Victor Eras.
Unterm Strich bleibt zu wünschen, dass René Hecht und seine Mannschaft auf dem nächsten Verbandstag am 17. Juni 2008 unisono sagen können: Es hat sich gelohnt!
(Quelle: Jürgen Holz)