European Beach Tour Luzern: Ein Abschied in Raten!
Zürich/Luzern - Auch ein Profi braucht mal seine Ruhe. Als Paul Laciga sich Zeit nimmt, um für dieses Interview Rede und Antwort zu stehen, kommt er gerade vom Fischen. Am Mosersee in der Nähe von Bern hat er ein neues Revier gefunden. Aber der Erfolg war bescheiden. „Vielleicht war es zu heiß heute”, sagt der 36-Jährige. Paul Laciga steht 2007 im Blickpunkt, weil er das Ende seiner Karriere angedeutet hat. Doch weil man nie nie sagen soll, kann sich das bald wieder ändern, wie Paul Laciga im Interview offen lässt. Sicher ist nur: Der Vize-Weltmeister (2005 mit Sascha Heyer) und dreifache Europameister (1998, 1999 und 2000 mit Martin Laciga) wird beim Swiss Masters der NESTEA European Championship Tour vom 5. bis 8. Juli 2007 mit seinem Bruder Martin (32) spielen. Auf der Bühlermatte beim Lido in Luzern – dort, wo beide gemeinsam vor 15 Jahren ihr erstes Beach Volleyball Turnier bestritten haben.
Auf der Website www.laciga.ch läuft der Countdown runter bis zur WM. Wie viele Tage sind es noch bis zum Karriere-Ende?
Laciga: „Erst mal weiß ich nur, dass ich am 23. Juli in Gstaad eine Pressekonferenz geben werde. Erst bis dahin, weiß ich was wirklich kommt. Geplant war das Ende der sportlichen Laufbahn, aber durch die neue Situation, wieder mit meinem Bruder Martin zu spielen, lasse ich mir noch ein Hintertürchen offen. Wenn es überraschend gut läuft, würde ich den Plan eventuell noch ändern.“
Ist diese Entscheidung abhängig von einem bestimmten Ergebnis bei der Weltmeisterschaft?
Laciga: „Ich will es einfach mal ein, zwei Monate testen, wie es so läuft.“
Wenn die sportliche Laufbahn doch beendet wird, was ist dann die Alternative?
Laciga: „Das ist natürlich die meistgestellte Frage. Sicher ist nur, dass ich nicht als Trainer arbeiten werde, weil ich ein wenig vom Sandplatz weg kommen will. Lieber im Hintergrund arbeiten, es kann Sport sein, kann aber auch etwas ganz anderes in der Wirtschaft sein. Ich möchte einfach mal eine Zeit lang nicht im Sand stehen.“
Sind die Ziele in diesem Jahr anders als früher?
Laciga: „Geplant war, mit einem jungen Spieler zu spielen und etwas zurück zu geben. Ich wollte helfen, damit Talente schneller an die Spitze kommen können. Mit der neuen Konstellation mit Martin haben sich die Ziele geändert. Denn Martin ist ja nicht der Jüngste, entsprechend geht es jetzt um Leistung und Ergebnisse.“
Wer hat Sie und Ihren Bruder jetzt zusammen geführt?
Laciga: „Er selbst. Er musste, denn er hatte ja keinen Partner. Durch die Knieverletzung von Markus Egger war es eine naheliegende und die beste Lösung.“
Hand aufs Herz: Das Schweigen der Brüder war eine in den Medien viel beachtete Geschichte. Teil einer klugen PR-Strategie, Zufall oder bitterer Ernst?
Laciga: „Es wird in Gstaad eine Ausstellung zu meiner Karriere geben, dort werde ich dazu auch Stellung nehmen. Es gab immer viele Gerüchte, wir hätten das als PR-Gag gemacht. Sicher haben wir das an der einen oder anderen Stelle auch mal aus Marketinggründen ausgenutzt. Wenn die Medien daran interessiert sind, okay. Aber es war nie eine erklärte Absicht. Wir haben auch nie absichtlich, das Gerücht gestreut. Anders wäre es mir lieber gewesen. Aber Fakt ist: Wenn wir miteinander gesprochen hätten, hätten wir immer gestritten. Also war es das Beste nicht zu reden, um unsere Resultate optimal zu erreichen.“
Gab es in den 15 Jahren Leistungssport überhaupt Zeit für Hobbies oder andere Interessen?
Laciga: „Sehr wenig, neun bis zehn Monate im Jahr gehörten dem Beach Volleyball. Höchstens im Winter gab es mal Zeit für andere Projekte, um mich abzulenken. Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert, ich habe auch mal etwas erfunden, eine Firma gegründet oder die Europameisterschaft 2002 in Basel mit organisiert. Aber richtig viel Zeit gab es nicht.“
Wissen Sie noch, wie hoch Ihr erstes Preisgeld war und welche Platzierung es war?
Laciga: „Ich glaube, die Sieger bekamen bei dem Turnier im Lido in Luzern 10.000 Schweizer Franken. Das war viel Geld. Aber wir haben nichts davon abbekommen. Wir kamen nur auf Platz 17.“
Fünf Schlagworte, die die Zeit seit dem ersten Beach Volleyball-Turnier von 1992, charakterisieren?
Laciga: „Spitzensport, Strand, Reiserei, Siege, Niederlagen.“
In Gstaad wird es während der WM auf dem Kapälli-Platz eine Sonderausstellung über Paul Laciga geben. Was ist die Intention dabei?
Laciga: „Ich habe mir überlegt, wie ich mich bei den Fans ein bisschen bedanken kann. In Gstaad werden viele da sein, die mich während der 15 Jahre begleitet haben. Bei der Ausstellung haben sie die Möglichkeit vieles zu sehen, was sie in den Medien noch nicht gefunden haben. Wir waren ja sehr viel im Ausland unterwegs, da ist vieles hier gar nicht bekannt. Was so passiert ist, Siege, Niederlagen, Verletzungen oder Lustiges. Andere Leute schreiben ein Buch, dazu hatte ich keine Lust. Lieber mache ich eine Ausstellung.“
NESTEA European Championship Tour 2007
17. – 20. Mai: Austrian Masters / St. Pölten (Österreich)
31. Mai – 3. Juni: Russian Masters / Moskau (Russland)
14. – 17. Juni: German Masters / Hamburg (Deutschland)
5. – 8. Juli: Swiss Masters / Luzern (Schweiz)
9. – 12. August: Dutch Masters / Den Haag (Niederlande)
23. – 26. August: NESTEA European Championship Final / Valencia (Spanien)
(Quelle: GSM)