European Beach Tour Hamburg (F/M): Schlaflos in Hamburg!
Hamburg - Wer Großes leisten will – und das auch noch in seiner Stadt – der muss auch bereit sein, Opfer zu bringen. Stephanie Pohl hat diese Leidensfähigkeit verinnerlicht und einiges auf sich genommen, um beim German Masters der NESTEA European Championship Tour der Beach Volleyballer auf dem Hamburger Rathausmarkt an den Start gehen zu können. Sofort nach dem Ausscheiden beim Turnier der World Tour hatte sie sich mit Partnerin Okka Rau auf den Weg gemacht, um rechtzeitig beim Heimspiel anzukommen. Allerdings nahmen die beiden Deutschen unterschiedliche Maschinen, was prompt arge Auswirkungen hatte: Während Okka Rau problemlos bis nach Hamburg durchkam, verpasste Stephanie Pohl den Anschlussflug in Frankfurt.
Aufgeben gilt nicht, sagte sich die 29-Jährige, und machte sich nachts mit dem Auto auf den Weg nach Norden. Um halb fünf Uhr morgens, draußen war es längst hell, erreichte sie die Stadt, in der sie wenige Stunden später die europäische Beach Volleyball-Elite herausfordern sollte. Doch damit nicht genug: Als Stephanie Pohl endlich im Bett lag, war sie so aufgekratzt, dass sich nicht zur Ruhe kam. Doch anstatt zu verzweifeln, nahm sie die Dinge mit Humor: „Das Witzige war, dass ich überhaupt nicht einschlafen konnte.“ Also lag Stephanie Pohl vier Stunden wach im Bett, stand danach auf, um auf dem Centre Court ihrem Job nachzugehen. Nun gilt Hamburg ja deutschlandweit als die Stadt, in der man am besten die Nächte durchmachen kann. Doch diejenigen, die das praktizieren, verstehen etwas anderes darunter als der schlaflose Beach Volleyball-Profi vom Hamburger SV.
Zunächst hat man Stephanie Pohl die Strapazen nicht angesehen. Um zehn Uhr auf dem Centre Court war sie vom ersten Ballwechsel an voll präsent, nach dem klaren Auftaktsieg gegen die deutschen Konkurrentinnen Claudia Lehmann und Julia Sude wirkte die Europameisterin von 2003 hellwach und strahlte: „Ich freue mich unheimlich, dass ich jetzt doch in Hamburg spielen kann.“ Ihr Trainer Bernd Schlesinger formulierte es so: „Aus sportlicher Sicht ist es ärgerlich, dass Stephie und Okka in Portugal so früh gescheitert sind, aber als Hamburger finde ich es toll, dass sie jetzt hier spielen.“ Okka Rau nimmt die Rolle des Favoriten beim Heimspiel an: „Wir haben hier letztes Jahr gewonnen und sind an Nummer eins gesetzt. Da ist es natürlich unsere Pflicht, was zu reißen.“ Das wird allerdings schwierig, denn nach dem starken Auftakt gab es gegen Liesbeth Mouha und Liesbet Simurina (Belgien) eine Niederlage, durch die die Favoriten in die Verliererrunde rutschten.
Besser machten es bei den Männern David Klemperer und Eric Koreng. Ebenfalls zwei Deutsche, die beim German Masters an Position eins notiert sind. Doch damit hören die Parallelen mit dem Frauenteam auch schon auf. Während Pohl/Rau in Europa seit Jahren zur Creme de la Creme gerechnet werden, spielen Klemperer und Koreng erst seit wenigen Wochen zusammen. Weil Korengs etatmäßiger Partner Kjell Schneider verletzungsbedingt ausfiel, kam wenige Wochen vor Saisonbeginn die Liason mit Koreng zustande. Aus dem Stand sprangen beide in die europäische Spitze, das Tempo des Aufstiegs hat auch Klemperer verblüfft: „Wir sind positiv überrascht, wie schnell das gegangen ist.“ Von Vorteil ist dabei zweifellos, dass beide im Jahr 2005 bereits eine Saison gemeinsam bestritten haben. „Viele Abläufe“, so Klemperer, „die sich andere erst mühsam erarbeiten müssen, sitzen bei uns schon.“ Wie konstant sie ihr Spiel präsentieren, haben Klemperer und Koreng bislang in Hamburg nachgewiesen: Zwei glatte Siege gegen die deutschen Konkurrenten Backhaus/Götz und Kaczmarek/Krug machen Lust auf mehr: „Wenn am Sonntag die Medaillen ausgespielt werden“, sagt Klemperer, „wollen wir noch dabei sein.“
(GSM)