EM in Russland (M): Serbien entzaubert Niederlande – Bulgarien und Italien mit Mühe
Zum EM-Auftakt gab es bereits einige interessante Ergebnisse. Das wichtigste aus deutscher Sicht: Serbien fertigte die Niederlande mit 3:0 ab und ist in dieser Form am 7. September mehr als ein unangenehmer Auftaktgegner. Der WM-Dritte Bulgarien bezwang nach einem 0:2-Satzrückstand noch Kroatien, Titelverteidiger Italien benötigte ebenfalls fünf Sätze gegen Finnland. Gastgeber Russland gab sich beim 3:0 über Belgien keine Blöße.
Die Spielberichte
Gruppe A in St. Petersburg
Niederlande – Serbien 0:3 (23-25, 21-25, 18-25)
Deutschlands Auftaktgegner am 7. September präsentierte sich in seiner ersten EM-Partie bestens präpariert: Gegen die Niederländer hatte der Olympiasieger von 2000 keine Probleme, denn spätestens zur Mitte der Sätze wurde jeweils ein größerer Punktevorsprung erarbeitet, der zum Satzgewinn reichte. Dabei stützte sich das Spiel nicht nur über Ivan „den Schrecklichen“ Miljkovic, auch wenn der Diagonalangreifer die meisten Bälle zugespielt bekam. Zuspieler Nikola Grbic setzte seine Angreifer variabel ein, seine Schnellangreifer vernachlässigte er dagegen ziemlich. Die Annahme der Serben agierte enorm stabil, profitierte jedoch auch von der ungewohnten niederländischen Aufschlag-Schwäche. Dem Service der Niederländer fehlte es vor allem an Konstanz, zu oft segelten die Aufschläge hinter das Feld oder ins Netz.
Startformation NED: van Gendt, Olieman, Trommel, Horstink, Kooistra, Bontje, Klok
Startformation SRB: N. Grbic, Miljkovic, Geric, Podrascanin, Nikic, Janic, Samardzic
1. Satz
Beide Mannschaften tasteten sich zu Beginn des Spiels ab, dann legten die Serben als erstes die “Zurückhaltung” ab: Die Aufschläge kamen härter und bereiteten der Annahme um Libero Klok Probleme. Zudem funktionierte der serbische Block um Schwergewicht Geric (101 kg). Die Niederländer fanden ihrerseits von der Aufschlaglinie noch überhaupt keinen Rhythmus und liefen somit dem Vorsprung (11-16) hinterher. Zwei Asse von Olieman und Bontje zeigten die Stärke der „Oranjes“, der Anschluss gelang (19-20). Die Aufholjagd kam jedoch zu spät, Nikic verwandelte den zweiten Satzball.
2. Satz
Die gesunde Mixtur aus Erfahrung und jugendlicher Leidenschaft brachte auch im zweiten Satz Vorteile für den WM-Vierten Serbien. Angeführt von den Olympiasiegern von 2000, Grbic, Miljkovic und Geric, setzte sich die Mannschaft durch eine Fünfer-Serie ab (9-13). Das steckten die Niederländer nicht weg, auch wenn Trainer Peter Blangé mit Spielerwechseln alles versuchte. Die Serben brachten auch den zweiten Durchgang nach Hause.
3. Satz
Wer im dritten Satz ein Aufbäumen der Niederländer erwartet hatte, wurde enttäuscht: Serbien erwischte einen Blitzstart (0-5) und machte den Sieg bereits am Anfang klar. Auch das erhöhte Risiko in den Aufschlägen zahlte sich nicht aus, weil sie entweder fehlerhaft waren oder aber sicher pariert wurden.
Punktbeste Spieler
Serbien: Milos Nikic (12)
Niederlande: Wytze Kooistra (12)
Statement Peter Blangé (Trainer NED): „Wir haben die Sätze zu Beginn verloren, weil wir viele Breaks kassierten. Danach haben wir mit viel Risiko aufgeschlagen, aber es hat nicht gereicht. In den entscheidenden Situationen haben die Serben keine Fehler gemacht.“
Statement Igor Kokakovic (Trainer SRB): “Es war ein sehr schweres Spiel für uns, weil wir in der Vorbereitung viele schwache Resultate hatten. Meine Spieler haben ihre Qualitäten gezeigt, als es darum ging, den Vorsprung zu verteidigen. Deutschland hat eine starke Mannschaft, aber wenn wir so spielen wie heute, gewinnen wir.”
Gruppe C in St. Petersburg
Slowenien – Spanien 1:3 (25-16, 20-25, 21-25, 18-25)
Slowenien startete bärenstark in das Auftaktspiel in St. Petersburg: Harte Aufschläge mit hoher Konstanz, eine hervorragende Annahme und sprunggewaltige Angreifer, die die Bälle von Zuspieler Rok Satler (ehemals VfB Friedrichshafen) serienweise versenkten. Zudem wirkten die Spieler hoch motiviert, feierten jeden Punkt enthusiastisch, während die Spanier lethargisch wirkten und agierten. Erst nach einem Donnerwetter von Spaniens Trainer Andrea Anastasi zu Beginn des zweiten Satzes berappelte sich der Sieger der European League 2007. Vor allem Diagonalangreifer Guillermo Falasca fand nun immer besser ins Spiel und war vom Block der Slowenen kaum zu stoppen. Zudem spielten die Spanier nun ihre körperliche Überlegenheit gegen die wohl kleinste EM-Mannschaft (drei Spieler in der Startformation unter 1,90 Meter) aus und siegten am Ende doch noch deutlich.
Punktbeste Spieler
Spanien: Guillermo Falasca (25)
Slowenien: Alan Komel (15)
Frankreich – Slowakei (25-23, 25-23, 24-26, 25-15)
Der Favorit der Gruppe C, Frankreich, ist mit einem mühevollen Sieg in die EM gestartet, musste diesen jedoch möglicherweise teuer bezahlen: Bereits im ersten Satz (15-15) knickte Zuspieler Pierre Pujol, in der kommenden Saison Mitspieler von Stefan Hübner bei Treviso/ITA, um und musste vom Platz getragen werden. Für ihn kam Loic le Marrec, ebenfalls ein exzellenter Ballverteiler. Die Partie gegen die Aufschlag starken Slowaken war sehr intensiv geführt, sowohl auf den gut gefüllten Rängen als auch auf dem Feld. Erst nach dem Verlust des dritten Satzes bekamen die Franzosen das Spiel richtig in den Griff.
Punktbeste Spieler
Frankreich: Antonin Rouzier (21)
Slowakei: Michael Cerven, Tomas Kmet (14)
Gruppe B in Moskau
Russland – Belgien 3:0 (25-17, 25-20, 25-22)
Gastgeber Russland ist seiner Favoritenrolle zum Auftakt der EM gerecht geworden: Gegen die bei der EM am schwächsten in der Weltrangliste platzierte Mannschaft, Belgien (75.), gewann der EM-Favorit ohne Probleme. 7.600 Zuschauer waren Zeuge, dass Trainer Vladimir Alekno ohne die Stars Pavel Abramov und Sergey Tetyukhin begann. Beide wurden erst im dritten Satz eingewechselt. Doch auch ohne die beiden etablierten Außenangreifer war Belgien eine Nummer zu klein für Russland.
Punktbeste Spieler
Russland: Semen Poltavsky, Alexey Kuleshov (je 9)
Belgien: Kristof Hoho (12)
Gruppe D in Moskau
FIN – ITA 2:3 (21-25, 18-25, 25-21, 25-22, 13-15)
Italien ist mit einem erwartungsgemäßen Erfolg über Finnland in das Projekt „Titelverteidigung“ gestartet, kam aber mit einem „blauen Auge“ davon. Die Italiener, in deren Stammformation mit Luigi Mastrangelo, Valerio Vermiglio und Alessandro Fei auch drei Europameister von 2003 stehen, gaben sich zunächst keine Blöße, ließen dann jedoch die Zügel schleifen und die Finnen ins Spiel kommen. Das wäre fast nach hinten los gegangen, am Ende entschied das Quäntchen Glück für die Italiener.
Punktbeste Spieler
Italien: Alessandro Fei (18)
Finnland: Mikko Oivanen (31)

Foto RUS: Die Bulgaren kämpften und wurden mit einem Sieg belohnt.
CRO - BUL 2:3 (26-24, 25-23, 12-25, 20-25, 10-15)
EM-Mitfavorit Bulgarien tat sich in seinem Auftaktspiel gegen Kroatien sehr schwer. Kroatien zeigte gleich im ersten Turnierspiel in Moskau, dass die Position in der Weltrangliste nicht ausschlaggebend ist und kein Team bei der EM zu unterschaetzen ist. Der Weltranglisten-40. hielt in den ersten beiden Saetzen gegen den um 33 Positionen besser platzierten WM-Dritten Bulgarien ausgezeichnet mit und wurde mit zwei Satzgewinnen belohnt. Dann setzte sich jedoch die Routine und Angriffspower Bulgariens durch. Am Ende gelang doch noch ein sicherer Erfolg zum Auftakt.
Punktbeste Spieler
Kroatien: Igor Omrcen (22)
Bulgarien: Boyan Yordanov (22)