EM 2007 Russland (M): DVV-Team kassiert die erste Niederlage
Die DVV-Maenner haben bei der Europameisterschaft in Russland ihre erste Niederlage kassiert, ziehen aber dennoch in die Zwischenrunde ein, die am Dienstag, 11. September, beginnt. Das Team von Bundestrainer Stelian Moculescu verlor gegen die Niederlande 0:3 (15-25, 24-26, 19-25), zuvor hatte es Siege gegen den WM-Vierten Serbien (3:1) und den Weltranglisten-11. Griechenland (3:0) gegeben. Die deutschen Männer müssen nun noch das Ergebnis der letzten Gruppenpartie zwischen Serbien und Griechenland (18.00 Uhr) abwarten. Je nach Ergebnis gehen sie mit 2:0- oder 1:1-Siegen in die Zwischenrunde, wo sie auf Frankreich, Spanien und die Slowakei treffen. Die zwei Erstplatzierten der Zwischenrundengruppen in St. Petersburg und Moskau, in der mit Gastgeber Russland und Titelverteidiger Italien, die beiden EM-Favoriten stehen, spielen die Medaillen aus. Punktbeste Spieler auf deutscher Seite waren Robert Kromm und Stefan Hübner (je 8) sowie Robert Horstink (17) auf niederländischer Seite.
Die deutsche Mannschaft stand vom ersten Ballwechsel an unter permanentem Druck: Die Niederländer, die in den beiden ersten Partien kaum ihre Aufschläge getroffen hatten, servierten mit unglaublich hoher Konstanz und Härte von der Aufschlaglinie. Schon nach wenigen Minuten stand es 3-8, der erste Satz war nach 21 Minuten weg. Im zweiten Satz fing sich das deutsche Team und hatte gegen Ende die große Chance, nach Sätzen auszugleichen. Doch Schöps missriet ein einfacher „Dankeball“, statt einer Dreipunkte-Führung (22-19) wurde es wieder eng. Auch die Statistik spricht Bände: Während die Niederländer acht Asse servierten (bei 13 Aufschlagfehlern), gelang den DVV-Männern nur ein direkter Aufschlagpunkt (Pampel) bei zwölf Fehlern.
Startsechs Deutschland: Frank Dehne im Zuspiel, Jochen Schöps auf der Diagonalposition, Robert Kromm und Björn Andrae im Außenangriff, Stefan Hübner und Ralph Bergmann im Mittelblock und Markus Steuerwald als Libero.
Startsechs Niederlande: Niko Freriks, Christian van der Wel, Robert Horstink, Jeroen Trommel, Wytze Kooistra, Rob Bontje und Marko Klok
Ausführlicher Spielbericht
1. Satz
Die Niederländer gingen nach einem Ass von Trommel sowie einem Schöps-Fehler im Angriff in Führung. Als Trommel abermals so druckvoll servierte, dass Kromm den Ball direkt über das Netz schaufelte und Horstink versenkte, nahm Moculescu eine Auszeit (1-4). Ein Kooistra-Block gegen Hübner schraubte das Ergebnis auf 1-5, Kromm verzog anschließend auch noch (1-6). Dann machte es der 2,12 Meter Riese im deutschen Team besser und erzielte den zweiten deutschen Punkt (2-6). Die Niederländer waren in dieser Anfangsphase hellwach und punkteten aus ihrer Annahme sehr sicher. Nach einem Bontje-Aufsteiger ging es mit 3-8 in die erste technische Auszeit. Nach einem Kromm-Kracher aus dem Rückraum und dem ersten Punkt von Schöps gestaltete sich das Ergebnis schon etwas freundlicher (5-8). Als Bontje den Rückraumball von Kromm blockte, waren wieder fünf Punkte Rückstand auf der Anzeigetafel zu sehen (5-10). Freriks erhöhte per zweitem Ball gar auf 5-11, dann punkteten Andrae und Kromm (nach starkem Andrae-Aufschlag) im Angriff (7-11). Die gefürchtete niederländische Aufschlagstärke, von der im bisherigen Turnierverlauf noch nichts zu sehen war, setzte sich weiter fort, Bontje schlug ein Ass – Auszeit Deutschland (7-13). Nach zwei weiteren starken Aufschlägen von Bontje wechselte Moculescu die Zuspieler, Simon Tischer kam für Dehne (7-15). Einen Punkt später kam Christian Pampel für Bergmann zum Aufschlag und servierte prompt ein Ass (9-15). Nach seinem Aufschlagfehler ging es mit sieben Zählern Rückstand in die zweite technische Auszeit (9-16). Es stellte sich jedoch keine Besserung ein, der niederländische Aufschlagdruck war zu groß. Um diesen zu entgegnen, schickte Moculescu Marcus Popp für Kromm aufs Feld (10-18). Ein erfolgreicher Dreierblock gegen den Lob von Horstink sowie ein Angriffsfehler von van der Wel brachte die DVV-Auswahl etwas heran (13-20) – Auszeit Niederlande. Diese fingen sich danach wieder und erhöhten auf 15-24, als Andrae am Einerblock von Trommel scheiterte. Symptomatisch das Ende des ersten Durchgangs – Horstink schlug einen Aufschlag-Winner.
2. Satz
Moculescu ließ wieder die Startsechs vom ersten Satz beginnen, den besseren Start hatten erneut die Oranjes, Horstink schlug den deutschen Block an (1-3). Nach erfolgreichem Hübner-Angriff, einem Angriffsfehler von van der Wel sowie einem Angriffspunkt von Andrae war die Führung erstmals beim deutschen Team (4-3). Kurze Zeit später war die Führung wieder gewechselt, weil Klok einen Bergmann-Angriff entschärfte und Horstink im Gegenangriff erfolgreich war (5-6). Die deutsche Annahme funktionierte nun besser, auch wenn die niederländischen Aufschläge weiterhin über das Netz schossen. Ein doppelter Bergmann, zunächst per Angriff dann per Block, brachte die Führung (8-7). Postwendend wechselte die wieder, als Bontje ein Ass servierte (8-9), doch das deutsche Team konterte durch Andrae erneut (11-10). Eine gute Block- und Feldabwehr gegen Kooistra bescherte der deutschen Mannschaft zum ersten Mal eine Zwei-Punkte-Führung: Kromm hatte die Punktchance auf den niederländischen Block gezogen, von dort sprang er unerreichbar weg (12-10). Hübner und Kromm hielten den Vorsprung mit erfolgreichen Angriffen (14-12), nach einem gefühlvollen Schöps-Roller hieß es 16-13. Der hart erarbeitete Vorsprung war innerhalb von Sekunden dahin, als Dehne seinen Aufschlag verzog, Bergmann abgewehrt wurde und Horstink ein Ass servierte (16-16) – Auszeit Moculescu. Ein weiterer Horstink-Knaller sorgte für die Führung der Niederländer (16-17), ehe nach starker deutscher Feldabwehr Andrae den Punktball versenkte (18-17). Pampel kam für Bergmann zum Aufschlag (19-18), servierte stark, wurde aber wieder vom Feld genommen, weil van der Wel den Punkt machte. Schöps hielt den Minimal-Vorsprung per Knaller, Hübner baute ihn per Block gegen van der Wel aus (21-19). Die große Punktchance zu erhöhen, vergab die DVV-Auswahl, als der Schiedsrichter Dehne ein Übergreifen abpfiff, Kromm machte anschließend das 22-20. Max Günthör kam für Hübner zum Aufschlag (23-21), musste einen Zähler jedoch wieder vom Feld. Eine starke Abwehr der Niederländer verwertete van der Wel anschließend zum Ausgleich (23-23), Moculescu nahm eine Auszeit. Der Aufschlagfehler von van der Wel bedeutete Satzball für Deutschland (24-23), Horstink wehrte knallhart diagonal ab. Als Andrae seinen Angriff neben die Außenlinie setzte, hieß es Satzball Niederlande (24-25), Bergmann schlug seinen Zwei-Meter-Schuss in den Zuspielerblock von Freriks (24-26).

Foto Conny Kurth: Wirkten ratlos: Bundestrainer Stelian Moculescu und Stefan Hübner.
3. Satz
Günthör kam für Bergmann aufs Feld, das deutsche Team ging nach einem Angriffsfehler der Niederländer 3-2 in Führung, gab diese jedoch per Schöps-Fehler postwendend ab (3-4). Nach einem Abschuss von Schöps hinter der Grundlinie sowie einem van der Wel-Ass ging es mit 5-8 in die Auszeit. Beide Teams gingen in der Folge hohes Risiko beim Aufschlag, die Folge waren viele Fehler (7-10). Ein Kromm-Angriff in den Block von Kooistra brachte die Niederländer, die an jedem deutschen Schlag dran waren, mit 9-13 in Führung. Dann gelang endlich ein Block gegen Horstink, doch als Schöps seinen Hinterfeldangriff (Punktchance) verzog, hieß es wieder 10-14. Pampel kam für Schöps, Günthör blockte Bontje (12-14). Günthör gelang ein Punkt per Aufsteiger, doch nach Horstin-Angriff ging es mit 13-16 in die zweite technische Auszeit. Abermals punktete Günthör per Schnellangriff, dann vergab Kromm die große Chance zum Anschluss, sein Angriff segelte ins aus (14-17). Als Bontje per Ass erhöhte, nahm Moculescu nochmals eine Auszeit (14-18), ein weiterer Punkt der Niederländer veranlasste Moculescu Popp für Kromm einzuwechseln. Der machte gleich einen Punkt per Angriff (15-19), danach kam Tischer für Dehne und das deutsche Team punktete zweimal per Block gegen Trommel (18-21) – Auszeit Niederlande. Nach Aufschlagfehler Pampel und abermals erfolgreichem Angriff von Horstink – den bekam das deutsche Team überhaupt nicht in den Griff – abermalige Auszeit (18-23). Ein Horstink-Block gegen Pampel bedeutete Matchbälle, ein Dreierblock gegen Andrae beendete die Partie.
Stimmen zum Spiel
Stelian Moculescu: „Es war wie im falschen Film: Die Niederländer haben alles getroffen, wir haben schlecht gespielt. Im zweiten Satz hatten wir die Chance, haben diese aber leichtfertig vergeben. Nachdem wir zwei sehr gute Spiele gemacht haben, war das heute ein schlechter Tag von uns. Aber so etwas gibt es, und vielleicht tut uns der Schuss vor den Bug ganz gut.“
Max Guenthör: „Die Niederländer haben mit ihren Aufschlägen hohen Druck auf unsere Annahme ausgeübt, sodass wir überhaupt nicht ins Spiel gekommen sind. Der zweite Satz war knapp und entscheidend, leider haben wir viele leichte Bälle vergeben.“
Simon Tischer: „Wir waren nicht frisch im Kopf, es fehlte der unbedingte Siegeswille bei uns. Die Niederländer haben ihre beste Turnierleistung gebracht, vor allem haben sie hervorragend aufgeschlagen. Dennoch hätten wir den zweiten Satz gewinnen müssen.“
Frank Dehne: „Uns fehlte heute die Aggressivität.“
Robert Kromm: „Die Niederländer haben richtig gut gespielt. Sie waren aggressiv und heiss und haben kaum Fehler gemacht. Sie haben enormen Druck auf uns ausgeuebt, sodass wir unser Spiel nicht entfalten konnten.“
Peter Blangé: „Wir haben sehr gut und aggressiv von Beginn an gespielt. Vor allem unser Aufschlag war hervorragend, nur so konnten wir erfolgreich gegen Deutschland sein. Wir haben getan, was wir tun konnten, jetzt müssen wir abwarten, wie das Spiel Serbien – Griechenland ausgeht.“