DVV-Pokal 2007: "Familientreffen" in Halle – ein Rückblick!
Das erste Großereignis des Jahres – das DVV-Pokal-Finale – fand, wie im Jahr zuvor, in Halle/Westfalen statt. Bereits am Freitagabend trafen die ersten Vorboten ein – die Mannschaft aus Friedrichshafen, der DVV-Vorstand und auch schon einige Vertreter der Landesverbände. Wann sonst hat man die Gelegenheit, das Angenehme mit dem Nützlichen so gut zu verbinden?
"Die Halle“ in Halle
Halle ist ein gemütlicher Ort – ca. 20.000 Einwohner – an der B68 in Westfalen. Beschaulich, mit vielen Einfamilien- und Fachwerkhäusern, einem kleinen Museum mit der Ausstellung von „Kindheits- und Jugendwerken bedeutender Künstler“, unzähligen Linden in und um Halle und mit einem Stadion – das Gerry Weber Stadion – bekannt geworden, durch zahlreiche große Tennisveranstaltungen, Austragungsort verschiedener Spiele der Handball-WM der Herren und nun bereits zum zweiten Mal Ausrichter des DVV-Pokalfinales. Dass wieder eine fast ausverkaufte Halle mit fünfstelliger Besucherzahl erreicht werden konnte (10100 Zuschauer), spricht für diesen Standort, den Ausrichter und natürlich für den Volleyball!
Pressetagung DVV und Landesverbände
Samstagnachmittags nutzte der DVV die Chance, Vertreter der Volleyball-Landesverbände an einen Tisch zu bringen, um mit ihnen das Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu erörtern und Hilfestellung zu leisten. Eine wichtige Arbeit, um unseren Sport einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Denn leider zählt der Volleyball ja, trotz einer DVV-Mitgliederzahl von ca. 500.000, immer noch als Randsportart.
Harald Pistorius von der Neuen Osnabrücker Zeitung gab einen sehr guten Einblick, wie sich die Zeitungswelt in den letzten zehn Jahren verändert hat und was die Verbände tun können, um die Präsenz in den Medien zu verbessern. Essenz: Kontakte knüpfen und dranbleiben, denn steter Tropfen höhlt den Stein …
Volleyball-Gala
Am Vorabend des großen Ereignisses fand zum zweiten Mal die „Volleyball-Gala“ mit Verleihung des Volleyball-Awards statt. 175 geladene Gäste erschienen pünktlich um 19:30 im Bankett-Saal des Gerry-Weber-Sportpark-Hotels. Mit Spielern, Spielerinnen, ihren Trainern und Betreuern, dem DVV-Vorstand und -Präsidium, Vertretern der DVL und der Landesverbände, den beiden Bundestrainern Moculescu und Guidetti traf sich an diesem Abend die große, deutsche Volleyballfamilie.
Nach einem Sektempfang erfolgte die offizielle Eröffnung und Begrüßung zur Gala durch DVV-Präsident Werner von Moltke und DVL-Vorsitzender Michael Evers. Sie hielten einen kurzen Rückblick auf das vergangene Volleyball-Jahr und gaben einen Ausblick auf die zukünftigen Pläne. Man ist guter Dinge und hofft auf die Ausrichtung der Olympia-Qualifikationsspiele 2008. Das ganze wurde zusammen mit einer Zucchini-Creme-Suppe mit Sahnehäubchen verdaut.
Mit Spannung erwartet folgte die Verleihung des 2. Volleyball-Awards. Im Vorjahr erhielt WVV-Präsident Matthias Fell diese Auszeichnung. Wer ihn dieses Jahr erhalten sollte, stand eigentlich schon für alle Anwesenden fest und wurde dann auch vom DVV-Präsidenten bestätigt. Einstimmig vom Komitee gewählt wurde niemand anderes als Bundestrainer Stelian Moculescu für seine jahrelangen Verdienste und Erfolge im Volleyballsport. Der frühere DVV-Präsident Roland Mader hielt die Laudatio. Stelian Moculescu erhielt Standing Ovations und war sichtlich gerührt. Mit seinem Ausspruch „Wenn man so einen Preis erhält, merkt man, dass es dem Ende zu geht“ hatte er die Lacher auf seiner Seite – denn davon kann bei ihm ja noch lange keine Rede sein. Er bedankte sich für den Preis und bei seiner Frau, die ihn seit mehr als 30 Jahre mit seiner „zweiten Frau“ – dem Volleyball teilt.
Das Buffet wurde eröffnet, die Sportlerinnen und Sportler durften zuerst ran, denn sie mussten ja früh ins Bett, um am nächsten Tag fit zu sein. Stelian Moculescu musste sich sein Essen schwer verdienen: sein Weg zum Buffet führte ihn einmal quer durch den Saal, vorbei an unzähligen Freunden, Kollegen und Spielern, die ihm zu seiner hervorragenden Arbeit gratulieren und ein paar Worte mit ihm wechseln wollten.
Bei reichhaltigem Buffet, Wein, Bier und Mineralwasser war Zeit für Gespräche und so wurde es für den einen oder anderen, der am nächsten Tag nicht auf dem Spielfeld stehen musste, doch reichlich spät …
Sonntag: DVV-Pokal-Finale
Na endlich. Obwohl das erste Spiel erst um 13:00 Uhr beginnen sollte, waren schon am frühen Morgen die ersten Fans vor Ort, um sich auf das Spiel einzustimmen. Es gab Stände an denen Fan-Artikel verkauft wurden, für das leibliche Wohl sorgten diverse Imbissstände, die rund um die Halle verteilt waren und für Kurzweil im Vorfeld sorgte Hallensprecher Sven Rautenberg, die Cheerleader „Wild Cats“ und Partymusik. Die Fans waren guter Dinge und voller großer Erwartungen und Hoffnungen.
Wie im Jahr zuvor, konnte das Gerry Weber Stadion auf eine fünfstellige Besucherzahl schauen: 10.100 Besucher wurden gezählt aus allen Teilen der Republik. Hinzu kamen Radio- und Fernsehen, um die daheim gebliebenen zu informieren.
Die Fankurven waren gut verteilt. Auf einer Seite leuchtete es gelb für Schwerin, diagonal entgegen saßen die rot-schwarzen Dresdner-Fans. Auch Moerser und Häfeler Fans konnten sich diagonal übers Spielfeld ein Pauken-Duell liefern.
Frauen – Ost-Duell: Schweriner SC - Dresdner SC 3:1
Im Ost-Deutschen Duell waren die Prognosen 50:50 angesetzt, doch schon nach den ersten Ballwechseln deutete sich die Dominanz der Damen aus Schwerin an. Da half auch die lautstarke Unterstützung der Dresdner Fans mit Trommeln, Pauken, Brettern und Rasseln nichts. Schwerin nutzte die beeindruckende Atmosphäre in der großen Halle, setzte die Energie positiv um und holte sich ohne große Probleme die ersten zwei Sätze. Lediglich im dritten Satz kamen die Dresdnerinnen etwas ins Spiel, aber das Endergebnis lautete nach dem vierten Satz und 101 Minuten Spielzeit 3:1 für die Schweriner Volleyballerinnen.
In der anschließenden Pressekonferenz zeigten sich Schwerin Trainer Tore Aleksandersen und Spielführerin Sylvia Roll auch überglücklich. „Einen Titel zu verteidigen ist noch schwerer, als einen Titel zu holen“, erklärt Roll und sie ist stolz auf das Team. „Jetzt können wir uns warm anziehen für die Bundesliga, denn dieser Sieg bleibt bestimmt nicht ungesühnt“, gab sie einen Ausblick auf die noch bevorstehenden Spiele in der Bundesliga.
Auch der Trainer lobte die Leistung seines Teams. Er hatte seinen Spielerinnen versprochen, bei einem Sieg rückwärts zurück nach Schwerin zu laufen und hoffte nun auf die Nachsicht seiner Spielerinnen …

Foto Bechert: Gönnte sich nach getaner Arbeit einen verdienten Schluck: Jochen Schöps.
Männer – West-Duell: VfB Friedrichshafen - Moerser SC 3:1
Die Favoriten aus Friedrichshafen machten es spannend und gaben den ersten Satz widerwillig an einen stark aufspielenden Moerser SC mit 28:30 ab. Kein Grund zur Sorge. Als die Häfler im zweiten Satz jedoch mit einem 4:8 Rückstand in die erste Technische Auszeit gingen, sah man Trainer Moculescu doch einmal wütend auf den Boden stampfen. Aber er und seine Jungs bewahrten die Ruhe und die Nerven, da nützte es auch nichts, dass die Moerser Fans beim 20:21 für ihre Mannschaft lautstark feierten – der zweite Satz ging mit 25:23 an den Titelverteidiger. „Ich wusste, dass, wenn wir den zweiten Satz kippen, wir das Spiel für uns entscheiden können“, erklärte Moculescu später und hatte Recht damit. Der VfB zeigt die bessere Kondition, Konzentration und Nerven, holte sich den dritten (25:21) und vierten Satz (25:18) und durfte erneut über den Pokalsieg jubeln.
Spielführer Jochen Schöps sagte im Anschluß an das Spiel: „Es war ein geniales Spiel“ und Moculescu lobte: Kompliment an meine Mannschaft, die trotz des ersten Satzverlustes ruhig geblieben ist und auf ihr Können vertraut hat.
Moerser Trainer Grozer sen. war zufrieden, dass es seiner Mannschaft gelungen ist, den VfB zu überraschen und freut sich auf die Revanche: „nächstes Jahr seit ihr dran.“
Die anschließende Siegerehrung erfolgte sehr stimmungsvoll mit musikalischer Untermalung der Sängerin Bo Shannon, die zunächst die Deutsche Nationalhymne sang und zur Pokalübergabe mit dem Publikum und Spielern und Spielerinnen „We are the Champions“ anstimmte.
Und während die Fans sich langsam wieder auf den Heimweg machten, zogen die siegreichen Teams lachend und singend in den VIP-Bereich und plünderten die Reste des Buffets...
Was noch interessant war
- Der Moerser Spieler Georg Grozer jun. heiratete zwei Tage vor dem DVV-Pokalspiel.
- Der VfB-Co-Trainer Ulf Quell feierte am Tag des Spiels seinen Geburtstag.
- Das DVV-Maskotchen "Jumparoo" hatte seinen ersten offiziellen Auftritt und dabei viel Spaß mit VfB-Maskottchen "Bärti".
- Verletzte: Bei seinem Sprung über die Bande war dem Moerser Zuspieler Lukas Kampa Fotografin Conny Kurth im Weg ... zum Glück gab es keine schwerwiegenden Verletzungen und auch die Kamera blieb heil.
- Im VIP-Bereich gab es keinen Espresso ...
Ausblick
Wieder einmal hat sich Halle und das Gerry-Weber Stadion als hervorragender Austragungsort erwiesen. Reibungslose Organisation, kurze Wege und mehr als 10.000 Zuschauer sprechen für sich und dafür, dass das DVV-Pokalfinale 2008 ebenfalls wieder in Halle/Westf. ausgetragen wird - denn das ist bereits abgemacht, verriet Frank Hofer (Leiter der Pressestelle Gerry Weber) noch am Ende der Spiele.
(Quelle: VLW)