Beach-EM Valencia (M): Mit großem Herzen zur Europäischen Krone
Valencia - Als Clemens Doppler nach dem Halbfinalsieg gegen die Esten Kais/Vesik den Center Court am Playa de la Malvarrosa in Valencia verließ, um sich den Fragen der Fernsehreporter zu stellen, sah er wahrlich gefährlich aus. Das linke Auge des baumlangen Athleten aus Österreich war geschwollen und mit einem Pflaster verklebt. Doppler zeigte auf die Spuren eines Ballwechsels beim Stand von 19:17 im ersten Satz, als der bunte Ball seine Sonnenbrille voll getroffen und ihn so am Auge verletzt hatte. Minutenlang musste Doppler behandelt werden, bevor die Wunde so versorgt war, dass er weiterspielen konnte. Boxer nennen eine solche Verletzung einen Cut, bei Beach Volleyballern kommt dieses im Ring alltägliche Missgeschick allerdings höchst selten vor.
Nach dem Spiel konnte der Beach Volleyball Profi die spektakuläre Szene mit fröhlicher Gelassenheit schildern, schließlich hatte er den Sandplatz als Sieger verlassen. “Wir wissen ja schon lange, dass Kristjan Kais einer der härtesten Schläger auf der Tour ist. Jetzt hat er es mal wieder bewiesen. Aber es ist ja zum Glück nicht so schlimm.“ Dennoch war es bemerkenswert, dass Doppler die Partie unbeeindruckt weiterführte. “Wahrscheinlich war das eine zusätzliche Motivation“, sagte er nach dem Matchball grinsend. Überhaupt gehörte das NESTEA European Championship Final 2007 “zu den aufregendsten Turnieren meiner Karriere“. Wer Dopplers Leidensgeschichte kennt, weiß warum: Gleich zwei Kreuzbandrisse warfen ihn zurück. “Letztes Jahr hat niemand gewusst, wie es weitergeht, und jetzt stehe ich hier im Finale. Unglaublich!“
Dort trafen Doppler/Gartmayer auf ihre holländischen Konkurrenten Reinder Nummerdor und Richard Schuil. Und damit auf ein weiteres Team, das eine erstaunliche Erfolgsgeschichte vorweisen kann. Beide spielen nämlich erst ihre zweite Saison im Sand, zuvor verdienten sie als hoch dekorierte Hallenspieler in der italienischen Liga ihr Geld. Valencia scheint für beide ein hervorragendes Terrain zu sein. 2006 gewannen Nummerdor/Schuil beim Spanish Masters ihr erstes großes internationales Turnier, nun zogen sie mit vier Siegen in Folge erneut ins Finale ein. “Valencia ist ein gutes Pflaster für uns“, sagte Schuil nach dem Halbfinalsieg gegen die Deutschen David Klemperer und Eric Koreng, “hier sind wir ungeschlagen.“
Diesen Nimbus beendeten Doppler/Gartmayer in einem hochklassigen Finale. Beim 2:1 (21:19, 19:21, 15:13)-Sieg brachten die Österreicher vor allem in kämpferischer Hinsicht eine sensationelle Leistung und ließen sich auch von hohen Rückständen nie aus der Bahn werfen. So lagen sie im ersten Satz bereits mit 16:19 zurück und machten danach fünf Punkte in Folge, darunter drei spektakuläre Blockaktionen von Peter Gartmayer. “Nach dem Sieg gegen die Russen Barsouk/Kolodinsky, die immerhin Vizeweltmeister sind, wusste ich, dass es für jeden Gegner schwer wird, uns zu schlagen. Wir haben uns vorgenommen, mit großem Herzen zu spielen. Das ist uns gelungen.“ Im Spiel um Platz drei sicherten sich Klemperer/Koreng durch ein 2:1 (13:21, 21:13, 15:10) gegen Kais/Vesik die Bronzemedaille.
Durch den Sieg gegen ihre direkten Verfolger Emiel Boersma und Bram Ronnes (Niederlande) hatten Klemperer/Koreng zuvor ihre Position als smart European Ranking Leader untermauert. Die Aufsteiger des Jahres, die erst wenige Wochen vor Beginn dieser Saison zueinander gefunden hatten, waren nach dem deutlichen 2:0 (21:12, 21:13) nicht mehr von der Spitze des CEV European Rankings zu verdrängen. Der Lohn: Zwei smart fortwo, über die sich beide Athleten mächtig freuen: “Das ist wirklich eine tolle Belohnung für unsere konstant guten Leistungen, die wir auf der diesjährigen NESTEA European Championship Tour gezeigt haben“, sagte David Klemperer. “Wir empfinden es als große Ehre, am Ende dieser Saison als Ranglisten-Erste geführt zu werden.“
(GSM)