European League 2006: DVV-Männer verpassen die Finalrunde!
Die deutschen Männer haben die Qualifikation für die Finalrunde der European League 2006 verpasst: In Berlin unterlagen die Spieler von Bundestrainer Stelian Moculescu vor 1.800 Zuschauern in einem packenden Match Tabellenführer Niederlande mit 2:3 (25-19, 23-25, 25-19, 22-25, 11-15). Es war im Wettbewerb das dritte 2:3 gegen den in zwölf Partien ungeschlagenen Tabellenführer der European League, der bei der Finalrunde am 19./20. August in Izmir/Türkei gegen Kroatien, Griechenland und die Türkei Favorit ist. Punktbeste Spieler waren Christian Pampel (21) auf deutscher Seite und Guido Görtzen auf niederländischer (20).
Die DVV-Männer begannen mit Simon Tischer im Zuspiel, Christian Pampel auf der Diagonalposition, Stefan Hübner und Norbert Walter im Mittelblock, Björn Andrae und Marcus Popp im Außenangriff und Thilo Späth als Libero.
Hollands Coach Peter Blangé stellte Nico Freriks, Michael Olieman, Guido Görtzen, Jeroen Rauwerdink, Jario Hooi, Wytze Kooistra und Richard Rademaker dagegen.
1. Satz
Die deutsche Mannschaft feierte einen gelungenen Start in den Auftaktsatz: Ein Block von Stefan Hübner, eine gute Feldverteidigung von Simon Tischer und ein Ass von Christian Pampel brachte den Gastgeber früh in Führung (6-2). Doch zwei Aufschlag-Asse von Guido Görtzen und Wytze Kooistra ließen die Niederländer wieder heran kommen (7-6), ehe zwei Aufschläge von Zuspieler Tischer dafür sorgten, dass der Vier-Punkte-Vorsprung wieder hergestellt wurde (10-6). Björn Andrae nutzte den Punktball knallhart per Diagonalangriff. „Beacher“ Marcus Popp machte mit einem gefühlvollen Roller über den niederländischen Block einen weiteren wichtigen Punkt aus schwieriger Lage, Norbert Walter punktete per „Hammer“ über die Mitte – der Vorsprung hielt (16-12). Ein starker Aufschlag von Nico Freriks, den Andrae nicht unter Kontrolle brachte, sowie ein Ass von Jeroen Rauwerdink – es hieß nur noch 17-16. Doch Walter sorgte per „Monsterblock“ gegen Görtzen für ein kleines Punktepolster, ehe Tischer nochmals den Routinier der Niederländer blockte (20-17). Als Hübner sich Kooistra „pflückte“ und Pampel ein Ass servierte, war die Vorentscheidung gefallen (22-17). Blangé versuchte zwar noch mit einem Zuspielerwechsel alles und brachte Hendrik van Gendt, doch Hübner blockte ein zweites Mal Kooistra. Görtzen beendete den Satz per Netzaufschlag (25-19).
2. Satz
Blangé beließ van Gendt auf dem Feld, und die Niederländer erwischten den besseren Start, weil sie stark in der Block- und Feldabwehr agierten (4-6). Ein Abstimmungsfehler zwischen van Gendt und Hooi brachte den Ausgleich, ein Angriff von Andrae auf den Gäste-Block die deutsche Führung (7-6). Doch die Niederländer konterten und blockten mit Kooistra und Görtzen zwei deutsche Angriffe (Popp und Pampel) erfolgreich (10-12). In dieser Phase fanden die deutschen Aufschläge zu selten ihr Ziel, sodass die Niederländer keine Probleme hatten, den Vorsprung zu halten. Nach einem deutschen Missverständnis hieß es bei der zweiten technischen Auszeit (13-16). Das Spiel blieb auf hohem Niveau und wurde von beiden Teams – wie immer, wenn es GER-NED heißt – sehr intensiv geführt. Doch die deutsche Mannschaft kam nicht näher heran, Bundestrainer Stelian Moculescu wechselte Robert Kromm für Popp ein (16-20). Dann folgte Schöps für Tischer und Frank Dehne für Pampel. Das zeigte Wirkung, die deutsche Mannschaft verkürzte nach zwei Fehlern der Niederländer auf 21-22. Es blieb eng, doch Rauwerdink sorgte per schönem Longline-Angriff für zwei Satzbälle der Niederländer. Den ersten wehrte der Gastgeber noch ab, doch beim zweiten wurde ein Netzfehler der deutschen Mannschaft zum Verhängnis (23-25).
3. Satz
Moculescu schickte wieder seine Startformation ins Rennen, und die spielte vom ersten Punkt an stark. Nach starker Block- und Feldabwehr sowie konsequentem Punktballspiel ging die deutsche Mannschaft mit 6-3 in Führung. Doch ein verschlagener Angriff von Hübner sowie ein Ass von Görtzen bedeuteten Gleichstand (6-6). Nach einem Angriffsfehler Pampel lagen die Niederländer kurz in Führung, zwei Blocks durch Hübner ließen wieder die deutschen Männer jubeln (12-10). Blangé wechselte seine Diagonalangreifer und brachte Kristian van der Wel für Olieman, doch zunächst blieben die Deutschen mit Pampel per Ass weiter am Drücker (14-11). Beide Teams gingen viel Risiko im Aufschlag, aber vor allem die deutschen Aufschläge kamen nicht mehr – die Niederländer verkürzten nach einem Lob von Görtzen bis auf einen Punkt (18-17). Moculescu verstärkte mit Doppelwechsel (Dehne und Schöps für Pampel und Tischer) nochmals den Angriff, das zahlte sich aus: Die deutsche Mannschaft setzte sich vorentscheidend ab (22-18) ab und hatte nach einem direkten Aufschlagpunkt von Popp Satzbälle (24-19). Der eingewechselte Jan Snippe setzte den Aufschlag hinter die Linie (25-19).
4. Satz
Unverändert gingen beide Teams in den vierten Satz, der die Entscheidung über die deutsche Finalteilnahme bringen musste: Und die deutsche Mannschaft begann erneut stark, Pampel punktete zwei Mal per Angriff und der Gastgeber lag mit 5-2 vorne. Blangé reagierte und wechselte seine Mittelblocker – Rob Bontje kam für Kooistra, der an diesem Abend im (Block-)Schatten von Hübner stand. Aber die Niederländer kämpften und spielten sich heran, Görtzen besorgte den Ausgleich (7-7). Hin und her ging das Spiel, die Führung wechselte des öfteren, dann wieder der Gleichstand hergestellt (11-11). Pampel auf deutscher und Görtzen auf niederländischer Seite wurden von ihren Zuspielern gesucht. Die Spannung wuchs immer mehr, je näher das Ende rückte (16-15). Ein kurzer Sprungaufschlag von Görtzen fiel dem regungslosen Andrae vor die Füße, Moculescu nahm seine erste Auszeit (18-19). Die deutsche Mannschaft glich durch Hübners Schnellangriff aus, ein Angriffsfehler von van der Wel brachte die deutsche Mannschaft wieder in Front (21-20). Die Niederländer konterten erneut und profitierten von einem der wenigen Angriffsfehler von Pampel (22-23). Nach einem Dreierblock gegen Pampel hatten die Niederländer Satzbälle (22-24), gleich den ersten verwandelte Rauwerdink per Ass auf die Linie (22-25).
5. Satz
Zwei Asse mit Netzkante (durch Rauwerding und Hooi) ließen die Niederländer im fünften Satz früh jubeln (1-3). Doch Pampel per Hinterfeldangriff und Aufschlag-Ass hielt dagegen (4-3). Aber die Niederländer sorgten wieder für einen Führungswechsel – Bontje servierte ein Ass (6-8). Den Vorsprung hielten die Niederländer und bauten ihn gar aus (7-10). Moculescu wechselte Frank Dehne zum Zuspiel ein, doch den nächsten Punkt steuerte Görtzen per Hinterfeldangriff bei (7-11). Der deutsche Nationaltrainer versuchte alles und wechselte Robert Kromm für Andrae und Jochen Schöps für Wiebel ein. Aber alle Maßnahmen halfen gegen die motivierten und routinierten Niederländer nichts: Sie gewannen den fünften Satz mit 11–15, das Spiel mit 2:3 und damit auch ihr zwölftes im Wettbewerb.
Stimmen zum Spiel
Stelian Moculescu (Trainer Deutschland): „Wir haben ein teilweise sehr gutes Spiel gesehen, leider hat es nicht ganz gereicht. Den zweiten und vierten Satz haben wir teilweise aufgrund „alter Krankheiten“ verloren. Wir hatten in Berlin ein wunderbares Turnier mit zwei sehr gute Spielen, die uns alles abverlangt haben. Ich bin sehr zuversichtlich für die Spiele in den Play-offs der EM-Qualifikation gegen die Tschechische Republik.“
Peter Blangé (Trainer Niederlande): „Es war sehr schwer heute, das Spiel hatte Hochs und Tiefs, sodass das Spiel nicht immer auf hohem Niveau war, aber sehr intensiv. Unsere Körpersprache und unser „Kopf“ war gut. Deutschland hat sehr gut angefangen, deshalb war der zweite Satz für uns wichtig, weil Deutschland dann noch mehr Druck hatte. In Izmir wollen wir natürlich gewinnen, aber es sind alles starke Gegner dort. Die Tagesform entscheidet.“
Stefan Hübner (Spieler Deutschland): „Es war ein enges Spiel, das wir auch 3:0 oder 3:1 hätten gewinnen können. Die Niederländer haben viel Druck mit dem Aufschlag gemacht und uns Probleme in der Annahme bereitet. Die Enttäuschung, nicht an der Finalrunde teilzunehmen, ist sehr groß. In Izmir hätten wir weiter an der „Gewinnermentalität“ arbeiten können.“
Die Abschluss-Tabelle nach zwölf Spielen
Platzierung - Punkte* - Sätze
1. NED – 24 - 36:09
2. CRO – 20 - 28:19
3. GRE – 19 - 25:19
4. GER – 18 - 26:22
5. TUR – 18 - 24:24
6. ESP – 18 - 21:25
7. SVK – 14 - 15:30
8. EST – 13 - 07:34
* für einen Sieg gibt es zwei Punkte, für einen Niederlage einen
Die fettmarkierten Teams sind für die Finalrunde qualifiziert.
Foto Ingo Kuzia: Björn Andrae, Norbert Walter und Christian Pampel beim Dreierblock gegen Jeroen Rauwerdink.