DVV-Pokalfinale: Schwerin entthront Münster mit 3:0 - Phantastische Stimmung in Halle!

DVV-Pokalfinale: Schwerin entthront Münster mit 3:0 - Phantastische Stimmung in Halle!

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Foto Tronquet: Der DVV-Pokalsieger 2006, die Spielerinnen des Schweriner SC.

Der Schweriner SC hat zum zweiten Mal nach 2001 den DVV-Pokal gewonnen: Der aktuelle Bundesliga-Tabellenführer setzte sich im Gerry Weber Stadion in HalleWestfalen mit 3:0 (25-19, 26-24, 25-23) gegen Titelverteidiger USC Münster durch. Punktbeste Spielerinnen waren Sylvia Roll (Schwerin) und Vesna Citakovic (Münster). Für die Münsteranerinnen war es das vierte Pokalfinale in Folge.

Schwerin begann mit folgender Startformation: Kathleen Weiß, Tina Gollan, Sylvia Roll, Cathrin Schlüter, Julia Retzlaff, Patricia Wolf und Linda Dörendahl, Münster trat mit Tanja Hart, Caroline Wensink, Atika Bouagaa, Vesna Citakovic, Andrea Berg, Johanna Reinink und Jil Döhnert.

Mit einem Ass von Roll begann das Finale vor der Rekordkulisse von 11.100 Zuschauern, und Schwerin nahm sofort das Heft in die Hand. Während Münster zu Beginn große Probleme in der Annahme offenbarte, agierte der Tabellenführer der Bundesliga in allen Elementen souverän. Bereits zur ersten technischen Auszeit hieß es 8:4 für die favorisierten Schwerinerinnen, die erst vor einer Woche den Gegner mit 3:0 überrumpelt hatten. Vor allem Schnellangreiferin Wolf sorgte in dieser Phase für Punkte. Über 11:6, 16:9 und 23:17 wurde der Vorsprung konsequent ausgebaut bzw. verteidigt, lediglich Nationalspielerin Bouagaa punktete auf Seiten der Münsteranerinnen beständig. Doch das war natürlich zuwenig, die starke Wolf verwandelte gleich den ersten Satzball zum souveränen 25:19.

Während der USC weiterhin Probleme hatte, gab der leichte Satzgewinn den Mecklenburgerinnen noch mehr Selbstvertrauen: 4:0 hieß es nach kurzer Zeit, es drohte eine frühzeitige Vorentscheidung in diesem Satz. Doch Münster - nach vorne gepeitscht von über 3.000 USC-Fans - berappelt sich und findet den Anschluss. Vor allem Citakovic, Nationalspielerin aus Serbien & Montenegro, hält ihre Mannschaft mit guten Aktionen im Spiel (6:8). Nach der technischen Auszeit schien ein Ruck durch die Mannschaft des Titelverteidigers gegangen zu sein, denn nun waren es die Münsteranerinnen, die ihren Gegnerinnen in einigen Elementen überlegen waren. Die zuvor fast fehlerfreie Wolf machte zwei Angriffsfehler in Folge und Münster lag plötzlich vorne (12:10). Münster geht mit bis zu drei Punkten in Führung (16:13), Schwerin kontert mit einem Ass von der nur 1,71 Meter großen Zuspielerin Weiss (16:15). Nach erfolgreichem Blockspiel gegen Roll und Gollan hieß es gar 21:17 für Münster, und die über 11.000 Fans witterten den Satzausgleich. Doch Schwerins Trainer Tore Aleksandersen wechselte mit der zweiten Zuspielerin Dragana Basic (für Schlüter) einen Trumpf ein, der gewaltig stach: Ihre Sprung-Flatteraufschläge zeigten enorme Wirkung bei der Münsteraner Annahme, und erst beim 21:21 gelingt Reinink wieder ein Punkt für Münster. Damit war das Spiel wieder vollkommen offen, und die Schweriner Fans voll da. Bis zum 23:23 blieb es ausgeglichen, dann segelte ein Aufschlag von Münsters Spielführerin Berg weit hinter die Grundlinie - Satzball Schwerin. Der 237-fachen Nationalspielerin Sylvia Roll war es vorbehalten, den längsten Ballwechsel des Spiels mit einem phantastischen Diagonalangriff zugunsten der Schwerinerinnen zu beenden (26:24).

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Foto Tronquet: War eine der besten Schwerinerinnen: Die 19-jährige Julia Retzlaff.

Wie 2004 lag Münster im Finale mit 0:2-Sätzen zurück: Damals drehte die Mannschaft von Axel Büring das Spiel gegen den TV Fischbek noch um, doch konnte der USC diese starke Schweriner Mannschaft noch in den fünften Satz bringen? Zumindest der Beginn gelang: Durch die niederländische Nationalspielerin Wensink geht Münster mit 3:0 in Führung und hält diesen Vorsprung bis zur ersten technischen Auszeit (8:5). Als Wensink kurz nacheinander Gollan und Retzlaff blockt, ist Schwerin mit 7:11 im Hintertreffen. Dieser Vorsprung wird auf 15:15 ausgebaut, doch dann schlug die große Stunde von Weiss: Die Zuspielerinnen pfefferte mehrere harte Sprungaufschläge über das Netz, und nur wenige Minuten später war der Ausgleich geschafft (15:15). Doch Münster fing sich wieder und konnte das Spiel bis zum 19:19 ausgeglichen gestalten. Nach einem erfolgreichen Block der Schwerinerinnen war die Führung geschafft, ein Fehler auf USC-Seite sorgte gar für einen Zwei-Punkte-Vorsprung (21:19). Mit einer Finte holte Spielführerin Roll Matchbälle für ihren Verein (24:22). Den ersten wehrte Reinink noch ab, doch den zweiten verwandelte Roll - wer sonst? - per Diagonalangriff (25:23).

Schwerins Trainer Tore Aleksandersen meinte: "Unglaublich diese Stimmung! Wir haben gegen Vilsbiburg und Dresden gewonnen und jetzt auch gegen den USC. Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft, die eine tolle Moral in diesem Spiel und in dieser Saison zeigt. Es war toll, wie sie nach den hohen Rückständen zurück gekommen sind."

Münsters Trainer Axel Büring sagte: "Wir haben 100 Prozent gegeben, und das hat uns - bis auf den ersten Satz - zu einer guten Leistung gebracht. Aber Schwerin ist in den wichtigen Phasen ruhig geblieben und hat in den entscheidenden Situationen eine Sylvia Roll gehabt. Uns fehlte in diesen Situationen etwas die Kaltschnäuzigeit. Wir und die anderen Teams werden verdammt hart dafür arbeiten, dass wir im nächsten Jahr wieder hier sein dürfen."

DVV-Pokalfinale 2006 in HalleWestfalen DVV-Pokalfinale 2006 in HalleWestfalen
Das DVV-Pokalfinale 2006 wird in die Geschichtsbücher eingehen: 11.110 sorgten im Gerry Weber Stadion in HalleWestfalen für einen Zuschauerrekord im deutschen Volleyball und eine phantastische Atmosphäre. Die Zuschauer bejubelten die 3:0-Siege des VfB Friedrichshafen und Schweriner SC.