DVV-Männer „AUF DEM WEG NACH JAPAN“: Nach Glanzleistung mit einem Bein bei der EM-Endrunde – 3:0 gegen Tschechien!

DVV-Männer „AUF DEM WEG NACH JAPAN“: Nach Glanzleistung mit einem Bein bei der EM-Endrunde – 3:0 gegen Tschechien!

Die Zuschauer in der Arena Leipzig standen Kopf, die deutschen Spieler rissen die Arme hoch: Deutschlands Männer sind nach einem beeindruckenden 3:0-Sieg (25-22, 25-22, 25-18) in den Play-offs der EM-Qualifikation über die Tschechische Republik mit einem Bein bei der EM-Endrunde 2007 vom 6. bis 16. September in Moskau und St. Petersburg/Russland.

Im Rückspiel am 9. September in Svitavy genügt der deutschen Mannschaft ein Satzgewinn, um die EM-Teilnahme perfekt zu machen. Punktbeste Spieler waren Björn Andrae (16) und Marcus Popp (15) auf deutscher Seite, Martin Lebl (13) steuerte bei den Tschechen die meisten Punkte bei.

Bundestrainer Stelian Moculescu begann mit Simon Tischer im Zuspiel, Christian Pampel auf der Diagonalposition, Björn Andrae und Marcus Popp im Außenangriff, Norbert Walter und Stefan Hübner im Mittelblock und Thomas Kröger als Libero. Der ehemalige deutsche Bundestrainer Igor Prielozny begann mit Martin Lebl, Jiri Kral, Jan Stokr, Petr Zapletal, Kamil Baranek, Peter Platenik und Premysl Obdrzalek.

1. Satz
Spannung lag schon vor dem ersten Aufschlag in der Luft und auch der Beginn elektrisierte die Zuschauer: Beide Teams agierten vom ersten Ball an hoch konzentriert und stark aus der Annahme. Andrae war der deutsche Spieler dieser Anfangsminuten, denn der Italien-Profi verwandelte gleich zwei Punktbälle souverän, nachdem Pampel bzw. Kröger starke Abwehrszenen hatten (8-6). Einen abgefälschten Ball durch einen Hübner-Block verwertete Pampel nach Tischer-Zuspiel zur ersten höheren Führung (11-7) – Tschechien nahm eine Auszeit. Nach zwei Blockpunkten gegen Pampel und Hübner waren die Tschechen bis auf einen Punkt dran (14-13) – Tischer machte per zweitem Angriff das15-13. Der Zwei-Punkte-Vorsprung hatte auch bei der zweiten technischen Auszeit Bestand (16-14). Die deutschen Spieler hielten durch ein starkes Spiel aus der Annahme den Vorsprung (18-16) – ausbauen konnten sie ihn aber auch nicht. Nach einer starken Abwehr der Tschechen schlug Baranek den deutschen Dreierblock mit Glück und Geschick an, nach einer verpatzten Annahme nutzte Stokr den Punktball zur ersten Gäste-Führung (19-20). Moculescu nahm eine Auszeit, und die zeigte Wirkung: Andrae setzte sich mit etwas Glück gegen den tschechischen Block durch, anschließend servierte einen Sprung-Flatter Aufschlag mit Wirkung und Stokr verschlug einen Ball (22-20). Dann blockte Walter den tschechischen Super-Star Lebl – nicht nur Moculescus riss die Arme hoch. Andrae war es schließlich, der mit einem gefühlvollen Lob die ersten Satzbälle holte (24-21). Die Zuschauer standen von ihren Sitzen auf und Tischer verschlug seinen Aufschlag, doch Walter per Lob machten den Sack zu (25-22).

2. Satz
Beide Trainer schenkten ihren Stammformationen auch im zweiten Satz zu Recht ihr Vertrauen, denn beide Teams hatten hochklassigen Volleyball mit einer sehr geringen Fehlerquote gezeigt. Die Tschechen erwischten den besseren Start, indem sie Popp mit Dreierblock stoppten und Stokr ein Aufschlag-Ass gelang (2-5). Den deutschen Spielern gelang es in dieser Phase nicht, ein „Break“ zu erzielen, und so ging es mit einem Drei-Punkte-Rückstand in die erste technische Auszeit (5-8). Ein Block von Popp, der sich einen Lob „fischte“, ließ die Deutschen auf einen Zähler heran kommen (7-8). Doch ein Ass von Baranek sorgte für den alten Rückstand (8-11). Aber die Tschechen agierten jetzt nicht mehr so souverän wie zu Beginn, Andrae verkürzte per gefühlvollem Roller auf 11-12. Die Zuschauer waren begeistert von diesem offenen Schlagabtausch, erst Recht als Andrae zum Ausgleich blockte (13-13) und kurze Zeit später per Ass für die ersten Führung im zweiten Satz (15-14). Die deutsche Mannschaft ging nach einem weiteren Aufschlag-Ass des blendend aufgelegten Andrae mit zwei Zählern in die technische Auszeit (16-14) – dem Italien-Profi gelang ein Ass per Trickaufschlag. Einen weiteren Andrae-Kracher konnten die Tschechen nicht unter Kontrolle bringen – Popp versenkte gnadenlos. Die Tschechen haderten in dieser Phase ein wenig mit sich, und wenn sie eine Punktchance hatten, war der deutsche Block zur Stelle (21-17). Prielozny versuchte es mit einem Doppelwechsel und brachte einen neuen Zuspieler (Tichacek) und Diagonalangreifer (J. Novotny). Die DVV-Auswahl störte das nicht im geringsten, sie waren wie im Rausch und punkteten weiter beständig. Pampel sorgte mit Übersicht und Lob für Satzbälle (24-19). Die ersten beiden wehrten die Tschechen per Angriff und Ass eines sichtlich angefressenen Lebl ab. Moculescu nahm eine Auszeit, doch Lebl servierte erneut ein Ass (24-22) – wieder Auszeit Deutschland. Zwei Mal ging es bei Lebl gut, den dritten drosch der schwergewichtige Mittelblocker weit hinter die deutsche Grundlinie (25-22).

3. Satz
Prielozny beließ die beiden neuen Spieler auf dem Feld, doch auch die deutschen Spieler blieben sich treu: Tischer setzte seine Angreifer perfekt in Szene, die dankten es ihm mit harten und platzierten Angriffen (5-3). Und das aus einer glänzenden Annahme, die sich auch den mit mehr Risiko geschlagenen Aufschlägen der Gäste stellte. Als Platenik eine Punktchance aus dem Rückraum neben die Linie setzte, ging es mit drei Punkten Vorsprung in die technische Auszeit (8-5). Selten hatte man eine deutsche Männer-Mannschaft zuletzt so konzentriert und konstant auf hohem Niveau agieren sehen, denn es ging weiter, als Pampel einen „Knaller“ über das Netz servierte und Popp zwei Kombinationsbälle gnadenlos verwandelte (11-6). Und weiter ging es: Bälle wurden aus der Bälle gekratzt, die Punktbälle mit Kaltschnäuzigkeit mal mit Härte, mal mit Gefühl verwandelt (16-9). Nach einer phantastischen Rettungsaktion von Popp, der den Ball erhechtete und dabei in den Banden landete, „kochte“ die Halle (18-9). Die Zuschauer standen von ihren Plätzen auf und bejubelten jeden deutschen Punkt frenetisch, erst recht, als Popp Diagonalangreifer Novotny „brutal“ blockte (20-13). Popp machte jetzt jeden Punkt, und da auch seine Kollegen nicht nachließen, strebte die Mannschaft dem 3:0 entgegen (23-14). Pampel vergab per Fehlaufgabe zwar den ersten Matchball und der eingewechselte Marek Novotny servierte noch ein Ass – doch das war nur noch Ergebniskosmetik. Novotny setzte seinen dritten Aufschlag ins Netz, die deutsche Mannschaft siegte mit 25-18 und 3:0-Sätzen.

Stimmen zum Spiel:

Stelian Moculescu (Bundestrainer): „Gratulation an die Jungs, sie haben heute ein Riesenspiel gemacht. Einsatz, Taktik und Technik – alles stimmte, zudem haben zwei Dinge gepasst: Das Publikum und der Ort, das hat die Mannschaft gut angenommen. Das Spiel in Tschechien wird ein heißer Tanz werden.“

Igor Prielozny (Trainer Tschechische Republik): „Ich gratuliere dem deutschen Volleyball zu dieser Mannschaft. Wir haben heute zwei hervorragende Sätze von beiden Seiten gesehen. Speziell im zweiten Satz haben wir nicht unsere Chancen genutzt und uns unterliefen leichte Fehler, die uns das Genick gebrochen haben. Deutschland war in allen Elementen etwas besser, deshalb haben sie 3:0 gewonnen. Unsere einzige Chance im Rückspiel ist, dass sie uns dort unterschätzen.“

Simon Tischer (Zuspieler Deutschland): „Ich bin superstolz auf die Jungs, es war eine der besten Leistungen, seit ich dabei bin. Wir haben uns vom tollen Publikum pushen lassen und unglaubliche Bälle aus der Abwehr geholt. Ich bin stolz, heute dabei gewesen zu sein. Wir müssen die Leistung im Rückspiel bestätigen, weil es in Tschechien kein Selbstläufer wird.“