DVV-Frauen „BEI DER WM IN JAPAN“: Mit Ehrgeiz und Wille in den WM-Kader – Christina Benecke erlebt zum zweiten Mal in Japan eine WM!
Sie ist eine der erfahrensten, vielseitigsten, aber auch ehrgeizigsten Spielerinnen im Team. Und ihr größter Wunsch war es, bei der WM 2006 in Japan dabei zu sein. Sie hat es geschafft! Christina „Tina“ Benecke (32 Jahre, NA.Hamburg) erlebt zum zweiten mal in ihrer Karriere Weltmeisterschaften, zum zweiten mal, nach 1998, im Land der aufgehenden Sonne.
Dabei deutete in ihrer Jugend nicht viel auf diese Karriere hin, Benecke ist eine absolute Spätstarterin. Erst mit 15 Jahren begann sie mit dem Spiel über das hohe Netz, zuvor hatte sie sich sportlich im Basketball, Judo (bis grüner Gurt, „ich war den anderen Größen mäßig überlegen und hatte bessere Hebel“) und Reiten („ich hatte ein eigenes Pflegepferd“) betätigt. Die Wende kam in der Schule, als sie Volleyball und Basketball als Leistungsfächer hatte und „der Lehrer mir sagte, ich müsse mich entscheiden“, so die 1,90 Meter große Mittelblockerin. Der Grundstein zur Volleyball-Karriere erfolgte jedoch nicht in der Schule, sondern am Ostseestrand: „Dort spielten einige Männer 6 gegen 6 am Strand und ließen mich nicht mitspielen, weil ich ein Mädchen war“, erinnert sich Benecke. „Das wollte ich ändern und bin in einen Verein eingetreten, den SC Poppenbüttel.“ Kurze Zeit später wurde sie von der VG Alstertal Harksheide angesprochen, ob sie nicht in der Verbandsliga mitspielen wolle. Nach einem Probetraining landete sie gleich in der Regionalliga des Vereins, wo sie sofort einen Stammplatz einnahm. Nach zwei Jahren stand Benecke gar in der 1. Bundesliga, weil das Regionalliga-Team den Platz der Erstliga-Mannschaft einnahm und lediglich durch die erfahrenen Paetow-Schwestern Martina und Beate ergänzt wurde. „Wir sind ohne einen Satzgewinn abgestiegen und haben die schnellste Niederlage aller Zeiten kassiert“, lacht Benecke über ihre Premiere in der Eliteliga. Nach dem Abstieg spielte sie noch weiter bei dem Hamburger Klub, ehe sie ein Angebot vom TV Fischbek erhielt und wechselte. Dort ereignete sich Kurioses: „Nachdem wir in die erste Liga aufgestiegen und wieder abgestiegen sind, bekam ich einen Anruf von Siegfried Köhler, der mir sagte, wenn ich Nationalmannschaft spielen wolle, müsste ich weiter in der 1. Liga spielen“, so Benecke. Das Problem dabei: „Ich wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, wer Köhler war, mit der Nationalmannschaft hatte ich mich nicht beschäftigt.“ Benecke begann ihr Leben umzustellen: „Ich fing mit Lauftraining an, führte Krafttraining durch und ging nicht mehr so oft feiern. Ich habe ein, zwei Monate richtig Gas gegeben, weil ich mich bei dem Sichtungslehrgang für die Nationalmannschaft empfehlen wollte“, so „Tina“. Das gelang ihr eindrucksvoll: Benecke kam von 30 bis 40 Leuten in die engere Auswahl und bestritt 1997 beim Bremer Turnier ihr erstes Länderspiel. Die EM 1997 folgte, 1998 wechselte sie zum Bundesliga-Spitzenklub Schweriner SC, blieb dort jedoch nur eine Saison. 1998 erlebte sie dann ihre erste WM und war beim „Debakel“ von Japan dabei: „An die Spiele habe ich kaum noch Erinnerung, ich war aber sehr beeindruckt von der Stimmung und der Kulisse und wie die Zuschauer ihre Stars anhimmelten. Das hat mir erst bewusst gemacht, was ich tue. Es ist einfach ein anderer Stellenwert als in Deutschland.“
Der nächste Karriereschritt des Halb-Profis (sie arbeitete halbtags als Qualitätsprüferin für den Otto-Versand) erfolgte 1999: Benecke unterschrieb in Tortoreto, bei einem italienischen Zweitligisten. „Ich bin als Außenangreiferin geholt worden, wurde aber nach wenigen Spielen auf den Mittelblock gestellt, auch weil Hee Wan Lee das so wollte“, erinnert sich Benecke. Es folgten die Wechsel in die „A Uno“ nach Neapel und Florenz und wichtige Erfahrungen: „Ich möchte die Zeit nicht missen, sie hat viel Positives gebracht, war aber auch anstrengend, weil alles viel professioneller und härter war. Ich habe mich ein bisschen als ,Ware’ gefühlt, eine Sache, die ich nicht so schätze“, meint Benecke. Seit 2002 schmettert und blockt die 32-Jährige wieder für Hamburg, für NA.Hamburg, den Nachfolge-Klub von Fischbek. Halbtags arbeitet sie beim Hauptsponsor als Assistentin des Leiters des Zentralen Services. „Das macht viel Spaß, zumal ich einen coolen Chef habe, der mitverantwortlich ist, dass ich hier bin. Er hat mich großartig unterstützt“, bedankt sich Benecke.

Foto Tronquet: Christina Benecke (ganz rechts) in der "Viererkette" mit v.l. Cornelia Dumler, Atika Bouagaa und Zimmerkollegin Tanja Hart.
Weil die WM 1998 sportlich so enttäuschend, aber als Erlebnis so einprägend, wollte Benecke acht Jahre später unbedingt wieder dabei sein: „Ich wollte das Ganze noch mal erleben. Von den Zuschauerzahlen bin ich etwas enttäuscht, dafür ist das sportliche deutlich besser“, erzählt sie und gibt Einblicke in ihr Gefühlsleben: „Ich hatte Angst, dass ich nicht mitkomme, aber Giovanni Guidetti hat mir immer Mut gemacht. Allerdings hat er mich in der Vorbereitung nie anfangen lassen, so dass ich mich nie anbieten konnte. Zudem brauche ich längere Regenerationszeiten und war im Training ab und zu ,platt’. Aber ich wollte unbedingt dabei sein.“ Ihr Ehrgeiz und ihre Vielseitigkeit haben sie zum Ziel verholfen. Durch den Ausfall von Sylvia Roll ist Benecke nun als Universalspielerin, zur Not auch in der Annahme, gefragt. „Ich bin da, wenn ich gebraucht werde, egal auf welcher Position“, verdeutlicht Benecke ihre Entschlossenheit und Teamgeist. Letztgenannter ist das entscheidende Merkmal der WM-Mannschaft 2006: „Es ist ein viel besserer Zusammenhalt als 1998, es macht mehr Spaß, jede ist für die andere da. Und das macht uns stärker, erst recht, wenn wir sehen, wie sich die Gegner anzicken.“ Einer für alle, alle für einen lässt Benecke sogar zu einer unglaublichen Aussage hinreißen: „Wenn uns eine Verletzung passiern würde, hätte ich lieber einen Bänderriss als Curry (Corina Ssuschke, Anm. d. Red.).“
Die zweifache Olympiateilnehmerin (2000 und 2004) wird von Mannschaft und Bundestrainer Guidetti sehr geschätzt: „Ich bin froh, dass sie hier ist, weil sie wichtig fürs Team ist“, sagt Guidetti. Und Zimmernachbarin Tanja Hart, die mit Benecke das „Oma-Zimmer“ (beide mit 32 die Methusalems in der Mannschaft) bildet, ergänzt: „Sie ist eine sehr gute Zuhörerin und steht ein wenig über den Dingen (positiv gemeint). Sie pickt sich die positiven Dinge raus und weiß, was sie will.“ Benecke bestätigt diesen Eindruck, indem sie sagt: „Ich glaube, ich bin Ansprechpartnerin für alle, so eine Art ,Seelenklemptnerin’. Ich kann gut zuhören und organisieren, auch wenn Tzscherli (Kerstin Tzscherlich, Anm. d. Red.) meist schneller ist. Außerdem glaube ich, dass ich ein guter Motivator bin, aber nicht ganz so willenlos wie Atika (Bouagaa)…“