DVV-Frauen “BEI DER WM IN JAPAN”: Mit Ehrgeiz in die Weltklasse – Cornelia Dumler liefert bei der WM starke Leistungen ab!

DVV-Frauen “BEI DER WM IN JAPAN”: Mit Ehrgeiz in die Weltklasse – Cornelia Dumler liefert bei der WM starke Leistungen ab! Cornelia Dumler steigt hoch am Netz.

Sie ist sehr ehrgeizig, technisch ausgereift und bereits seit 2002 in der Frauen-Nationalmannschaft: Cornelia „Conny“ Dumler (24 Jahre, Tecnomec Forli/ITA) hat sich bei ihrer ersten WM von Spiel zu Spiel gesteigert und machte in den Partien gegen Aserbaidschan und China ganz wichtige Punkte. In beiden Spielen war sie hinter Top-Scorerin Angelina Grün zweitbeste deutsche Punktesammlerin.

Den ersten ernsthaften Kontakt mit der Sportart Volleyball hatte Dumler als Zehnjährige in ihrem Heimatort Ansbach. Ihre Eltern Barbara und Karl-Heinz, beide Volleyballer und noch aktive Trainer, nahmen die Tochter mit zum Training des TSV Ansbach – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Zuvor hatte sich Dumler im Turnen (deswegen vielleicht auch manchmal die Turnähnliche Handhaltung nach Angriff?!) und in der Leichtathletik versucht. Im beschaulichen Ansbach durchlief „Conny“ die Jugend, spielte nebenher in der Bayern-Auswahl, und war mit einem Doppelspielrecht für die Regionalliga (Nürnberg) ausgestattet. Dann kam der Schritt, der sportlich die Weichen stellte und persönlich eine große Zäsur bedeutete: Vom beschaulichen mittelfränkischen 40.000 Einwohner Städtchen nach Berlin. Der Grund: Dumler wurde mit ihren Kolleginnen der Juniorinnen-Nationalmannschaft in der Hauptstadt konzentriert beim VC Olympia Berlin. Das hieß, mit 16 Jahren das Elternhaus verlassen, die Schule wechseln, auf eigene Füße stellen: „Die Zeit war nicht so einfach. Aber meine Eltern haben mir zugeredet, dass ich diese Chance nicht verpassen dürfe. Meine Eltern waren und sind mein großer Rückhalt. Berlin war sportlich sehr wichtig für mich“, meint Dumler. Dumler und ihre Kolleginnen leisteten Pionierarbeit - das Projekt in Berlin hatte sportpolitische Dimensionen, denn im dritten Jahr spielte die Juniorinnen-Nationalmannschaft in der 1. Bundesliga mit. Der Erfolg des in Deutschlands sportlicher Landschaft einmaligen Projektes – die DVV-Juniorinnen gewannen in der Saison 2000/01 vier Partien in der Eliteliga – hat sich bis heute ausgewirkt: Neben Dumler steht mit Atika Bouagaa eine weitere Spielerin im WM-Kader, mit Kathy Radzuweit und Regina Burchardt zwei weitere im Kader der Frauen-Nationalmannschaft, die damals dabei waren.

Der nächste Schritt war klar: Spielerinnen wie die technisch versierte Dumler waren begehrt bei den Bundesliga-Klubs. Die Spielführerin der Juniorinnen-Nationalmannschaft hatte mehrere Angebote, entschied sich aber für Karbach: „Bereits als ich nach Berlin ging, fragte Karbach nach, was ich in drei Jahren machen würde“, erinnert sich Dumler lachend. Zwar ging der Verein nach nur einem Dumler-Jahr insolvent, aber für die Ansbacherin war das Jahr dennoch wertvoll: „Ich hatte Glück und habe im Stamm gespielt, weil die als gut eingestufte Chinesin nicht die Erwartungen erfüllte und nach nur einem Monat nach Hause geschickt wurde.“ Nach Karbach folgte die Station Münster und die bisher erfolgreichste Klub-Zeit Dumlers. Im zweiten Jahr beim USC (2003/04) gelang das Double aus Pokal und Meisterschaft, „weil wir ein cooles Team beisammen hatten“, meint Dumler. Beim Double-Sieger standen mit Dumler, Bouagaa und den Niederländerinnen van Tienen, den Staelens-Schwestern und Wensink gleich sechs aktuelle WM-Teilnehmerinnen… Trotz des Erfolges ging Dumler weiter auf Wanderschaft und landete bei Leverkusen. In der Bayer-Stadt entwickelte sich die 24-Jährige zur Führungsspielerin, wurde drittbeste Punktesammlerin der Liga und erreichte mit ihrem Klub das deutsche Pokalfiale und das Finale des europäischen Top Teams Cup.

Ihre starken Leistungen im Verein sowie guten Auftritte beim Grand Prix in Asien (dort gewann sie an einem Wochenende insgesamt 6.000 US Dollar als beste Punktesammlerin und beste Aufschlägerin!) verhalfen Dumler zum ersten Kontrakt im Ausland: „Dadurch, dass ich in dem Jahr viel in der Nationalmannschaft gespielt habe, wurde ich für Italien interessant. Nach Rücksprache mit Alberto Salomoni (Spielbeobachter der DVV-Frauen, Anm. d. Red.) entschied ich mich für Guido Caccamo als Manager, der mir riet, aus mehreren Angeboten das von Forli anzunehmen.“ Und sie bereut ihre Entscheidung nicht und wird auch im nächsten Jahr für den italienischen Erstligisten am Netz stehen: „Die Zeit hat mir gefallen, auch weil das Umfeld des Vereins gut ist. Sportlich lief es für mich gut, auch wenn wir am Ende die Play-offs verpasst haben“, so Dumler. Der positive Nebeneffekt hinsichtlich des neuen Bundestrainers: „Ich kann mich jetzt ganz gut auf italienisch verständigen. Wenn Giovanni aber loslegt wie ein Wasserfall, wird es schwierig für mich zu folgen.“

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Foto Kozuch: Conny Dumler fühlt sich in Japan wohl.

Dass Dumler bei der WM für Deutschland aufschlägt, schmettert und baggert, war so klar nicht und ist auch ein großer Verdienst von Guidetti: „Unter Hee Wan Lee war ich Aufschlagspezialistin. Damit hatte ich zwar eine Aufgabe, aber wenn es so weiter gegangen wäre, hätte ich mir überlegt, ob ich weitermache.“ Ihr international gefürchteter Sprung-Flatteraufschlag sorgt für Punkte und Verwirrung auf der gegnerischen Annahmeseite: „Juniorinnen-Trainer Jens Tietböhl hat den 1998 bei der Jugen-Olympiade bei einer Brasilianerin gesehen und mir gesagt, das müsste ich auch machen. Seit dem mache ich diese Art des Aufschlags, ich war eine der Ersten in Deutschland.“ Neu-Bundestrainer Giovanni Guidetti sieht jedoch nicht nur den ersten Ball als Stärke, sondern lobt vor allem die Ausdauer, den Ehrgeiz und Willen Dumlers: „Sie hat in diesem Jahr das ganze Programm mitgemacht, und sie ist immer beim Training dabei, um sich zu verbessern und Dinge zu lernen. Dieser Wille erlaubt ihr, auf hohem internationalen Niveau zu spielen.“

Die WM in Japan ist die erste für Dumler und hat jetzt schon bleibende Eindrücke hinterlassen: „Es ist noch mal etwas anderes und hat einen höheren Stellenwert als eine Europameisterschaft, die ich schon zwei mal erlebt habe. Da es zudem gut bei uns läuft, macht es richtig Spaß. Enttäuscht bin ich aber über die Zuschauerzahlen, da hatte ich von den Erzählungen von 1998 mehr erwartet“, so Dumler. In Japan bleibt das Ziel, unter die ersten acht zu kommen, dann streben Dumler & Co die Olympischen Spiele in Peking an – für Dumler wären es nach Athen die zweiten Spiele. In italien möchte sie sich weiter etablieren „und am besten diese Saison schon in die Play-offs kommen“.

Nach ihrem Abitur hatte Dumler zunächst ein Studium (Grundschullehramt) begonnen, seit einem Jahr führt sie ein Fernstudium beim IST im Bereich Sport- und Touristikmanagement durch. Wenn sie mal nicht mit Volleyball unterwegs ist, „bin ich am liebsten weit weg von Deutschland irgendwo am Meer.“

Und was sagen die Kolleginnen über Dumler? Zimmergenossin Kerstin Tzscherlich (seit 2004 mit Dumler auf dem Zimmer): „Sie telefoniert sehr laut, als ob sie die mehrere 1000 Kilometer nicht über Leitung, sondern direkt verbal überbrückt. Da gehe ich schon mal ins Bad.“ Atika Bouagaa, seit der Jugend-Nationalmannschaft mit Dumler bekannt und auch außerhalb des Volleyball-Karrées eine gute Freundin, meint: „Wenn sie sich konzentriert, beispielsweise ein Buch liest oder vor dem Computer sitzt, dann steht ihr Mund offen und sie ist nicht ansprechbar.“ Und Frauen-Kenner, Physiotherapeut Patrick „Pecke“ Rissler ergänzt: „Sie ist stets gut gelaunt, immer nett und freundlich. Sie ist aber auch eine harte Arbeiterin, die eine sehr gute Physis hat.“

Cornelia Dumler im Portrait