DVV-Frauen „BEI DER WM IN JAPAN“: Deutschland sicher in der Zwischenrunde – Souveränes 3:0 gegen Aserbaidschan!
Die DVV-Frauen haben bei der WM in Japan im vierten Spiel ihren dritten Sieg gelandet und sind somit sicher für die zweite Runde qualifiziert. Gegen den EM-Vierten Aserbaidschan gewann die deutsche Mannschaft hoch verdient mit 3:0 (27-25, 25-18, 25-20). Nur im ersten Satz musste sie unnötig in die Verlängerung und sogar zwei Satzbälle abwehren, danach ließ sie Aserbaidschan keine Chance. Der Erfolg zählt doppelt, denn zumindest ein Sieg fließt nun in die Zwischenrunde ein. Punktbeste Spielerinnen waren Angelina Grün (22), Cornelia Dumler (16) und Birgit Thumm (12) auf deutscher Seite sowie Natalya Mammadova (12) und Inessa Korkmaz (11) für Aserbaidschan. Am morgigen 5. November trifft die DVV-Auswahl im letzten Gruppenspiel auf Olympiasieger China (14.00 Uhr Ortszeit, 6.00 Uhr deutsche Zeit, live auf arena).
Von Beginn an war die deutsche Mannschaft hellwach und setzte die taktischen Vorgaben von Bundestrainer Giovanni Guidetti um: Die sah vor allem vor, Außenangreiferin Shabovta in der Annahme zu beschäftigen und sie somit im Angriff nicht so sehr zum Zuge kommen zu lassen. Beim 16-10 bei der zweiten technischen Auszeit schien bereits alles gelaufen, dann hatte die DVV-Auswahl ihre einzige Schwächephase im Spiel, die aber fast zum Satzverlust führte. Aserbaidschan hatte beim 23-24 und 24-25 zwei Satzbälle, doch die sehr starke Cornelia Dumler bewies Nervenstärke. Den Sack machte schließlich der Doppelblock Birgit Thumm/Christiane Fürst zu. In Satz zwei und drei starteten die deutschen Frauen stets mit komfortablen Vorsprung, und führten zur ersten technischen Auszeit bereits mit 8-2. Vor allem die Block- und Feldabwehr funktionierte prächtig, selbst die nur 1,72 Meter große Kathleen Weiß trug sich mit einem Blockpunkt gegen den 24 Zentimeter größeren Angriffsstar von Aserbaidschan, Natalya Mammadova, in die Statistik ein. Und da der Angriff aus der Annahme konstant auf hohem Niveau abgeschlossen wurde, brannte für die deutsche Mannschaft nichts mehr an. Guidetti sprach hinterher von einer „perfekten Leistung, denn wenn man Aserbaidschan 3:0 schlägt, muss man perfekt spielen.“
Spielbericht
Bundestrainer Giovanni Guidetti begann mit Kathleen Weiß im Zuspiel, Birgit Thumm auf der Diagonalen, Angelina Grün und Cornelia Dumler auf den Annahmepositionen, Corina Ssuschke und Christiane Fürst im Mittelblock sowie Kerstin Tzscherlich als Libero.
Aserbaidschan trat mit Oksana Guliyeva, Yelena Shabovta, Yelena Parkhomenko, Natalya Mammadova, Oskana Mammadyarova, Inessa Korkmaz und Valeriya Korotenko an.
1. Satz
Die DVV-Frauen erwischten einen perfekten Start in den ersten Satz: Der Dreierblock packte gegen Shabovta zu, Dumler punktete aus dem Rückraum und Shabovta schlug einen Ball hinter die Grundlinie (3-0). Als Weiß sich die 24 Zentimeter größere Mammadova im Block pflückte und Ssuschke einen Schnellangriff abschloss, hieß es 7-3. Dumler schlug geschickt den Block von Guliyeva an, und es ging mit 8-4 in die erste technische Auszeit. Bislang ging die Taktik, Schlüsselspielerin Shabovta in der Annahme zu beschäftigen, voll auf. Das deutsche Angriffsspiel lief auch nach der Pause – Fürst versenkte einen Schnellangriff (10-5). Auch wenn Thumm per Einbeiner am Block scheiterte, ließ sich das deutsche Angriffsspiel hervorragend an: Zuspielerin Weiß setzte variabel alle Angreiferinnen an, Grün beendete einen langen Ballwechsel indem sie oben auf den Block drosch (13-8). Auf die deutsche Spielführerin war auch in der Folge Verlass, „Grüni“ punktete beständig. Und da Dumler bereits zum wiederholten Male im Block aufpasste und den Ball entschärfte und Ssuschke den anschließenden Punktball versenkte, ging es mit beruhigendem Sechs-Punkte-Vorsprung in die zweite technische Auszeit (16-10). Und was war mit Mammadova? Die punktete zum ersten Mal zum 16-12, ein Zeichen für die gute Block- und Feldabwehr sowie Taktik der DVV-Frauen. Nach einem Annahme-Wackler von Tzscherlich nahm Guidetti eine Auszeit (18-15) – Aserbaidschan schien langsam ins Spiel zu finden. Dumler, die bislang eine sehr starke Partie zeigte, machte den nächsten Punkt (19-15), doch nach einem starken Aufschlag von Guliyeva hieß es nur noch 19-17. Aber Grün steuerte per Diagonalangriff den nächsten Zähler bei und Fürst erzielte einen gern genommenen direkten Aufschlagpunkt (21-17) – Auszeit Aserbaidschan. Nach zu dichtem Zuspiel kann Grün nur noch einen Lob setzen, den der Gegner erläuft und im Gegenangriff verwertet (22-20). Zum Glück punktet Grün anschließend, und Tanja Hart und Margareta Kozuch kommen im Doppelwechsel (für Weiß und Thumm, 22-19). Grün, in dieser Phase sehr oft gesucht, macht das 23-20, verschlägt danach aber ihren Aufschlag. Als Mammadova im zweiten Versuch gegen den deutschen Dreierblock punktet, nimmt Guidetti seine zweite Auszeit (23-22). Es ist doch noch ein „Zittersatz“ geworden. Ssuschke verschlägt ihren Schnellangriff, der Ausgleich ist da für Aserbaidschan, und Weiß und Thumm kommen zurück (23-23). Grün verschlägt auch den nächsten Ball aus dem Rückraum, plötzlich heißt es Satzball Aserbaidschan, doch Dumler wehrt stark ab (24-24). Mammadova, die jetzt immer stärker wird, drischt den Ball auf den deutschen Block und holt den zweiten Satzball, doch wieder wehrt Italien-Profi Dumler ab (25-25). Weiß setzt die Annahme des Gegners mit Härte und Glück (Netzkante) unter Druck, Shabovta schlägt ihren Angriff ins aus – erster Satzball für die DVV-Auswahl (26-25) – Auszeit AZE. Der Doppelblock Fürst/Thumm macht die Linie zu und den Satz ebenso – Shabovta scheitert erneut (27-25). Das war eine unnötige Zitterpartie.
Foto Steffen Marquardt: Ein Schlüssel zum Erfolg: Der Block. Hier mit Angelina Grün, Christiane Fürst und Birgit Thumm gegen Natalya Mammadova.
2. Satz
Die deutsche Mannschaft hat das knappe Ende deutlich besser weggesteckt als der Gegner: „Thummi“ punktet zu Beginn gleich vier (!) mal in Folge: Die Vilsbiburgerin macht drei Angriffszähler sowie einen Blockpunkt (4-0) – Auszeit AZE. Und da auch Grün erfolgreich weiter spielt und mit Angriff und zwei Assen punktet, ist bei der ersten technischen Auszeit viel „Luft“ zwischen beiden Teams (8-2). Dumler setzt mit einem Angriff die Linie entlang sowie einem geschickten Lob an die Finger zwei weitere Zähler drauf (10-2). Da können die Angriffsfehler von Ssuschke und Grün verkraftet werden, weil Dumler erneut erfolgreich ist (11-5). Fürst entschärft gleich zwei Mal die Angriffe von Mammadova und Dumler (wer sonst) schlägt abermals den (entnervten) Block an (12-5) – Auszeit AZE. Weiß agiert weiter auf hohem Niveau und stellt den gegnerischen Block vor Probleme – Thumm erhöht auf 14-7. Nach einem Grün-Angriff an den Block geht es mit 16-10 in die zweite technische Auszeit. Nach der Auszeit kommen Kozuch und Hart, Kozuch holt gleich den nächsten Zähler (17-11). Aserbaidschan punktet in dieser Phase viel mit den Schnellangreiferinnen, aber der deutsche Dreierblock ist gegen Shabovta erneut zur Stelle (19-13). Thumm und Weiß kommen zurück, Hart und Kozuch haben ihre Sache prima gemacht. Nach zwei Punkten von Aserbaidschan nimmt Guidetti eine Auszeit, um seine Spielerinnen zu ermahnen (19-15). Das wirkt: Hoch konzentriert steuern Grün, Ssuschke und Tzscherlich (!) weitere Punkte bei (23-17). Ein Angriff über den Block (natürlich von Grün) bringt Satzbälle (24-18), Weiß blockt zum zweiten Mal Mammadova. 25-18 und 2:0-Satzführung.
3. Satz
Grün per Block, Dumler mit einem extrem kurz geschlagenen Aufschlag-Ass sowie der deutsche Dreierblock (gegen Mammadova) sorgen erneut für einen Blitzstart (3-0) und eine frühe Auszeit des Gegners. Fürst setzt per Block gegen Mammadova und Schnellangriff die nächsten Punkte drauf (5-0), die Gesichter der Gegnerinnen werden länger und länger. Der deutsche Angriff funktioniert weiter prächtig, Thumm und Ssuschke steuern die nächsten deutschen Punkte bei. Als Grün Parkhomenko ins Gesicht blockt, springen die deutschen Spielerinnen zum 8-2 in die technische Auszeit. Aserbaidschan verkürzt auf 9-5, doch Dumler punktet nach wie vor in Serie (11-6). Mannschaftsarzt Dr. Paul Schmeing feuert lautstark die Spielerinnen an („ein Block jetzt, ein Block“), die danken es ihm mit gekonnten Angriffen – vor allem an die Finger der Gegnerinnen (13-8). Christina Benecke kommt für Ssuschke (14-8), Thumm besorg den 15. Punkt (15-9). Zum dritten Mal geht es nach einem „Grün-Knaller“ mit 16-10 in die zweite technische Auszeit. Auch Benecke feiert ihr Erfolgserlebnis gegen Mammadova und beendet den Ballwechsel per Schnellangriff (17-12). Als Grün den Block der aserbaidschanischen Punktmaschine anschlägt, ist der Sechs-Punkte-Vorsprung wieder da (18-12) – Auszeit AZE. Als der Gegner zwei Punkte in Folge macht, nimmt Guidetti sofort eine Auszeit, um den Rhythmus zu unterbrechen (18-14). Dumler hat zugehört und punktet nach präzisem Zuspiel von Weiß (19-14). Fürst blockt nach langem Ballwechsel Mammadova (20-15) – 1,95 Meter sinken enttäuscht zu Boden. Dann greift der deutsche Block drei Mal in Folge (in einem Ballwechsel!) Mammadova und feiert den Punkt stürmisch (21-15). Als Fürst und Grün nacheinander am Block scheitern, verkürzt Aserbaidschan (21-18), doch „Klein-Mammadova“, die eingewechselte Yarmammadova verschlägt den Aufschlag. Dann packt Grün im Block zu, und Benecke vollendet den Ballwechsel per Smash (23-18). Thumms Einbeiner bringt Matchbälle, Kozuch kommt für Weiß und Hart für Thumm (24-19). Harts kurzer Aufschlag landet im Netz, doch Grüns Angriff an den Block fliegt unerreichbar ins aus (25-20). Sofort bildet sich ein Jubelkreis, der 3:0-Sieg wird stürmisch gefeiert.

Foto Steffen Marquardt: Ein Bild mit Symbolcharakter: Aserbaidschan (Mammadova) am Boden, die deutschen Spielerinnen jubeln.
Stimmen zum Spiel
Giovanni Guidetti: „Gestern nach der Niederlage gegen Russland sagte ich, dass ich sehr stolz bin auf meine Mannschaft. Und heute hat man gesehen warum: Immer, wenn sie unter Druck stehen, spielen sie ihr bestes Volleyball. Es ist ein großartiges Team, heute war alles perfekt, Block, Abwehr, Angriff, Zuspiel. Und das gegen einen wirklich guten Gegner. 3:0 gegen Aserbaidschan zu gewinnen, bedeutet perfekt gespielt zu haben. Gratulation an meine Spielerinnen, sie überraschen mich immer wieder. Es war das intensivste Spiel in diesem Jahr.“
Angelina Grün: „Das haben wir so nicht erwartet. Wir sind sehr gut gestartet und haben es am Ende unnötigerweise eng gemacht. Dennoch waren wir in allen Bereichen sehr konzentriert und haben immer sehr schnell an den nächsten Punkt gedacht. Zudem haben wir den Außenangreiferinnen, den „Schlüsselspielerinen“, sehr schnell den Zahn gezogen. Gleichzeitig haben wir sehr gut aus der Annahme agiert. Da wir immer ein gutes Polster hatten, war es ziemlich entspannt.“
Cornelia Dumler: „Ich hatte mich auf ein enges Spiel eingestellt, wir haben aber sehr konstant gespielt und gegen die harten Angriffe ein Gegenmittel gefunden. Es war eine rundherum gute Leistung von uns. Ich sehe eine Chance, gegen China zu gewinnen, schon auf der China-Reise waren wir mit einer jungen Mannschaft nicht völlig chancenlos.“
Christiane Fürst: „Wir waren sehr konzentriert und unsere Taktik ist vor allem in der Block- und Feldabwehr aufgegangen. Wir haben mit viel Power, Aggressivität und Freude gespielt. Es ist eine Genugtuung, dass wir sie nach zuletzt drei Niederlagen endlich geschlagen haben.“
Götz Moser (DVV-Vize-Präsident): „Das war eine sehr konzentrierte und kämpferische Leistung. Die taktische Linie wurde umgesetzt. Ich bin positiv überrascht, wie sich die Mannschaft entwickelt hat. Ich glaube, dass noch das ein oder andere Wunder, wobei es kein Wunder mehr ist, möglich ist. Ich glaube, eine Platzierung von Platz fünf bis acht ist realistisch.“
Faig Garayev (Trainer AZE): „Wir sind sehr schlecht gestartet, hatten am Ende aber die Chance, zu gewinnen. Dann haben wir jedoch schlecht im Block gearbeitet. In jedem Satz lagen wir gleich hoch zurück, und es war schwer uns, dies aufzuholen.“