DVV-Frauen „BEI DER WM IN JAPAN“: Der schnellste Arm im Team – Cathrin Schlüter erlebt ihre erste WM auf dem Spielfeld!

DVV-Frauen „BEI DER WM IN JAPAN“: Der schnellste Arm im Team – Cathrin Schlüter erlebt ihre erste WM auf dem Spielfeld! Cathrin Schlüter mit WM-Souvenir bei der WM in Japan.

Sie hat den schnellsten Armzug im Team und gilt in der Bundesliga als eine der gefährlichsten Angreiferinnen. Bei der WM in Japan konnte Cathrin „Cathi“ Schlüter (26 Jahre, Schweriner SC) dies noch nicht allzu oft zeigen, die Mittelblockerin kam gegen Mexiko und Brasilien bei ihrer ersten WM-Teilnahme nur zu Kurzeinsätzen.

Schlüter ist eine Spätstarterin im Volleyball. Erst mit 15 Jahren fand sie zufällig den Weg zu dem Sport, der ihr nun eine WM-Teilnahme bescherte. „Wir hatten in Schwerin ein Sportfest aller Schulen und ich sollte im Hochsprung und Sprint starten. Da waren dann irgendwelche Volleyballtrainer da, sahen mich und sagten, die springt ganz gut“, erinnert sich Schlüter. Wenige Tage später kamen die Volleyball-Trainer in die Schule, fragten und sichteten die Schwerinerin für den Volleyballsport. „Erst einige Zeit später erfuhr ich von den Leichtathleten, dass sie mich auch gerne gehabt hätten“, fügt die 1,85 Meter große Mittelblockerin an.

Sie landete in der C-Jugend und absolvierte die ganze Jugend beim Schweriner SC. Mit der A-Jugend gewann sie die Deutsche Vizemeisterschaft, wichtiger war aber, dass sie die Aufmerksamkeit von Juniorinnen-Bundestrainer Rudi Sonnenbichler auf sich zog. Schlüter machte die Juniorinnen-EM 1998 mit (11. Platz), war nach ihrer Juniorinnenzeit jedoch nie wieder zu Maßnahmen der Nationalmannschaft eingeladen worden, obwohl sie bereits 1999 – also vier Jahre nach ihrem ersten Volleyballtraining - in der 1. Bundesliga beim Schweriner SC im Kader stand. Das Jahr zuvor hatte sie mittels Doppelspielrecht in der 2. Bundesliga beim TVDB Bremen sowie in der Regionalliga beim Schweriner SC II gespielt, war Freitag abends immer nach Bremen zum Training gefahren, spielte am Samstag und reiste dann zurück nach Schwerin.

Früh war Schlüter auf der Siegerseite, die Mannschaft Schwerins gewann 2000 bis 2002 die Deutsche Meisterschaft, zudem 2001 noch den Pokal. Allerdings hatte Schlüter in den ersten beiden Jahren überhaupt keine Spielanteile, und im dritten Jahr nur geringe. Kein Wunder: Mit Olessya Kulakova und Christina Schultz standen gestandene Nationalspielerinnen auf ihrer Position, von denen Schlüter viel lernen konnte. „Vor allem von Stine (Schultz) habe ich viel profitiert. Ihre Art und Weise auf, aber auch außerhalb des Feldes war beeindruckend. Ich konnte mir viel abgucken und sie hat mir viele Tipps gegeben“, sagt Schlüter rückblickend. Ihr Beitrag für die Schweriner Mannschaft ist seit 2004 gewaltig gestiegen, seit dem spielt sie im Stamm. Seitdem der Norweger Tore Aleksanderson Trainer ist, ging es mit Schlüter bergauf: „Spielerisch gesehen war er meine Rettung. Er hat mir vertraut und mich spielen lassen“, sagt die gelernte Mittelblockerin. Das Vertrauen und der Einsatz haben sich gelohnt: In der vergangenen Saison zählte Schlüter zu den besten Schweriner Spielerinnen und hatte maßgeblichen Anteil am Gewinn des Doubles. Ihre große Stärke ist dabei der Angriff, wohl keine andere Spielerin in der deutschen Nationalmannschaft ist so dynamisch und hat einen so schnellen Armzug. Um sich weiter zu verbessern, muss sich natürlich auch in weiteren Elementen zulegen: „Im Block und im Aufschlag habe ich Verbesserungspotenzial“, meint sie selbstkritisch. Unter Bundestrainer Giovanni Guidetti hat sie im Sommer akribisch daran gearbeitet: „Ich mache jetzt einen Sprung-Flatteraufschlag, den ich aber weiter stabilisieren muss. Außerdem habe ich unter Giovanni meine Blocktechnik geändert und gehe mit mehr Armeinsatz („Swingblock“) zum Block auf die Außenpositionen“, so Schlüter. Und der Bundestrainer bestätigt seine Mittelblockerin, die mit 60 Kilogramm bei 1,85 Meter Größe fast zerbrechlich wirkt: „Vom ersten Tag an, als ich sie gesehen habe, war ich von ihrem schnellen und starken Angriff beeindruckt. Im Sommer hat sie sich auch in Block, Aufschlag und Zuspiel stark verbessert. Sie hat hart gekämpft, um hier dabei zu sein, und ich bin froh, dass sie hier ist.“

Guidetti hat sie einiges zu verdanken, denn unter dessen Vorgänger Hee Wan Lee war Schlüter nie berücksichtigt worden. Im Juni 2006 nahm sie am Lehrgang in Kienbaum teil, danach machte sie das ganze Programm bis einschließlich der WM mit. Bereut hat sie den aufwändigen Sommer aber keineswegs: „Es war seit sieben Jahren, seit der Juniorinnenzeit, der erste Sommer, in dem ich durchgängig mit Volleyball unterwegs war. Das war eine Umstellung, hat aber auch Spaß gemacht, weil ich auch die anderen Spielerinnen privat kennen gelernt habe“, lacht sie Corina Ssuschke an, mit der sie gerade eine Partie Rommé spielt.

In Japan bestreitet Schlüter ihre erste WM auf dem Feld, vier Jahre vorher nahm sie aber bereits an der WM in Deutschland teil, nur in anderer Funktion: „Ich war 2002 Assistentin von WM-OK-Chef Burkhard Wiebe in Schwerin“, lacht sie und kann ihre steile Karriere selber kaum glauben. Im Vergleich zur WM in Deutschland schneidet die aktuelle WM in Japan vor allem bei den Zuschauern schlecht ab: „Ich weiß, was wir alles gemacht haben, damit bei allen Spielen viele Zuschauer in der Halle waren. Hier passiert leider nicht viel“, moniert sie die fehlende Resonanz bei Spielen ohne Beteiligung der Gastgeber. Dennoch empfindet sie die erste WM als Spielerin als „aufregend“, auch wenn sie noch nicht viele Einsätze hatte. „Ich freue mich, überhaupt dabei zu sein. Das war im Sommer nicht absehbar, ich hatte nicht damit gerechnet. Deswegen hält sich die Enttäuschung auch in Grenzen, dass ich nicht so viel reinkomme.“

Über das Abschneiden ist sich Schlüter mit ihren Kolleginnen einig: „Es ist schade, dass wir nicht um die Plätze fünf bis acht spielen, weil wir im Sommer sehr viel dafür getan und gute Partien abgeliefert haben. Allerdings sind wir auch selber schuld, denn ein 11-5 im fünften Satz gegen die Niederlande oder ein 24-21 im vierten Satz gegen die USA muss einfach reichen.“

Doch Schlüter stand draußen und „konnte nicht wahrhaben, was passierte. Es ist doch nur ein Punkt.“ Ein Punkt, der irgendwann vielleicht auch mal ansteht, ist ein Auslandsengagement: „Zur Zeit fühle ich mich in Schwerin wohl. Dort ist meine Familie und meine Freunde, aber man sollte nie nie sagen, die Zukunft ist noch völlig offen“, meint Schlüter. Steht sie nicht in der Volleyballhalle arbeitet die 26-Jährige halbtags als Sachbearbeiterin dem Abteilungsleiter Sport im LSB Mecklenburg-Vorpommern zu.

Und was gibt es sonst noch, was man über die ruhige Schlüter wissen muss? Ihre Schweriner Mitspielerin (seit 2000) und Zimmerkollegin Kathleen Weiß schmunzelt: „Cathrin schläft mit offenen Augen. Das habe ich das erste mal gemerkt, als sie mich in Heidelberg in der Nacht anguckte, aber nicht reagiert hat, als ich sie ansprach.“

Cathrin Schlüter im Portrait