European League 2005: Deutschland unterliegt Favorit Russland nach hartem Kampf!

European League 2005: Deutschland unterliegt Favorit Russland nach hartem Kampf! Frank Dehne und Georg Wiebel im Block, am Ende verloren sie hauchdünn gegen Russland.

Deutschlands Männer haben es nicht geschafft, dem Weltranglisten-Vierten Russland, die erste Niederlage in der European League beizubringen: Russland setzte sich vor 1.600 Zuschauern in Friedrichshafen mit 3:1 (26:24, 27:25, 25:20, 23:25) durch. Die knappen Satzergebnisse verdeutlichen jedoch, wie eng es in der ARENA zuging und versprechen für die zweite Begegnung am Sonntag (19.30 Uhr live auf Eurosport) Spannung. In den drei anderen Partien des Abends gab es folgende Ergebnisse: Estland – Finnland 3:2, Türkei – Spanien 3:0, Tschechische Republik – Slowakei 1:3.

Beide Teams spielten mit ihren stärksten Aufstellungen und boten alle Stars auf. Die Russen zogen von Beginn an ihr neues, schnelles Angriffsspiel auf, dass mehrmals mit einem Raunen der Zuschauer begleitet wurde. Doch die deutschen Spieler zeigten, dass sie in der European League enorm dazu gelernt haben: Beispielhaft der 2,12 Meter Riese Robert Kromm, der mehrfach über den Block der „russischen Riesen“ schlug. Nachdem die deutschen Spieler im ersten Satz beim Stand von 21:24 drei Satzbälle abgewehrt hatten und dennoch verloren, vergaben sie im zweiten Satz gar einen Satzball. Erst im dritten Satz wurden sie für ihre Bemühungen belohnt, vor allem der eingewechselte Jochen Schöps war Garant dafür. Der vierte Satz glich den ersten beiden: Beide Mannschaften lagen gleichauf, nur die etwas größere Erfahrung und Coolness auf russischer Seite gaben den Ausschlag.

Es folgt der ausführliche Spielbericht

Die Startformationen der beiden Mannschaften sahen folgendermaßen aus:
Russland: Konstantin Ushakov, Sergey Baranov, Alexey Kazakov, Andrey Egorchev, Pavel Abramov, Taras Khtey, Alexey Verbov
Deutschland: Frank Dehne, Christian Pampel, Björn Andrae, Robert Kromm, Ralph Bergmann, Norbert Walter, Till Lieber

1. Satz
Nach einem ersten Abtasten gab es erstmals beim Stand von 6:6 tobenden Applaus von den Zuschauern: Drei Mal griffen die DVV-Männer knallhart an, drei Mal kam der Ball zurück. Erst ein Angriff von Andrae machte den Punkt und die erste deutsche Führung (7:6). Als Dehne und Andrae mit direkten Punkten im Aufschlag glänzten, erhöhte die DVV-Auswahl auf 10:7. Sinnbild für die deutsche Überlegenheit in dieser Phase war ein Angriff von Kromm über (!) insgesamt 4,13 Meter, den Doppelblock von Baranov (2,08 Meter) und Egorchev (2,05 Meter). Doch die Russen konterten und sorgten ihrerseits mit krachenden Aufschlägen von Diagonalangreifer Baranov für Punkte und den Ausgleich (14:14). Als Pampel einen Punktball vergab und Andrae einen Angriff an die Antenne setzte, waren die Gäste wieder vorne (15:16). Der Rückstand hatte weiter Bestand und vergrößerte sich sogar (19:22), weil den deutschen Spielern in dieser Phase viel zu viele Aufschlagfehler unterliefen, sodass die Russen aus eigener Kraft kaum etwas für das Punktekonto tun mussten. Ein Ass von Egorchev auf Kromm bedeutete das 19:23 und schien die Vorentscheidung im ersten Satz zu bedeuten. Doch die deutschen Spieler gaben sich nicht geschlagen und wehrten beim 21:24 drei Satzbälle ab. Zunächst vergab Baranov seinen Aufschlag, dann punktete Pampel zwei Mal aus dem Rückraum gegen den Dreierblock. Dass der Auftaktsatz doch noch verloren ging, lag leider an einem technischen Fehler Liebers. Der deutsche Libero wollte eine hohe Annahme auf die Außenposition zuspielen, doch der Ball hatte soviel Rotation, dass er Lieber durch die Hände glitt (24:26).

2. Satz
Die DVV-Auswahl ließ sich durch den ärgerlichen Satzverlust nicht beeindrucken: Zunächst wehrte Pampel einen harten Angriff toll ab und Andrae verwertete den Punktball. Anschließend blockte Bergmann einen Tempoball über Diagonalangreifer Baranov – Deutschland führte bei der ersten technischen Auszeit 8:5. Der Vorsprung war schneller als lieb Makulatur, ein Angriffsfehler von Andrae sowie ein Netzkanten-Ass von Abramov bedeuteten den Ausgleich (8:8). Doch die Gastgeber schlugen postwendend zurück: Nachdem Zuspieler Ushakov bei einem Zuspiel über das Netz gegriffen hatte, legte Andrae zwei Asse nach – Russlands serbischer Trainer Zoran Gajic nahm beim 12:8 eine Auszeit. Nach einem der seltenen Angriffsfehler auf russischer Seite wurde der Vorsprung gar auf fünf Punkte erhöht (15:10), doch Vladimir Melnik, der für Khtey von Beginn an spielte, sorgte mit zwei Aufschlägen sowie einem Hinterfeldangriff für den Anschluss (15:14). Ein Ass von Semen Poltavsky, der kurz vorher für Baranov eingewechselt worden war, brachte den Ausgleich (17:17). Dann gingen die Russen in Führung: Zunächst verbaggerte Lieber einen relativ harmlosen Aufschlag von Abramov, anschließend blockte Melnik Andrae im Einerblock (18:20). Als es zwischen Dehne und Walter beim Schnellangriff nicht „passte“, waren es bereits drei Punkte Rückstand (19:22). Ein Angriff und ein Ass von Pampel brachten die Deutschen wieder ins Spiel (22:23), Gajic nahm sofort eine Auszeit. Pampel servierte erneut stark und Bergmann/Kromm blockten Melnik und ließen ihn fast auf den Ball springen (23:23). Die Russen erspielten sich den ersten Satzball, doch Melnik verschlug den per Aufschlag. Dann holten sich die Gastgeber ihren ersten Satzball, als Andrae mit viel Gefühl den russischen Block anschlug (25:24). Poltavsky wehrte ab, indem er Bergmann durch die Arme schlug. Moculescu wechselte Eugen Bakumovski für Kromm in die Annahme ein, doch Egorchev nutzte das geschickt und mit Glück und servierte zwei Mal per Netzkante auf Bakumovski. Ein direkter Punkt sowie eine Not-Annahme sprangen heraus, die Russen nutzten ihren zweiten Satzball mit einem Angriffs-Netzroller durch Abramov (25:27).

3. Satz
Nach den knapp verlorenen Sätzen wechselte Moculescu mit Simon Tischer (für Dehne), Jochen Schöps (für Pampel) und Georg Wiebel (für Bergmann) frische Kräfte ein. Beide Mannschaften boten den Zuschauern weiterhin Volleyball auf höchstem Niveau mit unglaublicher Athletik, Raffinesse und Geschwindigkeit. Andrae servierte ein erneutes Ass zum 8:7. Beide Teams lagen weiter gleich auf, auch ein Verdienst von Tischer, der zeigte, was er in der European League in diesem Jahr alles dazu gelernt hat. Ein „Monsterblock“ von Schöps gegen Melnik ließ die DVV-Männer und die Zuschauer weiter vom Satzgewinn träumen (14:13). Als Kromm im Angriff und Block zwei Mal in Folge punktete, lag die DVV-Auswahl erstmals mit zwei Punkten vorne (18:16). Schöps jagte noch ein Ass hinterher, sodass der Vorsprung wuchs (20:17). Nach einem Netzfehler auf russischer Seite ging es beim 21:17 in die Auszeit. Schöps setzte noch ein Ass hinterher, doch die Russen konterten erneut mit knallharten Aufschlägen von Poltavsky (22:20). Dann jedoch der Durchbruch: Ein Angriffsfehler von Kazakov bedeutete Satzball (24:20), der erste wurde gleich durch einen weiteren Angriffsfehler von Berezhko genutzt (25:20).

4. Satz
Andrae sorgte mit zwei Trickaufschlägen für einen deutschen Blitzstart (4:0). Diesen hielten die DVV-Asse auch bis zur ersten technischen Auszeit (8:4). Auch aus schwierigen Lagen befreiten sie sich mit individueller Klasse. Erneut war es Melnik am Aufschlag, der für Probleme in der deutschen Annahme und Punkte für die Russen sorgte (10:10). Ein Hinterfeldangriff von Andrae sowie ein halbes Ass von Schöps ließen die deutschen Spieler wieder in Führung gehen (14:11). Doch wie in den Sätzen zuvor bedeutete dies gar nichts, nach einem Block Melniks gegen Andrae nahm Moculescu eine Auszeit (16:17). Die Russen erhöhten nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung gar auf 17:19, doch ein Block von Walter sowie ein Angriff von Schöps an den russischen Dreierblock bedeuteten den erneuten Ausgleich (19:19). Beide Mannschaften schenkten sich in dieser Phase nichts, die Russen legten vor, die Deutschen glichen aus (22:22). Als Schöps einen Punktball neben die Linie setzte, hatten die Russen ersten Matchball (23:24), der gleich genutzt wurde: Kromm wackelte in der Annahme und Tischer und Andrae konnten sich nicht einigen, wer den Ball zuspielen soll (23:25).

Stimmen zum Spiel

Zoran Gajic (Trainer Russland): „Es war ein sehr hartes Spiel, Deutschland hat ein sehr gutes Team und gute Chancen, sich für die WM zu qualifizieren. Der Sieg war nicht das Hauptziel, ich wollte alle Spieler sehen, um zu sehen, welche Form sie haben im Hinblick auf die WM-Qualifikation in Polen. Ich bin zufrieden, vor allem mit Poltavsky, Melnik und Berezhko.“

Stelian Moculescu (Trainer Deutschland): „Ich bin nicht unzufrieden mit dem Stand der Mannschaft. Wenn sie „frisch“ ist, bin ich zuversichtlich, dass sie die WM-Qualifikation schafft. Das ist es, was mich interessiert. Das Spiel heute hat gezeigt, dass wir uns in der Annahme und im Block individuell noch steigern müssen.“

Frank Dehne (Kapitän Deutschland): „Ich bin zufrieden, auch wenn wir verloren haben und denke, dass es auch 3:1 für uns hätte ausgehen können. Wenn wir uns in Annahme und Aufschlag weiter steigern, gewinnen wir auch gegen die Russen.“

Punktbeste Spieler
Deutschland: Andrae (15 Punkte), Kromm (14), Schöps (11)
Russland: Poltavsky, Melnik (jeweils 14), Abramov (10)

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