Beach European Championship Tour: Weltweit die Nummer eins im Beach-Volleyball – das ist unsere größte Herausforderung!
André Meyer, Präsident des Europäischen Volleyball-Verbandes (CEV) will die Strukturen im europäischen Beach-Volleyball deutlich verbessern.
Luxemburg/Zürich - „Meine Damen und Herren“, mahnte der Luxemburger André Meyer am zweiten Tag des NESTEA European Championship Final in Moskau, „lassen Sie uns das Gespräch nicht zu lange führen, denn es ist wichtiger, bei den Athleten am Court zu sein.“ Dennoch nahm sich der Präsident des Europäischen Volleyball-Verbandes (CEV) die Zeit, um ein Interview zu führen.
Frage: Wie ist Ihr Eindruck vom NESTEA European Championship Final in Moskau?
Meyer: "Meine Impressionen sind bisher sehr positiv: Der Centre Court, die Side Courts – der ganze Aufbau und Auftritt ist von der Agentur Global Sports Marketing wieder hervorragend gelöst worden. Das ist enorm, was da geleistet wird. Aber wir müssen noch mehr unternehmen, damit mehr Zuschauer an den ersten Turniertagen zu unseren Events kommen."
Frage: Spieler und Journalisten wundern sich, dass immer wieder Turniere der CEV und des Weltverbandes FIVB parallel angesetzt werden. In diesem Jahr war das bei den Spanish Open in Valencia und beim NESTEA European Championship Final in Moskau der Fall, als gleichzeitig St. Petersburg und Montreal liefen. Wie sind solche Terminkollisionen zu vermeiden?
Meyer: "Das ist sicher ein Problem, das wir angehen müssen. Wir haben am 20. September 2005 ein Meeting mit der FIVB in Lausanne, bei dem wir über die Entwicklung von Beach-Volleyball sprechen. Dabei wird die Koordinierung des Terminkalenders eine ganz zentraler Punkt sein. Doch es wird schwer bleiben, alle Bedürfnisse zu befriedigen, weil die FIVB ihre Aktivitäten immer mehr auf Europa ausweitet."
Frage: Mit den Turkish Open, den Spanish Open, den Swiss Open und dem NESTEA European Championship Final in Moskau gab es in diesem Sommer vier große Turniere auf CEV-Ebene. Was planen Sie für 2006?
Meyer: "Das Ziel ist ganz klar, vier Tour- und ein Finalturnier durchzuführen. Das war schon für diese Saison unsere Intention. Im kommenden Jahr müssen wir das umsetzen."
Frage: Es gab hier in Moskau heftige Diskussionen über die Schiedsrichterleistungen. Die Spieler beschwerten sich unter anderem, dass die russischen Unparteiischen der englischen Sprache nicht mächtig sind.
Meyer: "Wenn ein Schiedsrichter gut ist, spielt die Sprache keine Rolle. Aber ich habe das Empfinden, dass die Schiedsrichter nicht gut genug sind. Die Schiedsrichter wissen, dass die Spieler Profis sind und hier ihr Geld verdienen, da müssen auch die Schiedsrichterleistungen dem entsprechend sein. Auf der anderen Seite ist das Verhalten vieler Spieler nicht mehr zu tolerieren. Das hat mit fair play und sportlichem Auftreten nichts zu tun. Beide Seiten sind gefordert. Es muss etwas passieren, und seien Sie sicher, es wird etwas passieren."
Frage: Wie können Sie konkret eingreifen?
Meyer: "Das Problem der fehlenden Schiedsrichter-Qualifikation werden wir mit Hilfe von erfahrenen ehemaligen Unparteiischen wie dem Engländer Brehout oder dem Noweger Cox angehen. Wir wollen einen von ihnen oder am besten beide dafür gewinnen, unsere Schiedsrichter weiterzubilden."
Frage: Sie haben angekündigt, die CEV Beach Volleyball-Kommission neu zu strukturieren, wenn Sie im September in Ihrem Amt als CEV-Präsident bestätigt werden. Woran fehlt es?
Meyer: "Von der Kommission sind keine Impulse ausgegangen. Wir müssen den Bereich Beach-Volleyball intensiver betreiben."
Frage: In welchen Segmenten?
Meyer: "Ich vergleiche den Sport gerne mit einer Pyramide: Oben an der Spitze läuft es gut, unsere besten Spieler haben Weltklasseniveau. Mit der Jugendarbeit, die man als Basis betrachten kann, können wir auch zufrieden sein. Aber es fehlt der Mittelbau. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die den Spielern den Sprung vom U-20-Bereich zum Topniveau ermöglichen. Da müssen wir auch mit Hilfe der NESTEA European Championship Tour ansetzen."
Frage: Sie haben von der Gründung eines europäischen Beach Volleyball-Zentrums gesprochen. Wie konkret ist diese Vision?
Meyer: "Sehr konkret. Wir sind im Gespräch mit den Volleyballverbänden der Türkei und Griechenland. Wir wollen, dass unsere Besten – egal ob Deutsche, Italiener, Spanier, Griechen oder Schweizer – vor allem im Winter zusammen trainieren. Warum sollen sie nach Brasilien fliegen, wenn wir ihnen eine preisgünstigere Alternative bieten können?"
Frage: Brasilien und die USA haben weltweit weiterhin die Vormachtstellung. Muss das bis in alle Ewigkeit so bleiben?
Meyer: "Gerade bei den Brasilianern wird es schwer, sie von da oben zu verdrängen, weil sie eine sehr gute Nachwuchsarbeit haben. Die haben zuletzt in der Jugend und bei den Junioren alles abgeräumt. Aber wenn wir unseren Spielern die besten Bedingungen bieten, halte ich es für machbar. Das ist unsere größte Herausforderung."
(Quelle: GSM)