Olympische Spiele 2004: Interview mit Danja Müsch/Susanne Lahme!

Olympische Spiele 2004: Interview mit Danja Müsch/Susanne Lahme! Über ähnlichen "Schmuck" würden sich Danja Müsch (links) und Susanne Lahme in Athen sicherlich nicht beschweren.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele nimmt das Beach-Duo Susanne Lahme/Danja Müsch Stellung zu den Fragen nach der Gruppe, dem Modus, den Erwartungen und mehr. Das Interview ist natürlich rechtefrei abdruckbar. Fotos können ebenfalls geliefert werden.

Können sich Spielerinnen, die an ihren dritten (Müsch) bzw. vierten (Lahme) Olympischen Spielen teilnehmen überhaupt noch auf das Sportereignis freuen?
Lahme: „Gerade weil ich Olympia schon erlebt habe, weiß ich was für ein grandioses Ereignis die Olympischen Spiele für jeden Sportler bedeuten.“
Müsch: „Wir freuen uns total, aber wir sind sicher nicht mehr so aufgeregt wie bei den letzten Malen.“

Auf was freut ihr euch am meisten?
Lahme: „Andere Sportarten, die man sonst nur im TV sieht, live mitzuerleben.“
Müsch: „Und andere Sportler zu treffen. Das Olympische Dorf hat schon eine große Faszination.“

Habt ihr zu Beginn eurer gemeinsamen Beach-Zeit (2002) geglaubt, dass ihr euch für Athen qualifiziert?
Lahme: „Ich ja, Zweifel nur in Momenten von Verletzungen.“
Müsch: „Olympia war immer das Ziel für uns. Und ich habe auch immer geglaubt, dass wir es schaffen, dass es allerdings so hart wird, hätte ich nicht gedacht.“

Dass Susi von Danja viel erklärt und gezeigt bekommt, liegt auf der Hand. Profitiert euer Spiel denn auch von der immensen Hallen-Erfahrung Lahmes bzw. konnte Danja auch etwas von Susi lernen?
Lahme: „Die Frage ist mehr an Danja gerichtet, aber ich denke, dass wir mittlerweile gleich voneinander lernen, es geht um Abstimmungsfragen und Feldaufteilungen.“
Müsch: Das hat sich jetzt alles relativiert. Natürlich hatte ich am Anfang mehr Beacherfahrung, aber mittlerweile sind wir gleichberechtigt und Susi gibt mir genauso Anweisungen wie ich ihr.“

Kommen wir zum Olympischen Turnier. Ihr seid mit Ana Paula/Sandra Pires (BRA), Arvaniti/Koutroumanidou (GRE) und Hakedal/Torlen (NOR) in einer Gruppe. Wie beurteilt ihr die Auslosung?
Lahme/Müsch: „Keine leichte Gruppe, doch die Griechinnen und die Norwegerinnen sind noch jung und das erste Mal dabei, die Griechinnen müssen vor heimischen Publikum dem Erwartungsdruck standhalten, Ana und Sandra haben wenige Wettkämpfe in diesem Jahr bestritten…Gruppenzweiter ist Ziel.“

Wie beurteilt ihr den Modus mit Gruppenphase und anschließendem Einfach-KO sowie der Tatsache, dass ihr alle zwei Tage nur ein Spiel habt?
Lahme: „Durch das heiße Wetter ist der Spielmodus für die Regeneration ideal, doch ich persönlich ziehe den Modus der World Tour vor.“
Müsch: „Ein Spiel alle zwei Tage ist natürlich sehr wenig für uns, da wir ja sonst bis zu 4 Spiele am tag haben. Bei der Hitze und unserem Alter könnte es aber ein Vorteil für uns sein, man muss es aber schaffen, die Spannung zu behalten.“

Bereitet ihr euch auf diesen ungewöhnlichen Modus – normalerweise wird ein gesamtes Turnier in drei Tagen absolviert - vor? Habt ihr euer Training diesbezüglich umgestellt?
Müsch: „Da wir bis zu diesem Wochenende gespielt haben, gab es keine besondere Vorbereitung auf diesen Modus.“

Welche Teams spielen um die Medaillen, was ist für euch „drin“?
Lahme/Müsch: „Die Amerikanerinnen und die Brasilianerinnen und wir wollen auf jeden Fall ein einstelliges Ergebnis. Viel ist abhängig von der Auslosung nach der Vorrunde.“

Die US-Duos und brasilianischen Teams konnten von euch bislang noch nicht geschlagen werden. Gibt es in Athen eine Chance, der Modus lässt doch Überraschungen zu?
Müsch: „Olympia ist immer für Überraschungen gut, und es wäre nicht schlecht, gerade bei diesem Turnier die Großen zu schlagen. Aber das wird sicher sehr, sehr schwer.“

Euer Trainer Bernd Werscheck ist in Athen dabei. Ist das ein Vorteil, dass der Trainer vor Ort ist?
Lahme: „Auf jeden Fall, Bernd wird uns wie bei den vergangenen Turnieren super unterstützen.“
Müsch: „Für mich ist es das erste Mal, dass ich meinen eigenen Trainer bei Olympia dabei habe, und ich denke, es wird eine große Hilfe sein, dass wir unser normales Umfeld haben. Es hat uns schon in diesem Sommer unheimlich viel gebracht, dass Bernd soviel dabei war.“

In Athen wird es extrem heiß sein: Gerade Susi als hellhäutiger Typ ist gefährdet. Gibt es besondere Maßnahmen und Vorbereitungen auf diese Bedingungen?
Lahme: „Durch den Winter in Brasilien hoffe ich, mich an Hitze und Sonne besser gewöhnt zu haben. Außerdem werden uns die Kühlwesten von Doc Michael Tank und Physiotherapeut Jochen Dirksmeyer hoffentlich helfen. Danja und ich probierten die Westen schon mal in Mallorca aus.“

Kurz vor den Olympischen Spielen habt ihr auf einem Drahtseil in ca. 35 Meter Höhe eine Strecke von 40 Meter zurück gelegt. Was war die Intention?
Lahme: „Keine Ahnung, was die Intention war, es hat aber unheimlich Spaß gemacht trotz zittriger Phasen und Angstschweiß.“
Müsch: „Wir hatten das ursprünglich schon mal für letztes Jahr geplant, aber es hat erst jetzt geklappt. Es war noch mal ein guter Kick, um zu merken, dass es schlimmere Dinge gibt, als z.B. einen Aufschlag bei Olympia zu verschlagen. Und dass man vor ganz anderen Dingen und auf einem anderen Niveau Angst haben kann, als beim Volleyball.“

Was wäre eigentlich gewesen, wenn sie einer von euch so schwer verletzt hätte, dass er nicht hätte in Athen teilnehmen können?
Müsch: „Dann hätte der andere mit neuer Partnerin gespielt, wie vom DVV und der FIVB angedacht.“

Beach-Volleyballer spielen manchmal - in Ermangelung von Gegnern - im Training "1 gegen 1". Wer gewinnt das interne Duell?
Lahme: „Das haben wir, glaube ich, im letzten Jahr mal gespielt, und da war Danja die Überlegene.“
Müsch: „Das ist nicht wirklich unsere Lieblingsübung, und wir haben es dieses Jahr immer geschafft, Trainingspartner zu haben, sodass wir uns nicht gegenseitig bekämpfen mussten.“

Die "Interview-Ecke" zu den Olympischen Spielen (Beach)