Olympische Spiele 2004: Interview mit Christoph Dieckmann/Andreas Scheuerpflug!
Im zweiten Interview im Vorfeld der Olympischen Spiele nimmt das Beach-Duo Christoph Dieckmann/Andreas Scheuerpflug Stellung zu den Fragen nach der Gruppe, dem Modus, den Erwartungen und mehr.
Mit dem 7. Platz in Berlin und dem darauf folgenden 4. Platz in Stavanger hattet ihr endgültig die Olympia-Qualifikation unter Dach und Fach gebracht. Was war das für ein Gefühl?
Dieckmann: „Sehr befreiend. Wie man an den folgenden Turnier-Ergebnissen (nach Berlin) sieht. Vor allem für mich nach der verpassten Olympiade 2000.“
Gab es Mal Zweifel, noch von David Klemperer/Niklas Rademacher abgefangen zu werden?
Dieckmann: „Vor Berlin habe ich schon darüber nachgedacht, da wir nicht so erfolgreich gespielt hatten und die Beiden zwei gute Turniere hatten. Aber der Vorsprung war so groß, dass das objektiv ziemlich unrealistisch war.“
Für Dich, Andreas, sind es nach Sydney 2000 die zweiten Olympischen Spiele. Wie oft musstest du Christoph, dem Olympia-Novizen, von der Atmosphäre, vom Flair berichten?
Scheuerpflug: „Eigentlich gar nicht. Christoph wollte auch nichts Besonderes wissen. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen.“
Wie schätzt ihr eure Gruppe mit den Gegnern Marcio Araujo/Benjamin (BRA), Alvarez/Rossell (CUB) und Canet/Hamel (FRA) ein, wie sieht eure Bilanz aus?
Dieckmann: „Die Gruppe hätte leichter, aber auch noch schwerer sein können. Also Ok. Die Bilanzen sehen folgendermaßen aus: Gegen Marcio/Benjamin: 2:2; gegen Alvarez/Rosell: 1:0; gegen CanetHamel: 1:0. Wenn wir gut spielen, können wir gegen alle 3 gewinnen, wenn wir schlecht spielen, gegen alle verlieren. Es liegt also vor allem an uns.“
Andreas, Du bist in Sydney mit Oliver Oetke 19. geworden. Wie lautet das Ziel für Athen 2004?
Dieckmann: „Mein Ziel: Gruppe überstehen. Dann weiter schauen.“
Scheuerpflug: „18.“
Wie beurteilt ihr den Modus mit Gruppenphase und anschließendem Einfach-Ko sowie der Tatsache, dass ihr alle zwei bzw. drei Tage nur ein Spiel habt?
Dieckmann: „Pool Play ist nicht umsonst bei der World Tour wieder abgeschafft worden. Das System, bei dem die besten Gruppendritten auch weiter kommen, ist noch schlechter und anfälliger. Dass wir nur jeden zweiten Tag spielen ist gewöhnungsbedürftig, aber ich glaube, es wird uns ganz gut liegen.“
Bereitet ihr euch auf diesen ungewöhnlichen Modus - normalerweise wird ein gesamtes Turnier in drei Tagen absolviert - vor? Habt ihr euer Training diesbezüglich umgestellt?
Dieckmann: „Nein. Man kann nicht das Training so umstellen (v.a. das Krafttraining), da man dann wichtige Zeit der Krafttrainingsperiodisierung verliert. Wir hatten auch bei der World Tour in diesem Jahr öfter Turniere, an denen man nur 1 Spiel am Tag hatte. Das sind wir also gewöhnt. Schwieriger wird es, wenn wir lange im Turnier sind. Das wäre dann neu. Aber dann auch egal!
Scheuerpflug: „Ich fände es schon besser, mindestens zwei Spiele am Tag zu haben. Dann ist es leichter, in einen Rhythmus zu kommen. Zuletzt haben wir bewiesen, dass wir auch drei Spiele am Tag mit einem guten Niveau absolvieren können.“
Ist auf Grund des Turniermodus` nicht auch eine Überraschung möglich. Wäre die Wiederholung des 3. Platzes von Klagenfurt, eurer besten gemeinsamen Platzierung, "drin"?
Dieckmann: „Überraschungen sind immer möglich. Siehe Sydney, siehe World Tour in diesem Jahr. Mindestens die Hälfte der Männer-Teams, wenn nicht noch mehr, sind in der Lage, eine Medaille zu holen. Das sieht man daran, wie viele verschiedene Teams in diesem Jahr schon im Halbfinale waren.“
Christoph, eine Frage muss natürlich gestellt werden: In Athen kann es auch zum Bruder-Duell kommen. Wie gehst du in dieses spezielle Spiel rein, belastet dich das, dass auf der anderen Seite dein Bruder steht?
Dieckmann: „Da wir frühestens im Achtelfinale aufeinandertreffen können, ist das nicht so schlimm. Unser Ziel ist es, erst mal das Achtelfinale zu erreichen. Wenn wir dort gegen Markus und Jonas spielen und verlieren, dann lässt sich damit leben. Dann ist ein deutsches Team auf jeden Fall schon mal 5. und hat Chancen aufs Halbfinale. Das ist ja auch was! Wenn wir noch später gegen Markus spielen, um so besser.“
Welche Teams spielen um die Medaillen?
Dieckmann: „Gold werden die ersten 6 Teams der Setzliste unter sich aus machen. Dahinter ist - siehe oben - vieles möglich. Mein Tipp: Gold: Kobel/Heuscher oder Dieckmann/Reckermann. Silber: siehe Gold. Bronze: Marcio Araujo/Benjamin.”
Scheuerpflug: „Emanuel wird nach zwei für ihn enttäuschenden 9. Plätzen bei Olympischen Spielen Gold gewinnen, wenn er ins Halbfinale kommt.“
Ist es für euch vorteilig, dass das Augenmerk und auch die Erwartungen besonders auf Dieckmann/Reckermann liegen?
Dieckmann: „Wir haben nichts dagegen, wenn wir nicht so im Rampenlicht stehen und "aus dem Hintergrund" spielen können. Aber entscheidend ist unsere eigene Einschätzung, nicht die der Medien etc.“
Euer Trainer Bernd Schlesinger ist nun auch in Athen dabei. Ist das ein Vorteil, dass der Trainer vor Ort ist?
Dieckmann: „Er wäre auf jeden Fall vor Ort gewesen, allerdings ohne die Möglichkeit, während des Turniers mit uns zu trainieren. Das wäre sehr enttäuschend gewesen, wenn man beim wichtigsten Turnier seinen Trainer nicht hätte dabei haben können bzw. alle Kosten selber hätte übernehmen müssen. So ist es sicherlich besser, aber so muss es auch sein. Alle anderen Teams (auch die anderen Nationen) haben auch ihren Trainer dabei. Bernd kennt uns sehr gut und kann gut auf uns einwirken. Das wird auf jeden Fall helfen.“
Was wäre eigentlich gewesen, wenn sie einer von euch so schwer verletzt hätte, dass er nicht hätte in Athen teilnehmen können?
Dieckmann: „Darüber sollte man gar nicht nachdenken. Bringt Unglück!“
Scheuerpflug: „Niklas Rademacher wäre Ersatzpartner für Christoph gewesen und Julius Brink für mich.“
Beach-Volleyballer spielen manchmal - in Ermangelung von Gegnern - im Training "1 gegen 1". Wer gewinnt das interne Duell?
Dieckmann: „Der Erfahrenere. Abwehrspieler gewinnen immer!“
Scheuerpflug: „In der Regel der Abwehrspieler.“