Olympische Spiele 2004: Frauen-Bundestrainer Hee Wan Lee vor den Olympischen Spielen im Interview!
In der Interview-Reihe vor den Olympischen Spielen kommt dieses Mal Frauen-Bundestrainer Hee Wan Lee zu Wort. Was für das "Wunder von Athen" notwendig ist, wer seine Medaillen-Favoriten sind und mehr im folgenden Interview.
„Das Wunder von Baku“, die erfolgreiche und sensationelle Olympia-Qualifikation, hat sich als fester Begriff in Volleyballer-Kreisen etabliert. Folgt nun das „Wunder von Athen“?
Lee: „Das ist noch ein Mal ein anderes Kaliber. Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut und muss auch in Athen topp sein, aber es wird in Athen sehr schwer werden.“
Was ist dazu notwendig?
Lee: „Bei uns gibt es noch große Leistungsschwankungen und die Leistung ist von der Tagesform abhängig. Dies ist bei den anderen Mannschaften anders, die schon über Jahre zusammen spielen und sich gezielt auf Athen vorbereitet haben. Wenn wir gegen die „Großen“ eine Chance haben wollen, müssen wir unsere optimale Form erreichen, und bei den anderen darf nicht alles passen.“
Die „Auslosung“ brachte euch mit China, USA, Kuba, Russland und der Dominikanischen Republik sehr schwere Gegner. Was hast du als erstes gedacht, als du davon erfahren hast?
Lee: „Das war ein Schock für mich. Ich hatte gehofft, dass Griechenland oder Kenia sowie eine asiatische Mannschaft wie Japan oder Korea bei uns landen, dann hätten wir eine gute Chance gehabt, sicher das Viertelfinale zu erreichen.“
Und was war der zweite Gedanke?
Lee: „Dann müssen wir eine der großen Mannschaften schlagen.“
Ist es von Vorteil, gegen Kuba das Eröffnungsspiel am 14. August um 9.00 Uhr morgens Ortszeit zu machen?
Lee: „Jeder Sportler hat Probleme, um diese Zeit gute Leistung zu bringen.“
Beim Grand Prix habt ihr 2x gegen Kuba verloren, 2x gegen China verloren, 1x gegen die USA gewonnen, 1x gegen die Dominikanische Republik gewonnen und gegen Russland eine 1:1-Sieg-Bilanz eingefahren. Haben diese Ergebnisse Einfluss auf das olympische Turnier?
Lee: „Es wäre sicherlich besser gewesen, wenn wir gegen Kuba und China gewonnen hätten, aber ich glaube, Kuba hat auch so Respekt vor uns. Vor vier Jahren war das noch anders, da hatten wir von vorneherein keine Chance gegen Kuba.“
ZDF-Experte Andreas Lauterbach tippt, dass ihr die Vorrunde mit Siegen über die Dominikanische Republik und Russland übersteht und dann im Viertelfinale an Brasilien scheitert. Ist er ein Experte?
Lee: „Ja, das ist schon möglich. Wir sind froh, wenn wir die Vorrunde überstehen.“
In Atlanta belegte die DVV-Auswahl Platz 8, in Sydney Platz 6. Danach käme in Athen Platz 4?
Lee: „Da müssen wir hart daran arbeiten. Um so weit nach vorne zu kommen, muss alles passen, und es muss auch in der Zukunft noch härter gearbeitet werden. Die jungen Spielerinnen haben eine gute Zukunft und können in den Jahren danach für gute Ergebnisse sorgen.“
Welche Teams spielen um die Medaillen bzw. sind die Favoriten?
Lee: „Es ist sehr ausgeglichen, aber ich tippe auf Brasilien oder die USA. Bei China hängt es davon ab, ob deren beste Mittelblockerin voll spielen kann oder nicht. Hinter Russland steht ein großes Fragezeichen, je nachdem wie fit sich die Mannschaft präsentiert.“
Was sind die Unterschiede der Teams von Sydney 2000 und Athen 2004?
Lee: „Die aktuelle Mannschaft ist kampfstärker und homogener. Die Mannschaft von 2000 hatte fertigere, bekanntere und international erfahrenere Spielerinnen wie Lahme, Schultz, Roll oder Pachale. Da gibt es jetzt nur Angelina Grün, es fehlt noch an internationaler Erfahrung.“
Die VolleyballerInnen haben immer das Problem, dass ihr Turnier vom ersten bis zum letzten Tag geht. Bleibt da Zeit, sich andere Wettbewerbe anzusehen?
Lee: „Wenn ich Zeit habe, möchte ich mir Beach-Volleyball und Männer-Volleyball sowie Leichtathletik angucken.“