Juniorinnen-EM-Qualifikation: Interview mit Bundestrainer Jens Tietböhl: Es geht nur um Platz zwei - Italien hoher Favorit!
Die Juniorinnen des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) kämpfen ab morgen in der Mehrzweckhalle von Dresden um eins von zwei Tickets zur EM-Endrunde in der Slowakei (1. – 12. September). Bundestrainer Jens Tietböhl äußert sich vor dem Sechser-Qualifikationsturnier zu den Aussichten.
Ist die EM-Qualifikation im eigenen Land für Ihre Mannschaft eher Vor- oder Nachteil?
"Ich sehe es eher als Vorteil an. Nach der schlechten Platzierung bei der letzten Junioren-EM – da wurden wir 2002 Achter – bat ich den Verband, sich um die Ausrichtung zu bemühen. Dresden war mein Wunschkandidat. Da wissen wir genau, dass alle hinter uns stehen."
Dennoch strichen Sie mit Stephanie Kestner und Stefanie Karg zwei Dresdner Talente noch aus dem Kader. Warum?
"Stephanie Kestner war nach ihren Knieoperationen noch nicht richtig fit. Für ein solches Turnier reicht ihre Kraft noch nicht. Sie könnte bei der EM dank ihres Talents sicher eine herausragende Stütze sein. Für Stefanie Karg tut es mir sehr leid, und mir ist klar, dass die Dresdner hier auch ihre Spielerinnen sehen wollen. Aber das war eine rein sportliche Entscheidung. Von all meinen Mittelblockerinnen ist sie sicherlich die schnellste, aber sie hat noch Defizite im Blockverhalten und in der Technik. Bei ihrem Entwicklungsstand ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis sie sich durchsetzt. Perspektivisch gesehen hat sie die Zukunft auf ihrer Seite. Ich habe mich stattdessen für Maren Brinkner entschieden, weil sie schon ein bisschen kompletter ist, mit dem Team auf Grund ihrer Erfahrung etwas vertrauter ist."
Die Dresdnerin Mareen Apitz ist aber Ihre erste Zuspielerin?
"Ja, sie ist meine Spielmacherin. Wobei ich sagen muss, dass wir zwei gute Zuspielerinnen haben. Mareen verfügt über gute körperliche Parameter, und ihre jüngste Entwicklung spricht für sie. Sie ist ein Typ, der mit Übersicht agiert."
Damit ist eine Ihrer Schlüsselpositionen mit einer Lokalmatadorin besetzt. Erdrückt sie diese Last?
"Das packt sie. Mareen wird locker bleiben. Ich habe mit ihr darüber auch lange geredet."
Die Favoritenrolle in diesem Turnier fällt Jugend-Weltmeister Italien zu. Wo ordnen Sie Ihr Team ein?
"Wenn man es realistisch betrachtet, geht es nur um Platz zwei. Italien spielt praktisch in einer anderen Liga. Wichtig ist für uns, wie wir in das Turnier starten. Nach Italien wird es mit Sicherheit ganz eng."
Was macht die Italienerinnen so übermächtig?
"Die Juniorinnen-Auswahl ist seit zwei Jahren in Ravenna als „Club Italia“ konzentriert. Das heißt, sie gehen früh in die Schule und machen jeden Tag von 17 bis 21 Uhr Training. Die Mannschaft spielt in Italiens dritter Liga. In der Hinserie blieben sie sieglos. In der Rückrunde konnten sie immerhin viermal gewinnen. Das zeigt auch, wie hoch das sportliche Niveau innerhalb Italiens ist. Die Italiener selbst schätzen ein, dass das ihr stärkster Jahrgang seit zehn Jahren ist. Die Konzentration trägt sicher ihren Teil dazu bei."
Wäre es eine Katastrophe, sollten Sie den Sprung auf den EM-Zug nicht schaffen?
"Es wäre mit Sicherheit nicht gut. Denn damit ginge den Mädchen ein wichtiger Höhepunkt in ihrer sportlichen Entwicklung verloren. Das Messen mit den besten Mannschaften Europas gehört einfach dazu."
Was sind die Stärken Ihrer Mannschaft?
"Ich denke, wir sind als Mannschaft sehr stark. Da ist im Laufe der Zeit ein gewisser Teamgeist entstanden. Das ist ein Kaderkreis, der sich auch vom Kopf her sehr stark fordert."
(Quelle: Sächsische Zeitung/Alexander Hiller)