Weltrekord: DVV-Männer gewinnen Satz mit 66:64 gegen Italien
Mehr als 4.400 Zuschauer im PalaCalafiore erlebten am Mittwochabend ein Spiel, das in die Volleyball-Geschichtsbücher eingehen wird. Direkt zum Auftakt des FIPAV Cup Men Elite, einem Vorbereitungsturnier auf die Europameisterschaft (9. bis 26. September in Bulgarien, Finnland, Italien und Rumänien), traf die deutsche Auswahl auf den amtierenden Weltmeister Italien. Was folgte, war vor allem im ersten Satz ein Krimi, der keine Grenzen kannte.
Deutschland lag zunächst mit 7:12 zurück, kämpfte sich aber zurück und glich beim 18:18 aus. Beim 24:22 hatten die DVV-Männer anschließend die ersten beiden Satzbälle, doch Italien wehrte beide ab und erspielte sich seinerseits die erste Chance auf den Satzgewinn. Danach entwickelte sich ein beispielloses Hin und Her. Insgesamt wehrten beide Teams 43 Satzbälle ab. Nach elf Satzbällen in Folge für die Italiener hatten die Deutschen beim 48:47 ihre zehnte Chance auf den Satzgewinn. Nach sieben weiteren abgewehrten Satzbällen hatten die DVV-Männer ihren elften Satzball beim 56:55. Tobias Brand beendete schließlich den Marathon, als er den 15. eigenen Satzball verwandelt – nach insgesamt 28 abgewehrten. Tobias Krick war mit zwölf Punkten der erfolgreichste deutsche Angreifer im ersten Durchgang, Anton Brehme steuerte zehn Zähler bei.
„Das ist das längste Spiel, das ich je gespielt habe. Ich glaube, wir haben alle noch nie so einen ersten Satz erlebt, den wir sogar gewonnen haben. Das war unfassbar“, sagte Tobias Brand. „Es war auch unfassbar, mit welchen Kräften wir gespielt haben. Auf der mentalen Ebene und mit Blick darauf, wie wir körperlich dastehen, war das heute ein sehr guter Test.“
Mit 66:64 und einer Dauer von 89 Minuten stellte der erste Satz einen neuen Rekord für ein offizielles Länderspiel auf. Der bisherige Bestwert war erst im Juni bei der Volleyball Nations League aufgestellt worden: Argentinien gewann gegen Polen einen Satz mit 50:48 nach 62 Minuten.
Doch auch nach diesem historischen ersten Durchgang war die Partie längst nicht entschieden. Italien glich mit einem 25:22 aus, Deutschland schlug mit 25:23 zurück. Nach einem weiteren 22:25 aus deutscher Sicht musste der Tiebreak die Entscheidung bringen. Dort hatten die Italiener beim 15:12 das bessere Ende für sich und feierten nach dreieinhalb Stunden Spielzeit den 3:2-Erfolg.
„Es war wichtig, dass wir den ersten Satz gewonnen haben“, sagte Johannes Tille. „Wenn wir den verlieren, kann es auch gut sein, dass wir hier 0:3 nach Hause gehen. Mental und körperlich war man irgendwann ziemlich fertig. Wir haben deshalb versucht, das über Freude und Lockerheit durchzubringen. Hätten wir ohne Freude gespielt, wäre es einfach nur ein Kampf gewesen. So hat es wenigstens Spaß gemacht, auch wenn wir das Spiel verloren haben.“
Erfolgreichste Punktesammler der deutschen Mannschaft waren am Ende Erik Röhrs mit 20 Punkten, Tobias Krick mit 19, Tobias Brand mit 18 und Anton Brehme mit 16 Zählern.
Viel Zeit zur Regeneration bleibt den DVV-Männern allerdings nicht. Nach dem Rekordspiel ging es erst gegen 1:30 Uhr zum Essen und anschließend ins Bett. Bereits am Donnerstag wartet um 20 Uhr die nächste Partie gegen Kuba. Am Freitag reist die Mannschaft weiter nach Messina, wo am Samstag um 20 Uhr das letzte Spiel des FIPAV Cup Men Elite gegen Brasilien auf dem Programm steht.
„Vier Stunden sind sehr, sehr viel“, sagte Bundestrainer Massimo Botti nach der Partie. „Ich habe noch nie einen Satz wie diesen erlebt. Es war verrückt – eigentlich haben wir heute ein ganzes Spiel in einem Satz gespielt.“ Mit Blick auf die kurze Erholungszeit sei nun vor allem eines wichtig: „Jetzt müssen wir unsere Energie zurückgewinnen. Ich mache mir vor allem Gedanken darüber, wie wir uns für das morgige Spiel regenerieren können.“
Kader DVV-Männer – FIPAV Cup Men Elite:
Leonard Graven, Moritz Reichert, Johannes Tille, Georg Grozer, Anton Brehme, Ruben Schott, Moritz Karlitzek, Tim Peter, Jan Zimmermann, Florian Krage-Brewitz, Tobias Krick, Tobias Brand, Theo Mohwinkel, Simon Torwie, Erik Röhrs.