Volleyball Deutschland trauert um Josef Mosonyi (18.05.1931 bis 30.12.2021)

Josef Mosonyi; Fotos: VLW Josef Mosonyi; Fotos: VLW Der Deutsche Volleyball-Verband und seine Mitglieder trauern um Josef Mosonyi. Für seine langjährigen Verdienste um den Volleyballsport wurde Josef Mosonyi 2011 mit der Ehrennadel Gold mit Brillant von Werner von Molte (damaliger DVV-Präsident) und Martin Walter (damaliger VLW-Präsident) für sein Volleyball Lebenswerk ausgezeichnet. Über 40 Jahren hatte der Württemberger offizielle Ämter im Volleyball-Landesverband Württemberg sowie im DVV inne, baute über 30 Jahre lang den Bereich Leistungssport in einem der leistungsstärksten Landesverbände des DVV auf. Jetzt starb der ehemalige internationale Schiedsrichter (mehr als 200 Einsätze) im Alter von 90 Jahren im Kreise seiner Familie.

Ein Nachruf von Jörg Schwenk:

Unser treues Mitglied Josef Mosonyi hat seinen Lebensweg abgeschlossen. Er ist in den letzten Wochen zunehmend schwächer geworden. Sein ungeheurer Willen, der Niereninsuffizienz aber auch dem Alter zu trotzen, war kurz vor Weihnachten schwach und schwächer geworden. Er durfte im Kreis seiner großen Familie am frühen Morgen des 30.12.2021 einschlafen. Das Unabänderliche macht uns sehr betroffen. Wir trauern mit Ilonka seiner über alles geliebten Ehefrau, seinen Kindern und Enkeln über den Verlust einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Er war vielseitig interessiert und begabt als besorgter Ehemann und Familienvater, als dynamischer ideenreicher Ingenieur, vor allem aber als ehrgeiziger Volleyballer, der mit Herzblut für seinen geliebten Sport da war und unendlich Vieles geleistet hat.

In Ungarn nahe der österreichischen Grenze in eine wohlhabende Kleinadelsfamilie geboren, genoss er eine umfassende Schul- und Hochschulbildung. Er lernte seine Ilonka, mit der er nun 71 Jahre zusammen war, in jungen Jahren kennen. Sie heirateten. Am 14.06.1955 wurde Ilona als erstes ihrer 4 Kinder geboren. Er fand früh zum Volleyball, war ein kräftiger Angriffsspieler mit Ambitionen für Trainer- und Schiedsrichteraufgaben. Als die Budapester Studenten am 23.10.1956 auf die Straße gingen, war er aus vollem Herzen dabei und setzte sich für Freiheiten im kommunistisch-doktrinären Ungarn ein. Beim Ungarnbesuch des Freundeskreises 2004 zeigte er uns, wo er beim Parlamentsgebäude in Budapest mit anderen Studenten demonstriert hat. Bereits am 04.11.1956 wurde der Aufstand niedergeschlagen. Rasch reifte bei Joschka der Entschluss, die kostbare Heimat zu verlassen. Ilonka war einverstanden. Sie machten sich auf den beschwerlichen Weg ins Ungewisse zu einem Bruder im Odenwald. Dort begann der komplizierte Neuanfang quasi bei Null: Bestätigung als Volksdeutscher, Wohnungssuche, Anerkennung des Abiturs- und des Ingenieurs-Diploms, Finden einer Arbeit, Ge-wöhnung an ärmliche Voraussetzungen in fremder Umgebung.

Joschkas Vorwärtsdrängen war Erfolg beschieden. Er schaffte rasch den beruflichen Ein- und Aufstieg und damit die Absicherung der Familie. Beatrix, Peter und Attila kamen hinzu und der neue letztlich dauerhafte Wohnsitz wurde Kornwestheim. Als das familiäre Umfeld überschaubar geordnet war, drängte es ihn zurück zum Volleyball. Er fand 1962 zum BffL Stuttgart, dem Verein von Hilda und Fritz Bauer, wurde ein wichtiger Spieler und begann mit Traineraufgaben. Er sah aber auch, dass er seinem sportlichen Ehrgeiz bei dem insoweit besser gestellten Stutt-garter Turnverein mit höheren Ansprüchen folgen könne. Joschka hatte als einziger Spieler, Trainer und Schiedsrichter in Württemberg höherklassige Erfahrungen. Das verschaffte ihm rasch bestimmenden Einfluss auf die Entwicklung des noch jungen 1962 gegründeten Volleyball-Landesverbandes Württemberg. Der VLW war damals eine sehr kleine Sparte unter den Fittichen des Schwäbischen Turnerbundes mit 15 Vereinen und 20 Mannschaften. Joschka hat im VLW mit großem Einsatz Pioniersaufgaben übernommen und die fachliche Arbeit bestimmt und beeinflusst.

Sein vordringlicher Ehrgeiz galt seinem Stuttgarter TV, der sich bei den Männern in den 60er Jahren bei Deutschen Meisterschaften stets im Bereich des 6. Platzes und bei den Deutschen Turnspielmeisterschaften ganz vorne hielt. Zu seinen Spielern gehörten Klaus Fezer, Wolfgang Nitschke und Jörg Schwenk, alle später in wichtigen VLW-Ämtern. Bis 1983 war der Stuttgarter TV bzw. ab 1974 der tus Stuttgart in der 1. Liga oder weit oben in der 2. Liga platziert. Joschka war mehr als 15 Jahre der verantwortliche Trainer, Manager und Organisator. Er hatte letztlich nicht ausreichend Unterstützung, um sein Team auf Dauer finanziell abzusi-chern. Zudem ließen ihm berufliche Änderungen Anfang der 80er Jahre nicht mehr genug Zeit für die Mannschaft. So musste er schweren Herzens seine Ambitionen bei den Männern zurückstellen, die immer auf die deutsche Spitze ausgerichtet waren. Bei den Frauen des tus Stuttgart gelang mittlerweile ebenfalls der Aufstieg bis zur 1. Liga. Aber auch hier waren es letztlich finanzielle Gründe, die gegen Ende der 80er Jahre zum Ende der Spitzensportbestrebungen führten.

Als es ab 1967 erstmals Landesmittel für den Leistungssport, die Übungsleiterausbildung und für Talentfördergruppen gab, sah er Finanzierungsmöglichkeiten für den Verein aber auch die Chance, Volleyball in Württemberg voranzubringen. Er baute mit Paul Leininger 1967 eine Jugendmannschaft auf, die mit 6 weiteren Mannschaften an der 1. Jugendspielrunde teilnahm. Zur Krönung wurde der Stuttgarter TV 1970 Deutscher Meister der männlichen B-Jugend. 1968 fand das erste Volleyball-Länderspiel in Stuttgart statt (Deutschland- Ungarn Damen 0:3). 1971 gab es erstmals in Stuttgart eine Deutsche A-Jugendmeister-schaft. 1973 betreute er maßgebend das Volleyballturnier beim Deutschen Turnfest in Stuttgart. 1968 bis 1973 sorgte er dafür, dass sich Volleyball auf der größten Freizeitmesse, der „Motor, Sport, Freizeit“, auf dem Stuttgarter Killesberg vor einem breiten Publikum präsentieren konnte. 1975 organisierte er mit großem Erfolg und guter Resonanz eine Vorrunde der Junioren-Europameister-schaften der Jungs. Viele weitere Veranstaltungen folgten.

Hand in Hand mit seinem Engagement für den Verein liefen seine Ämter im VLW. Joschka wurde beim Verband rasch unentbehrlich. Er war von 1965 bis 1969 Schiedsrichterwart, über viele Jahre Schiedsrichterausbilder, von 1967 bis 1971 Lehrwart und ab 1971 Sportwart, ein für ihn geschaffenes und ihm auf den Leib geschnittenes Amt, das er bis zu seinem Ausschei-den 2002 mit größten Erfolgen und eindrucksvoller Wirkung bekleidete. Sein Ehrgeiz ließ zweite Plätze nicht zu. Er wollte an die Spitze. Er organisierte den VLW-Leistungssport mit aller Kraft, förderte Vereine mit guter Nachwuchsarbeit, schaffte die sehr schwierige aber für die Landesförderung zwingend nötige Zusammenarbeit mit den beiden badischen Verbänden und als Krönung 1993 die Bewilligung je einer Landestrainerstelle weiblich (Lichtenauer) und männlich (Mallick) sowie eines Leistungssportbeauftragten. Buchstäblich hunderte erfolgrei-cher Nachwuchsathleten wurden unter seiner Führung zu Nationalspielern oder zumindest zu Leistungsträgern in ihren Mannschaften.

Joschka arbeitete als Netzwerker. Er konnte auf viele gute Beziehungen zurückgreifen. Er tat alles, die Auswahlmannschaften des VLW und der ARGE im bundesdeutschen Konzert ganz oben zu haben. Er sorgte für attraktive Veranstaltungen und starke Trainingspartner seiner Mannschaften. Beziehungen nach Elsass und Lothringen, Trainingsaufenthalte und Spielbe-gegnungen in und mit Tunesien, Austausch mit Israel und lange Jahre die Turniere um den Alpencup hat er organisiert und aufrecht erhalten. Ohne seine starke Hand wäre es auch kaum zu den legendären vorweihnachtlichen Begegnungen zwischen den kubanischen und den deutschen Frauen in den 80er Jahren auf Weltklasseniveau gekommen. Vor allem Sindelfinggen war dafür ein hervorragender Ausrichter und Partner des VLW. Als Krönung gab es 1989 die Endrunde der Europameisterschaften der Frauen in Stuttgart.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass es im Verband keinen gab, der den Gedanken des Leistungssports, der die Stärkung der Vereine durch die Maßnahmen des VLW und auch die individuelle Förderung der einzelnen Spieler mit einem vergleichbaren Nachdruck und Erfolg betrieben hat. In Bestätigung der hohen Bedeutung seines Amts für den VLW aber besonders auch in Anerkennung der Leistungen von Joschka wurde sein Sportwartamt 1988 zum Vizepräsidenten Leistungssport im VLW-Vorstand aufgewertet. Mit Hilfe seiner prägenden und überzeugenden Vorarbeit ist es schließlich 1992 beim 3. Anlauf gelungen, den Leistungssport im Land in der Arbeitsgemeinschaft des Leistungssports Volleyball in Baden-Württemberg zusammenzuführen. Schade, dass er den letzten Schritt zu einem einheitlichen Verband nicht mehr erleben kann, der zwar noch in den Sternen steht aber doch längst unausweichlich und auch kaum noch aufschiebbar ist.

Seine spezielle Leidenschaft galt der Tätigkeit als Schiedsrichter. Seine hohe Auffassungsgabe, sein unbestechliche Beurteilung der komplizierten technischen Spielvorgänge, seine ruhige souveräne Leitung der Spiele und seine natürliche Begabung als Führungspersönlichkeit verschafften ihm großen Respekt und viel Anerkennung. Bereits 1970 erhielt er die internationale Lizenz der FIVB. Als hochgeachteter Schiedsrichter war er von 1970 bis 1987 europaweit eingesetzt. Bei den Olympischen Spielen in München 1972 war Joschka einer der 3 deutschen Schiedsrichter. Am 06.10.1987 fand er höchste Ehrung und Achtung, als ihm eine Begegnung zwischen der Europa-Auswahl der Männer und der Deutschen Nationalmannschaft in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle als Abschiedsspiel übertragen wurde. 8.000 begeisterte Zuschauer, was damals ein Zuschauerrekord in Deutschland war, feierten den überraschenden 3:1 Sieg der Deutschen. Joschka hat in seiner Karriere über 300 internationale Spiele geleitet.

Er machte sich auch im Deutschen Volleyball-Verband rasch einen klingenden Namen mit unüberhörbarer Stimme, vor allem als Schiedsrichter, Trainer und Sportwart. Das brachte ihm ein spezielles DVV-Amt ein. Er hat die unendlich lange Zeit von 1975 bis 2009 als Mitglied des Ehrenrats gewirkt und vor allem in den letzten 15 Jahren dessen Zusammenwirken gesteuert sowie die Ehrungsvorschläge geprägt.

Für Joschka war es stets ein Herzensanliegen, seine Volleyballfreunde und alle Gleichgesinnten nicht nur im VLW um sich zu haben. Er hat daher auf die Gründung eines Freundeskreises hingewirkt, die 2002 mit Joschka als Gründungsmitglied erfolgte. Er hat dem Vorstand des Vereins der Freunde des Volleyballs in Württemberg von 2002 bis 2021 angehört, viel zum Gelingen der Mitgliederreisen sowie -stammtische beigetragen und vor allem großen Einfluss auf die jährliche Auswahl der Jugendtrainer des Jahres genommen. Er hat diesem Verein bis vor kurzem gedient und war ihm eng verbunden.

Nach seinem Ausscheiden aus dem VLW-Vorstand war Joschka von 2004 bis zuletzt Mitglied des Ehrenrats, ein Amt, das er mit großer Leidenschaft, umfassendem Wissen und viel Gespür für die Ehrungsprozeduren ausfüllte. Nicht zuletzt seine Tätigkeiten im Freundeskreis und im Ehrenrat zeigen mit wieviel Begeisterung und mit welcher Anhänglichkeit er dem Volleyball-sport in Württemberg verbunden und verpflichtet war. Er ist uns allen ein großes Vorbild, ein Vorbild allerdings, das kaum jemals wieder erreichbare Maßstäbe gesetzt hat.

Joschkas langjährige engagierte und segensreiche Arbeit für den Volleyballsport wurde ihm durch zahlreiche Ehrungen gedankt. Bereits 1986 wurde er mit dem Ehrenring des VLW ausgezeichnet. 1997 wurde ihm die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 1998 wurde er zum Ehrenmitglied des VLW ernannt, dessen unermüdlicher Begleiter er bis zuletzt geblieben ist. 2011 wurde ihm vom Deutschen Volleyball-Verband die neu geschaffene Ehrung der Verdienstnadel in Gold mit Brillanten angeheftet. Schließlich wurde er im Herbst 2021 zum Ehrenmitglied des Freundeskreises des württembergischen Volleyballs ernannt.

Josi hat sich über Jahrzehnte in vorbildlicher Weise für Volleyball stark gemacht. Seine geliebte Ilonka sagte einmal über ihn „Was sage ich: Ein Verrückter oder?“.

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