Borger/Sude verlieren Endspiel und scheiden nach der Gruppenphase aus

Foto FIVB: Borger/Sude haben den Einzug in die nächste Runde verpasst. Foto FIVB: Borger/Sude haben den Einzug in die nächste Runde verpasst. Karla Borger/Julia Sude haben auch ihr drittes Gruppenspiel bei den Olympischen Spielen in Tokio verloren. Gegen die Niederländerinnen Katja Stam/Raïsa Schoon mussten sie sich mit 0:2 (22-24, 16-21) geschlagen geben und scheiden damit ohne Sieg nach der Gruppenphase aus.

+++ Vorrunde Spiel 3 +++

Die Ausgangssituation für das letzte Gruppenspiel hatte Finalcharakter, denn nur die Siegerinnen würden im Turnier bleiben, die Verliererinnen die Koffer packen. Und den besseren Start erwischten die jungen Niederländerinnen und Wetranglisten-41., die mit dem starken Wind auf dem Center Court besser zurechtkamen und viel Druck im Aufschlag erzeugten. Auf der anderen Seite hatten Borger/Sude aufgrund des Windes vor allem im Zuspiel große Probleme und gerieten schnell mit 5-9 in Rückstand.

Fünf Satzbälle abgewehrt

Erst mit zunehmender Spieldauer konnte sich das DVV-Duo den Bedingungen nach und nach anpassen. Zwei Asse in Folge von Julia Sude stellten den Anschluss zum 14-15 her. In dieser Phase war es Stam, die ihre 1,92m am Netz nutzte und mit einem Block den Vorsprung von drei Punkten wieder herstellte (15-18).

Bitter: In der Crunchtime schenkten Borger/Sude ihren Gegnerinnen mit drei Fehlaufschlägen in Folge zu einfach Punkte und hielten diese so auf Kurs (17-20). Nach gleich drei abgewehrten Satzbällen zeigten sich beide Duos in der Endphase des Satzes sicher im Side-Out. Mit dem besseren Ende für die Niederlande beim insgesamt sechsten Satzball, als Sude nach schlechter Annahme aus ungünstiger Position angreifen musste und dabei einen Fehler machte (22-24).

Führung reicht nicht zum Ausgleich

Satz zwei verlief bis zum Stand von 11-11 ausgeglichen. Ein druckvoller Aufschlag des deutschen Duos sowie technische Fehler ihrer Gegnerinnen machten erstmals eine Führung von drei Punkten perfekt (14-11) und hielten den Olympia-Traum am Leben. Ein Vorsprung, der allerdings nicht reichen sollte. Das niederländische Duo ließ sich davon nicht beeindrucken und erhöhte prompt wieder den Druck im Aufschlag.

Stam, die auf insgesamt sechs Blocks kommen sollte, packe in dieser Phase am Netz gleich zweimal zu und brachte ihr Team erneut in Führung (15-18). Die Chance auf das deutsche Weiterkommen beendete schlussendlich Schoon mit einem Ass zum 16-21 aus deutscher Sicht.

„Mehr Arsch in der Hose“

Enttäuscht hielt Julia Sude nach dem Spiel fest: „Wir hatten eine starke Gruppe, haben dreimal verloren, daher ist es mega enttäuschend, dass wir nicht ein Spiel gewinnen konnten. Wir wussten, dass es in der K.o.-Runde erst richtig los geht, dafür mussten wir die Gruppe überleben, was wir leider nicht geschafft haben.“

Karla Borger sah im Mut der jungen Niederländerinnen einen Schlüssel: „Wir haben es in den entscheidenden Situationen mit dem Wind nicht gut gemacht, ob das jetzt Glück war oder nicht, das weiß ich nicht. Oft hatte ich das Gefühl, dass ein Pass gut gestellt war, was aber nicht der Fall war. Dies ging ihnen sicherlich nicht anders, aber sie hatten in den entscheidenden Phasen einfach mehr Arsch in der Hose und im Aufschlag ordentlich gearbeitet.“

Detaillierte Analyse vornehmen

Beach-Volleyball Sportdirektor Niclas Hildebrand ergänzte: „Es war die erwartet schwere Gruppe mit drei guten gegnerischen Teams. Leider haben Karla und Julia es nicht geschafft, ihr Spiel zu stabilisieren. Die Eigenfehlerquote war insgesamt zu hoch. Die Enttäuschung über das Ausscheiden nach der Gruppenphase ist groß. Wir werden mit etwas Abstand eine detaillierte Analyse vornehmen.“

Foto FIVB: Auch im zweiten Spiel mussten sich Borger/Sude geschlagen geben. Foto FIVB: Auch im zweiten Spiel mussten sich Borger/Sude geschlagen geben.

+++ Vorrunde Spiel 2: Borger/Sude vs. Pavan/Melissa (CAN) 0:2 (17-21, 14-21) +++

Ein schwierigeres Los hätte man wohl kaum erwischen können. Nach den Europameisterinnen warteten gleich die Weltmeisterinnen auf Borger/Sude. Trotz einer bis dahin negativen Bilanz von 1:4-Siegen waren die Hoffnungen auf einen deutschen Sieg vorhanden, nachdem Borger/Sude das letzte Duell beider Teams im April mit 2:0 für sich entscheiden konnten.

Zu Beginn des Matches konnten sie an diese Leistung auch anknüpfen. Konsequent spielten sie über die 1,96m große Blockspielerin Pavan, die in der Annahme und dem Angriff immer wieder Fehler machte. So auch vermeintlich bei einem Angriff beim Stand von 15:13 aus deutscher Sicht, der Borger/Sude kurzzeitig in einem Vorsprung von drei Punkten (16:13) wähnte. Die Kanadierinnen nahmen aber die Challenge, die wiederum zeigte, dass der Ball die Linie hauchdünn touchierte und aus dem 16:13 ein 15:14 wurde. 

"Die Änderung nach der Challenge im ersten Satz war nicht der Knackpunkt, das kennen wir und meistens hat man direkt im Gefühl, ob die Challenge erfolgreich sein wird oder nicht, das war in dem Moment nicht ausschlaggebend", sagte Julia Sude nach der Partie. Dennoch schien dieser Moment dem kanadischen Duo das bis dahin fehlende Selbstvertrauen eingeimpft zu haben. 

Beim Stand von 17:17 gelang ihnen mit einem Netzroller-Ass die Führung, gefolgt von zwei Blockpunkten durch Pavan und einem Fehler im deutschen Angriff, der aus dem eigentlich guten Start von Borger/Sude eine 17-21 Niederlage machte. Satz zwei startete gleich mit einem 3:6-Rückstand. Pavan, die weiterhin konsequent angespielt wurde, hatte ihre Form mittlerweile gefunden und war im Angriff kaum zu stoppen.

Hinzu kamen ihr dominantes Blockspiel, mit dem sie heute gleich sieben Punkte erzielte. So auch zum 10:16 aus Sicht des deutschen Teams. Die Vorentscheidung auf dem Weg zum zweiten Sieg der Weltmeisterinnen, während Borger/Sude weiterhin auf den ersten Sieg warten müssen, diesen aber am Donnerstag unbedingt brauchen, um noch in der K.o.-Runde der olympischen Spiele angreifen zu können.

„Insgesamt würde ich sagen, dass wir auf dem Center Court angekommen sind. Jetzt müssen wir die Leistung noch konstanter durchhalten, dann wird es auch für den ersten Sieg reichen. Für das nächste Spiel müssen wir das Gefühl vom Beginn mitnehmen, da waren wir sehr präsent. Wenn wir das konstanter durchhalten und die Niederländerinnen mit unserem Aufschlag unter Druck setzen, sind wir sehr positiv gestimmt“, analysierte Sude.

Borger ergänzte: „Wir hatten nicht im Kopf, dass sie die Weltmeisterinnen sind. In Mexiko konnten wir gegen sie ein sehr gutes Spiel zeigen. Sie sind sehr konstant und ein gutes Team, die Niederlage lag aber an uns.“

Foto FIVB: Borger/Sude erlebten im ersten Spiel eine Achterbahnfahrt. Foto FIVB: Borger/Sude erlebten im ersten Spiel eine Achterbahnfahrt.

+++ Vorrunde Spiel 1: Borger/Sude vs. Heidrich/Vergé-Dépré (SUI) 1:2 (8-21, 23-21, 6-15) +++

Ein Start, der weh tat

Was für eine Berg- und Talfahrt für Borger/Sude in Spiel eins: Gleich im ersten Satz sah es nach einer klaren Niederlage aus. Die Schweizerinnen erzeugten viel Druck im Aufschlag und wirbelte die Annahme des deutschen Teams durcheinander. Ergebnis waren gerade einmal acht Punkte auf der deutschen Seite des Scoreboards.

„So richtig weiß ich nicht, woran es gelegen hat. Erster Satz heißt erst einmal nichts, daher war ich positiv gestimmt, dass wir die hässlichen Bälle alle erst erleben müssen. Das ist in dem Moment auch eingetreten“, versuchte Borge den Beginn zu erklären.

Starkes Comeback

Nach einer Niederlage sah es auch zum Ende des zweiten Durchgangs aus. Heidrich/Vergé-Dépré hatten beim Stand von 18:20 aus deutscher Sicht bereits Matchbälle, konnten aber auch aus ihrem Sideout heraus nicht punkten, während das DVV-Duo den Verlauf mit starken Abwehraktionen drehte und den Satz noch mit 23:21 gewann.

"Wichtig war, dass wir den zweiten Satz drehen konnten. Danach war ich positiv gestimmt, dass wir im dritten Durchgang Gas geben“, beschrieb Borger ihrer Gefühlswelt, die sich als trügerisch herausstellte.

„Von unserem Potenzial weit entfernt“

Denn trotz des wichtigen mentalen Erfolges war der Start im Tiebreak nicht besser. Nach einem 0:4-Rückstand keimte nach einem 2:4 noch einmal leise Hoffnung auf. Erneut waren es aber die starken Aufschläge von Heidrich/Vergé-Dépré und eine schlechte Annahme von Borger/Sude, die eine erneute Wende zunichtemachten. Die Europameisterinnen zogen auf 14:6 davon und nutzten gleich den ersten Matchball zum Sieg.

Nach der Partie erklärte Sude: „Wenn man so reinkommt, ist es schwierig überhaupt einen Spielrhythmus zu finden. Sie haben uns mit ihren Aufschlägen ziemlich unter Druck gesetzt. Wir haben versucht, positiv zu bleiben und kennen unsere Qualitäten. Von unserem Potenzial und sie zu schlagen, waren wir heute weit entfernt“, sagte sie und blickte voraus auf ihre zweite Partie.

„Jetzt gilt es, dass wir runterkommen und es in Ruhe analysieren. Im nächsten Spiel gegen die Weltmeisterinnen müssen wir noch eine Schippe drauflegen.“

TV- und Streaming-Übersicht. Streams sind mit dem direkten Link (rote Markierung) hinterlegt

Datum und Zeit (GER-Zeit) Deutschland Gegner TV/Stream
Do, 29. Juli, 08:00 Uhr Borger/Sude Stam/Schoon (NED) Free-TV ARD / ARD / ZDF
Sa, 31. Juli, 04:00 Uhr Thole/Wickler Gottsu/Shiratori (JPN) Free-TV ARD / ARD / ZDF
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