
Die halbe Nacht wurde zum Tag gemacht, die erstmalige Olympia-Qualifikation einer deutschen Männer-Nationalmannschaft nach 36 Jahren von den deutschen Spielern und Betreuern in der Düsseldorfer Altstadt bis 3.00 Uhr morgens gefeiert. Geburtstagskind Ralph Bergmann bekam um Mitternacht einen „Snickers-Kuchen“ und ein Ständchen, am Montag Vormittag fuhren die Spieler in ihre Heimatorte.
Foto Conny Kurth: Drei der Garanten für das Olympia-Ticket (von vorne): Marcus Popp, Ralph Bergmann und Jochen Schöps.
Zuvor hatten sich im ISS Dome unbeschreibliche Szenen abgespielt. Nachdem das deutsche Team den 3:2-Sieg gegen Europameister Spanier perfekt und das Peking-Ticket gelöst hatte, brachen alle Dämme: Der 19-jährige Libero Markus Steuewald schluchzte wie ein Schlosshund („Ich glaube, ich habe noch nie soviel geheult“), aber auch Routinier Ralph Bergmann, der am heutigen 26. Mai seinen 38. Geburtstag feiert, schossen die Glückstränen ins Gesicht. Marcus Popp stammelte nur, „so etwas habe ich noch nicht erlebt“, in die Runde, der Rest ging in Jubel, Trubel und Heiterkeit unter.
Direkt nach dem Matchball musste Bundestrainer Stelian Moculescu in eine Ruhezone geführt werden: Den Bundestrainer hatten die Gefühle übermannt, von einem Betreuer gestützt, ging der „Maestro“ zum Luft holen. Auch in der offiziellen Pressekonferenz merkte man dem jetzt zweifachen Olympia-Teilnehmer (1972 als Spieler, 2008 als Trainer) Moculescu an, wie sehr ihm dieser Erfolg zu Herzen ging und mit Tränen erstickter Stimme meinte er: „Es ist sehr schwer, etwas zu sagen. Es war ein sehr langer Weg über neun Jahre. Ich danke, dass mir die Jungs in dieser Zeit gefolgt sind, ich meine immer, wenn man gut arbeitet, hat man Erfolg. Ich danke dem Herrgott, dass er eine Einsicht hatte, weil die Jungs es einfach verdient haben. Für die Jungs freue ich mich gewaltig.“
Einig waren sich alle Beteiligten über den Austragungsort: „Ich danke der Stadt Düsseldorf und dem DVV, dass sie uns diese Chance gegeben haben, in Deutschland zu spielen. Das Turnier war sehr gut organisiert, die Zuschauer haben die Mannschaft beflügelt“, so der Bundestrainer.
Die Jubelfeier wurde zunächst mit einem Essen gestartet, anschließend ging es noch in eine Bar, wo es einige Cocktails gab. Ausschweifend wurde es jedoch nicht, „bei allen herrschte riesige Leere, wir waren alle platt“, so Stefan Hübner. Diagonalangreifer Christian Pampel, sonst nicht gerade bekannt für emotionale Ausbrüche, legte unter dem Jubel seiner Mitspieler eine Breakdance-Einlage mit Zigarre (Pampel hatte den Kubanern eine Schachtel Cohibas abgekauft) hin.
Der Plan sieht nun vor, dass die Mannschaft drei Wochen Pause erhält und sich am 16. Juni wieder trifft. Es folgen die ersten Runden in der European League, die allerdings von einer „B-Mannschaft“, die auch die im nächsten Jahr stattfindende Universiade spielen soll, absolviert werden. Die Sieger von Düsseldorf sollen ihr Können beim Heim-Turnier in Trier (4.-6. Juli) zeigen. In der Zwischenzeit wird die unmittelbare Peking-Vorbereitung in Angriff genommen und vorbereitet, so müssen für den Juli Länderspiel-Gegner und –Orte gefunden werden. Keine leichte Aufgabe, da parallel die Weltliga läuft. Der Abflug nach Peking soll – Stand heute – am 2. August erfolgen.

Foto Conny Kurth: Die Stärke der deutschen Mannschaft, das Team.
Folgende Spieler waren bei der Olympia-Qualifikation im Einsatz und trugen zum historischen Moment bei
Marcus Popp: Spielte ein bärenstarkes Turnier und glänzte vor allem gegen Kuba in Annahme und Angriff. Mit seiner Power riss er die Mitspieler mit.
Markus Steuerwald: Der Jüngste im Team zeigte im Spiel gegen Spanien seine beste Länderspielleistung im Nationaltrikot. Mit tollen Reflexen hielt er viele Bälle im Spiel.
Simon Tischer: Stand in allen drei Partien in der Stammformation, fand jedoch nicht so richtig zu seinem Spiel.
Björn Andrae: Der Kapitän agierte wie ein Leader. Übernahm in kritischen Momenten Verantwortung und zeigte Emotionen wie noch nie.
Mark Siebeck: Der „Aufschlagspezialist“ wurde nahezu in jedem Satz eingewechselt und setzte die gegnerischen Annahmeriegel stets unter Druck.
Marcus Böhme: Machte im Match gegen Taiwan gute zehn Punkte. Gegen Kuba begann er, wurde dann aber gegen den erfahrenen Bergmann ausgewechselt.
Stefan Hübner: Biss mit seinem Muskelfaseriss in der Wade auf die Zähne und zeigte in Block und Angriff seine enorme Bedeutung für das Team.
Jochen Schöps: Der Punktegarant. War punktbester Spieler des Turniers, wenn Dehne/Tischer nicht wussten wohin, dann war er der erste Adressat.
Frank Dehne: Der Rückkehrer kam stets von der Bank und zeigte seine enorme Kreativität und Spielfreude. Hatte großen Anteil am Erfolg.
Christian Pampel: Der „Edeljoker“ für Block und Aufschlag. Machte per Angriff gegen Kuba das vorentscheidende 13-11.
Ralph Bergmann: Im Herbst seiner Karriere zeigte der Routinier, dass er weiterhin zu den weltbesten Mittelblockern gehört. Zudem fungierte er als „Einpeitscher“ für Team und Publikum.
Robert Kromm: Von einer Magen- und Darmkrankheit geschwächt, zeigte er in seinen Kurzeinsätzen überragende Aktionen. Seine Aufschläge gegen Kuba brachten die Wende
Das Turnier in Düsseldorf