Interview der Woche: Beach-Weltmeister Julius Brink: „Wir haben noch Potenzial“

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Foto Red Bull: Wollen auch 2010 angreifen und erfolgreich sein: Die Weltmeister Julius Brink (links) und Jonas Reckermann.

Er avancierte gleich im ersten gemeinsamen Jahr mit seinem kongenialen Partner Jonas Reckermann zum weltweit besten Beach-Volleyball Duo und eilte von Erfolg zu Erfolg: Julius Brink, nach dem TV-Sandmännchen und gemeinsam mit Reckermann, zweitbekanntester Sandexport aus Deutschland erreichte mit dem WM-Titel, Weltranglistenplatz eins und dem Weltrekord an hintereinander gewonnen Spielen (25) auf der World Tour viel mehr als er selber erwartet hatte. Knapp eine Woche vor dem Saisonstart in Brasilia/Brasilien äußert sich Brink im „Interview der Woche“ zu den Zielen für 2010, zur Konkurrenz und ob er in der nächsten Saison in der 1. Bundesliga (Halle!) spielt.

Das sensationelle Jahr 2009 ist passé, wie sieht es Weltmeister Julius Brink mit einigem Abstand?
Brink: „2009 war das mit Abstand erfolgreichste Jahr in meiner Karriere. Mit etwas Abstand macht es mich stolz, solch tolle Erfolge eingefahren zu haben und dem deutschen Beach-Volleyball wieder einen "Push" gegeben zu haben. Wir haben Großartiges geleistet, dies zu wiederholen, wird fast unmöglich sein.“

Nach den tollen sportlichen Erfolgen folgten die Ehrungen und das Defilieren auf diversen Anlässen. Auch ganz nett, oder?
Brink: „Sicherlich. Ich trage gerne Anzug und schicke Schuhe. Zudem trifft man auf diesen Anlässen immer wieder sehr interessante Menschen. Dennoch würde ich jedes Bankettessen jederzeit gegen Currywurst mit Pommes bei Wurstmaxe in Leverkusen eintauschen.“

Haben sich die Erfolge auch wirtschaftlich niedergeschlagen?
Brink: „Sicherlich haben wir international sehr gut verdient, wobei die Preisgelder von Global Sports Marketing (zuständige Agentur für die europäische Beachserie) aus dem Jahre 2009 noch nicht gezahlt wurden. Wir konnten zwei weitere Sponsoren gewinnen und mit in unser Boot holen, dies hilft uns, unseren Weg in Richtung London weiter beschreiten zu können. Ich denke aber auch, dass sich auf der nationalen smart beach tour einige neue Sponsoren in diesem Jahr präsentieren werden.“

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Foto Red Bull: "Pumpen" für 2010: Julius Brink (liegend) und Jonas Reckermann bei der Kraftarbeit.

Kommen wir zum Sportlichen: Besser als 2009 kann es nicht werden. Haben Sie Angst vor dem Jahr und den Erwartungen danach?
Brink: „Angst hatte ich vor der Spinne, die ich gestern bei mir im Wohnzimmer erschlagen habe. Wieso sollte ich Angst vor etwas haben? Wir haben gezeigt, dass wir jedes Team der Welt schlagen können. In 2010 geht alles wieder von vorne los, und ich bin heiß auf neue Erfolge.“

Glauben Sie, dass die Gegner nun doppelt motiviert in die Partien gegen Brink/Reckermann gehen?
Brink: „Wenn ich gegen mich selbst spielen müsste, wäre ich bis in die Haarspitzen motiviert.“

Wie haben Sie sich vorbereitet und wann begann das Ackern? Gründe etwas zu ändern, bestanden ja eigentlich nicht?
Brink: „Doch, wir haben unsere Saisonleistung, die nicht in jedem Spiel weltmeisterlich war, kritisch reflektiert und analysiert. Jonas und ich haben uns eine langfristige Entwicklung als Ziel gesetzt. Wir wollen 2012 auf dem Höhepunkt unserer Leistungsfähigkeit sein, die WM kam uns da eher in die Quere (lacht). Wir haben noch Potenzial.“

Verlief die Vorbereitungsphase ohne Verletzungen?
Brink: „Ja, ohne größere Verletzungen. Im letzten Jahr hat mich eine Entzündung der Achillessehne ein paar Wochen gekostet, das war ärgerlich. Die Vorbereitung war okay, wir haben hart gearbeitet und ich denke, dass wir uns auch verbessert haben.“

In der Vorbereitung absolvierten Sie ein außergewöhnliches Training im Salzbergwerg Merkers 850 Meter unter Tage. Was war es für ein Erlebnis, als Freiluftsportler in einer so bedrückenden Enge seiner Tätigkeit nachzugehen?
Brink: „Ein völlig abgefahrenes Gefühl. Es war aber auch überhaupt nicht bedrückend, ganz im Gegenteil. Das Bergwerk ist sehr weitläufig, und wir werden dort nicht zum letzten Mal Beach-Volleyball gespielt haben. Ich kann nur jedem empfehlen dort mal runter zu fahren. Einfach irre...“

Ein Credo von Brink/Reckermann ist es, immer neue Trainingsreize zu setzen. Bringt dies etwas oder war das eher ein PR-Gag?
Brink: „Wir haben dort unten zwei Trainingseinheiten absolviert. Mit allem Drum und Dran. Schweiß ist auch geflossen und sogar Blut… Sicherlich fahren wir jetzt nicht immer nach Merkers, um unter Tage zu trainieren, aber ein PR-Gag war das auf gar keinen Fall.“

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Foto Red Bull: Skurille Kulisse, tolle Bilder: Die Weltmeister 850 Meter unter Tage bei der Arbeit.

Die Konkurrenz dürfte spannend wie nie sein: Die Olympiasieger Rogers/Dalhausser (USA) wollen angreifen, zudem sind die brasilianischen Teams wild durcheinander gewürfelt worden. Was erwarten Sie von der Konkurrenz, wen schätzen Sie als besonders stark ein?
Brink: „Ich denke, dass Rogers/Dalhausser (USA), Emanuel/Alison (BRA), Herrera/Gavira (ESP), Nummerdor/Schuil (NED), David/Eric (Klemperer/Koreng) und wir um die „Weltherrschaft“ kämpfen werden. Viele Teams wie die Polen und Russen haben noch viel Potenzial, und es wird spannend zu sehen sein, wie schnell sie sich entwickeln.“

Was sind die Ziele auf der World Tour 2010?
Brink: „Wir wollen Titel gewinnen.“

2010 findet leider keine europäische Tour statt. Wie ordnen Sie als Spieler die Absage der zweiten internationalen Tour ein?
Brink: „Ich finde es sehr schade, dass die European Beach Tour in diesem Jahr nicht stattfindet, und dies schwächt uns Spieler enorm, weil uns die Wettkampfhärte zu Saisonbeginn gegenüber den Teams aus Brasilien und USA fehlen wird. Gerade für den deutschen Beach-Volleyball finde ich es schade, hatten wir es doch gerade geschafft, durch die zahlreichen Erfolge der deutschen Beach-Volleyballteams viel positive PR zu erzeugen...“

Glücklicherweise steigt der Höhepunkt, die EM in Berlin (11. bis 15. August), trotz aller Widrigkeiten. Wie beurteilen Sie als deutscher Weltmeister dieses Turnier?
Brink: „Ich freue mich sehr, dass die EM gesichert ist. Vor allem, dass die Berliner Fans wieder Beach-Volleyball vom Feinsten erleben werden, freut mich sehr. Nun liegt es an GSM und der CEV (Europäischer Volleyball-Verband, Anm. d. Red.), durch eine Auszahlung der Preisgelder aus 2009 auch sicherzustellen, dass alle Teams, auf die sich alle Fans so freuen, dort auch antreten werden.“

Die Absage der Europa-Tour könnte das Glück der nationalen smart beach tour sein. Können sich die deutschen Ausrichter und Fans auf vermehrte Auftritte der Weltmeister, Weltranglisten-1. und Weltrekordler freuen?
Brink: „Derzeit planen wir in Frankfurt, Hamburg und Timmendorfer Strand an den Start zu gehen.“

Freuen konnten sich zuletzt auch die Besucher der Heimspiele von Hallen-Zweitligist TSV Bayer 04 Leverkusen. Beach-Weltmeister Julius Brink stand ein paar Mal im Kader und darf sich nun auch in der Halle „Meister“ nennen. Wie fühlte sich der harte Bodenbelag an?
Brink: „Hart, aber es hat mit gut getan dort mitzumachen, und ich finde dort eine tolle Mannschaft vor.“

Und tritt Brink im nächsten Jahr gar in der 1. Bundesliga an?
Brink: „Nein, definitiv nicht. Die 1. Bundesliga ist nicht mein Ziel.“

Die ungewöhnlichen Trainingseinheiten von Julius Brink/Jonas Reckermann unter Tage sind in einer 12 Minuten Reportage mit dem Titel „Red Bull Höllentraining: Hot & Salty“ am Samstag, 17. April um 22.55 Uhr bei Servus-TV zu sehen.

So bekommt man Servus-TV

Einen ersten Eindruck vom Film kann man sich auf der Red Bull-Homepage machen

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Hinweis: Dies ist ein aktueller Bericht vom 16.04.2010!



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