World League: 3:2 nach 0:2 – Großer Kampf wird belohnt

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Foto FIVB: Der große Kampf gegen Argentinien wird belohnt.

Mit einer kämpferischen Glanzleistung haben die deutschen Volleyballer ihren dritten Sieg im vierten Spiel in der World League perfekt gemacht. Nach 0:2-Satzrückstand triumphierte das Team von Bundestrainer Vital Heynen in Salta nach Mitternacht noch mit 3:2 (20:25, 20:25, 25:20, 25:16, 15:13) gegen Gastgeber Argentinien. Dabei wurde im entscheidenden Tiebreak ein 6:10-Rückstand noch aufgeholt. Am Samstag hatte es noch eine 0:3-Niederlage gegen den gleichen Gegner gegeben.

Punktbeste Spieler waren Christian Fromm (17) und Denis Kaliberda (16) bei Deutschland und Facundo Conte (22) bei den Gastgebern. Deutschland ist damit in Gruppe D mit sieben Zählern Tabellenzweiter hinter Frankreich (11), das zweimal klar mit 3:0 gegen Japan triumphierte. Nur der Gruppensieger qualifiziert sich für die Endrunde der Pools C bis E vom Mitte Juli in Sydney.

Bereits am Montagfrüh Ortszeit tritt das deutsche Team die fast eintägige Rückreise nach Stuttgart an. Dort steht dann am kommenden Samstag und Sonntag in der World League das Gipfeltreffen gegen den nach vier Spielen noch ungeschlagenen Gruppen-Spitzenreiter Frankreich an. In der Porsche Arena sind dann im Doppelpack auch die deutschen Frauen live zu erleben, die nach ihrem historischen ersten Triumph beim Internationalen Turnier in Montreux in die European League starten.

Startformation Deutschland: Lukas Kampa, Simon Hirsch, Michael Andrei, Philipp Collin, Denis Kaliberda, Christian Fromm, Markus Steuerwald

Startformation Argentinien: De Cecco, Quiroga, Filardi, Porporatto, Ramos, Conte, Garroq

„Wir müssen diesmal unsere Chancen nutzen – dann ist alles möglich“, hatte Bundestrainer Vital Heynen vor dem Spiel noch voller Hoffnung gesagt. Zur ungewöhnlich späten Anfangszeit um 22 Uhr setzte er im Gegensatz zum 0:3 am Vortag auf die Leistungsträger Denis Kaliberda und Lukas Kampa. Beiden merkte man die Spielpause zunächst an – und auch der Rest des ersatzgeschwächten deutschen Teams konnte vor etwa 2000 Zuschauern in den ersten beiden Sätzen nur phasenweise mit den Gastgebern mithalten.

Erst im dritten Durchgang wachte das deutsche Team auch dank einer personellen Umstellung auf – Christian Fromm rückte auf die Diagonalposition – auf. Mit großem Kampfgeist wurde das Spiel umgebogen. Als Belohnung gab es gegen 1 Uhr nachts Steak und ein Bier.

Von den acht deutschen Topspielern, die die lange Reise nach Argentinien nicht angetreten hatten, aber beim Saisonhöhepunkt Weltmeisterschaft (31. August bis 21. September in Polen) dabei sein könnten, kehren vier höchstwahrscheinlich am kommenden Wochenende ins deutsche Team zurück. Bei den Duellen gegen Frankreich in Stuttgart werden Jochen Schöps, Marcus Böhme, Tim Broshog und Sebastian Tille wohl wieder dabei sein.

Ausführlicher Spielbericht

1. Satz
Gegenüber der 0:3-Niederlage im ersten Spiel gab es zwei Veränderungen in der deutschen Startformation. Bundestrainer Heynen setzte von Beginn auf Denis Kaliberda, der seine Wadenprobleme überwunden hat. Auch Zuspieler Lukas Kampa kam zum Einsatz, zum Schutz war sein linker Daumen mit einer weißen Schiene getapt. Zudem hatte sich Mittelblocker Philipp Collin nach der Niederlage seinen Rauschebart abrasiert – und wirkte somit ebenfalls wie ein neuer Spieler. Deutschland ging zunächst in Führung, dann jedoch übernahmen die Gastgeber das Kommando. Es war sichtlich mehr Selbstbewusstsein nach dem ersten Erfolg gegen den Angstgegner nach zuvor neun Pleiten in Folge im Spiel. Mit starken Aufschlägen wurde das deutsche Team unter Druck gesetzt, das im Angriff zudem kein Mittel gegen den argentinischen Block fand. Beim 2:5 nahm Heynen bereits die erste Auszeit, beim Stand von 5:9 gab es den ersten Wechsel: Marvin Prolingheuer für Simon Hirsch. Das änderte aber nichts - Deutschland schwächelte in der Annahme, leistete sich wieder zu viele Aufschlagfehler. Zudem blieb vor allem Christian Fromm immer wieder im Block. So war Satz 1 eine klare Angelegenheit für Argentinien.

2. Satz
Im zweiten Durchgang erwischte das deutsche Team den besseren Start. Gefährlichere Aufschläge brachten die Argentinier in Bedrängnis, Lukas Kampa versuchte, häufiger Schnellangriffe zu inszenieren. So ging die DVV-Auswahl 9:6 in Führung. Die Argentinier kamen jedoch wieder heran und zogen vorbei – weil sie vor allem im Block ganz deutliche Vorteile gegen das deutsche Team hatten. Im Angriff zeigte sich, dass Denis Kaliberda logischerweise noch weit von seiner Bestform entfernt ist und es deutliche Probleme auf der Diagonalposition gab. Vital Heynen warf wieder die Wechselmaschine an, aber das brachte keine Besserung. Argentinien um seinen überragenden Angreifer Facundo Condo zog gegen Satzende auf und davon.

3. Satz
Vital Heynen hat sich der zehnminütigen Pause nach dem zweiten Satz noch einmal etwas Neues überlegt. Er stellte um – Christian Fromm rückte auf die Diagonalposition. Dirk Westphal stand ebenfalls in der Startformation. Das brachte frischen Wind ins deutsche Spiel – und verwirrte das Team um Startrainer Julio Velasco. Sowohl Fromm als auch Westphal konnten jetzt häufiger punkten. Vor allem aber biss sich das deutsche Team gegen die abwehrstarken Argentinier so richtig ins Spiel herein. Ein Ein-Mann-Block des stärker werdenden Denis Kaliberda bedeutete beim 20:16 eine Vier-Punkte-Führung. Zwar zitterte das deutsche Team noch einmal und die argentinische Abwehr holte selbst unmöglichste Bälle – Kaliberda machte jedoch den ersten Satzgewinn in Argentinien perfekt.

4. Satz
Den Schwung nahm die DVV-Auswahl mit. Die Körpersprache war jetzt eine andere – und das zeigte bei den Gastgebern Wirkung. Die leisteten sich jetzt den einen oder anderen Fehler in Aufschlag und Angriff mehr. Beim Stand von 3:6 nahm Velasco bereits die erste Auszeit. Doch die Gäste ließen sich nicht beirren – auch vom Pfeifkonzert der Zuschauer bei den Aufschlägen. Lukas Kampa, der jetzt auch häufiger erfolgreiche Schnellangriffe einleitete, und Denis Kaliberda waren jetzt bester Spiellaune und mit ihnen das gesamte Team. Jetzt dominierten die Männer in den weißen Trikots, die am Vortag noch in Schwarz gespielt hatten – und schafften völlig verdient den Ausgleich.

5.Satz
Es war Mitternacht und das deutsche Team begann in der gleichen Formation wie in den beiden Sätzen zuvor. Allerdings fanden die frenetisch angefeuerten Gastgeber jetzt zu alter Kampfstärke zurück. Aus der deutschen 3:2-Führung wurde ein 3:5. Vital Heynen nahm eine Auszeit, doch sein Team geriet 5:9 in Rückstand. Dann bäumten sich die DVV- Männer noch einmal auf. Ein Block von Fromm brachte die Mannschaft beim 10:11 wieder auf einen Punkt heran, Kaliberda schaffte beim 12:12 den Ausgleich. Beim Stand von 13:13 schlägt Fromm mit vollem Risiko ein Ass und beschert Deutschland den ersten Matchball. Collin machte mit einem Block den Sieg perfekt. So hatte sich seine Bart-Ab-Aktion am Ende doch gelohnt...

Spielfilm
1. Satz: 1-0, 2-2, 2-5, 4-8, 5-9 (Prolingheuer für Hirsch), 8-14, 11-16, 15-19 (Höhne für Fromm), 16-21 (Fromm zurück), 19-24
2. Satz: 1-0, 3-2, 7-5, 9-6, 9-9, 16-14, 16-17 (Westphal für Fromm), 18-18 (Hirsch für Prolingheuer), 19:21, 20:24
3. Satz: 1:0, 2-2, 6-6, 9-7, 11-11, 16-13, 20-16, 20-18, 20-19 (Zachrich für Andrei), 22-18, 24-20
4. Satz: 2-0, 6-3, 8-4, 11-6, 16-11, 21-13, 22-14 (Zachrich für Andrei),,´24-16 (Kühner für Kampa)
5. Satz: 0-1, 3-2, 3-5, 4-8, 5-8 (Kühner für Kaliberda) , 5-9 (Kaliberda zurück), 8-10, 10-11, 11-12 (Zachrich für Andrei), 12-12, 13-13, 14-13

Stimmen zum Spiel

Vital Heynen: „Wir haben uns heute selbst ein gutes Stück überrascht. Zwei Sätze waren nicht so gut, aber dann haben wir uns so richtig reingebissen in dieses Spiel. Wir haben nie aufgegeben, immer weiter gekämpft, auch als wir im Tiebreak 6:10 zurücklagen. Die personelle Umstellung war im nachhinein richtig, schließlich hat Frommi die Position schon mal gespielt. Aber entscheidend war die kämpferische Leistung – so will ich die Mannschaft immer sehen.“

Christian Fromm: "Ich bin sehr froh, dass wir uns mit einem Sieg aus Argentinien verabschiedet und uns damit für die harte Arbeit belohnt haben. Das Wochenende hat aber auch gezeigt, woran wir noch hart arbeiten müssen. Auf jeden Fall haben wir aber einen Schritt nach vorn gemacht. Das Ass beim 13:13 im Tiebreak war natürlich ein bisschen Glück. Es war aber auch der Moment, um Eier zu zeigen. Das hat geklappt."

Denis Kaliberda: "Wir haben es geschafft, als Mannschaft zusammen zurückzukommen. Ich bin megafertig, der letzte Punkt war fünf Uhr deutscher Zeit. Wir haben echt gut gespielt, schön, dass wir noch gewonnen haben. Ich habe mehr Sätze gespielt als ich Trainingseinheiten hatte. Das ist so viel Luft nach oben: Die Devise heisst: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Jetzt freuen wir uns auf Stuttgart. Die Franzosen sind stark, aber wenn wir gut spielen, haben wir alle Möglichkeiten zu gewinnen."


Das zweite Vorrundenwochenende in der „deutschen Gruppe“

ARG – GER in Salta 2:3 (25:20, 25:20, 20:25, 16:25, 13:15) und 3:0 (25-22, 25-23, 25-21)
FRA – JPN in Montpellier 3:0 (25:14, 25:15, 25:21) und 3:0 (25-16, 25-18, 25-21)

Die aktuelle Tabelle (02.06.14)
1. FRA - 11 Punkte - 12:2-Sätze - 4 Spiele
2. GER - 7 Punkte - 9:7-Sätze - 4 Spiele
3. ARG - 5 Punkte - 7:9-Sätze - 4 Spiele
4. JPN - 1 Punkt - 2:12-Sätze - 4 Spiele

Der deutsche 12-er Kader für Argentinien

Zuspieler: Lukas Kampa (Radom/POL), Sebastian Kühner (BR Volleys)
Diagonalspieler: Simon Hirsch (Generali Haching), Marvin Prolingheuer (TV Ingersoll Bühl)
Außenangreifer: Christian Fromm (Citta di Castello/ITA), Björn Höhne (TV Ingersoll Bühl), Dirk Westphal (Radom/POL), Denis Kaliberda (Wegiel/POL)
Mittelblocker: Philipp Collin (Tours/FRA), Michael Andrei (St-Nazaire/FRA), Jaromir Zachrich (SWD-Powervolleys Düren)
Libero: Markus Steuerwald (Paris/FRA)

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Hinweis: Dies ist ein aktueller Bericht vom 02.06.2014!



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