GOlympia (M): DVV-Männer nicht in Rio dabei - 2:3 gegen den Weltmeister

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Foto Conny Kurth: Lukas Kampa und Georg Grozer voller Bitterkeit und Enttäuschung am Boden, die Polen feiern.

Erstmals seit 1992 nimmt keine deutsche Volleyball-Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen teil. Die DVV-Männer verloren das entscheidende Spiel um Platz drei vor 7200 Zuschauern 2:3 (25-20, 22-25, 25-16, 26-28, 14-16) gegen Weltmeister Polen und vergaben dabei im vierten Satz einen Matchball. Polen nimmt nun wie der Verlierer des folgenden Finalspiels zwischen Frankreich und Russland (16.30 Uhr) an einem zweiten Achterturnier.

Nach den DVV-Frauen – sie waren von 1996 bis 2004 bei den Olympischen Spielen - scheiterten auch die DVV-Männer in der europäischen Olympia-Qualifikation und verpassten es somit, sich zum dritten Mal in Serie für das wichtigste Sportevent zu qualifizieren. Am Ende musste sich das Team Europameister Frankreich, Olympiasieger Russland und Weltmeister geschlagen geben – dieses Trio dürfte mit den bereits für Rio qualifizierten Italienern Europa höchstwahrscheinlich in Rio vertreten.

Das Spiel war auf keiner Ebene mit dem letzten Gruppenspiel beider Teams am Freitag zu vergleichen. Vor zwei Tagen standen beim 3:2-Sieg Deutschlands beide Mannschaften bereits als Halbfinalisten fest, zu großen Teilen kamen Spieler aus der zweiten Reihe zum Einsatz. Nun gab es kein Taktieren, es ging um Alles. Das deutsche Team wirkte von Beginn an hoch konzentriert, vor allem Grozer war im Vergleich zum Russland-Halbfinale nicht wiederzuerkennen. Seine Angriffe und Aufschläge sorgten in der Endphase für die Satzführung. Und auch im zweiten Satz wirkte der Favorit verunsichert, verschlug zahlreiche Aufschläge. 21-19 führte Deutschland und vergab dabei noch zwei gute Punktchancen. Das rächte sich, denn auf einmal blockten die Polen Grozer und Kaliberda in Serie und glichen nach Sätzen aus. Aber die deutschen Spieler steckten den Verlust sensationell gut weg. Von Beginn an lag das Team in Führung und machte nach dem 13:13-Ausgleich einen sensationellen Zwischenspurt mit fünf Zählern in Serie. Die Vorentscheidung in Satz drei und enorm viel Schub für den vierten Satz, in dem das deutsche Team sofort die Führung übernahm, den zwischenzeitlichen Vier-Punkte-Vorsprung aber wieder abgab. Dennoch hatten Böhme & Co Matchball, aber Collin verzog seinen Aufschlag. Die Polen machten es besser und waren am Ende den Tick glücklicher als die deutschen Männer, die alles für ihren Rio-Traum gegeben hatten.


Foto Conny Kurth: Mit Power und Willenskraft: Christian Fromm.

Startformationen
Deutschland: Lukas Kampa, Georg Grozer, Denis Kaliberda, Christian Fromm, Marcus Böhme, Philipp Collin, Markus Steuerwald/Ferdinand Tille

Polen: Gregor Lomacz, Bartosz Kurek, Karol Klos, Mateusz Bieniek, Mateusz Mika, Michal Kubiak, Damian Wojtaszek/Pavel Zatorski

Die Bedeutung des Spiels wurde gleich mit dem ersten Ball offenbar: Vital Heynen nahm eine Video-Challenge, lag aber daneben. Es gab kein Abtasten, beide Teams legten gleich los wie die Feuerwehr und lieferten sich lange Ballwechsel (5-5). Dann griff die deutsche Block-Abwehr zweimal zu und sorgte für die ersten Breaks, anschließend gewann Grozer ein Drückduell gegen Kubiak (9-6). Die deutschen Spieler wirkten weiter hochkonzentriert und punkteten aus der Annahme (14-11). Der Annahmefehler von Tille wurde kurz danach von einem erfolgreichen Grozer-Block wettgemacht, das deutsche Team blieb vorne (16-13). Dann der schnelle Ausgleich: Klos schlug ein Ass, anschließend patzte Tille in der Annahme. Heynen nahm eine Auszeit und stellte in der Annahme um, Steuerwald spielte nun auch dort (16-16). Die DVV-Männer waren wieder „drin“ und gingen durch ein Netzkanten-Ass sowie einem Rückraum-Knaller von Grozer wieder in Führung (22-19). Als der „Hammerschorsch“ noch einen von der Aufschlaglinie draufpackte, hieß es 23-19. Diesen Vorsprung ließ sich das DVV-Team nicht mehr nehmen, ein polnischer Aufschlagfehler sowie ein Angriff von Kaliberda bedeuteten das 1:0 nach Sätzen.


Foto Conny Kurth: Der deutsche Block punktete neunmal gegen Polen.

Beide Teams blieben unverändert, nach zwei Annahmefehlern von Steuerwald kam Tille wieder ins Spiel. Nach starker Block-Abwehr vollendete Grozer die Punktchance zum Ausgleich (7-7). Polens Trainer Antiga wechselte seinen Diagonalangreifer, für Kurek kam Dawid Konarski. Nach einem erneut starken Grozer-Aufschlag ging der Gastgeber erstmals im zweiten Satz in Führung (12-11). Mit der Minimal-Differenz ging es in die technische Auszeit, weil beide Teams aus der Annahme punkteten (16-15). Ein Übertritt von WM-Star Mika bedeutete ein Mini-Break und den Zwei-Punkte-Vorsprung (18-16), dieser hatte auch noch beim 21-19 Bestand. Polen wechselte die Zuspieler, Fabian Drzyzga, Mitspieler von Jochen Schöps in Rzeszow, kam aufs Feld und stellte den Ausgleich her (21-21). Zwei Blockpunkte gegen Grozer und Kaliberda brachten auf einmal die Polen in Front, Heynen nahm sofort eine Auszeit (21-23). Ein weiterer Block gegen Kaliberda bedeutete drei Satzbälle für den Weltmeister. Den ersten wehrte das deutsche Team ab, den zweiten schlug Kubiak ins deutsche Feld.

Antiga stellte nun seine Diagonalachse aus Rzeszow mit Drzyzga und Kurek aufs Feld, das deutsche Team blieb unverändert und steckte den bitteren Satzverlust gut weg. In der Abwehr wurden einige Bälle stark geholt, Fromm hämmerte den Polen zweimal den Ball diagonal am Block vorbei (6-3). Kurek kam besser in die Partie, Polen konnte ausgleichen (9-9). Das Spiel blieb eng, jeder Ball war heiß umkämpft. Dann servierte Fromm ein Ass, Collin blockte Kurek – Heynen ballte die Fäuste (16-13). Die Welle schwappte durch die Schmeling-Halle und Grozer blockte Mika zweimal in Folge (18-13). Nun waren die DVV-Männer nicht mehr zu stoppen, Kampa schlug ein Ass auf die Grundlinie, Kaliberda machte es seinem Zuspieler nach (22-14). Fromm verwertete den zweiten deutschen Satzball zur erneuten Satzführung.

Das deutsche Team blieb gleich zu Beginn am Drücker, der Weltmeister wankte und zeterte, als nach einem Missverständnis der Ball auf den Boden fiel. Die DVV-Männer punkteten aus der Annahme wie Fromm und Böhme (6-3). Als Kubiak bei seinem Rückraum-Angriff über die Linie trat, ging es mit vier Punkten Vorsprung in die erste technische Auszeit (8-4). Die Polen baggerten und schmetterten um ihre Olympia-Chance, aber in dieser Phase war die deutsche Auswahl stabil in der Annahme und punktete konstant. Collin und Böhme schmetterten ihre Farben zum 11-7. Dann jedoch der Ausgleich, weil Grozer & Fromm ihre Angriffe nicht unterbrachten (14-14). Kaliberda und Fromm machten aus schwieriger Position ihre Punkte, Deutschland blieb minimal vorne (16-15). Nach starker Collin-Abwehr nutzte Grozer die Breakchance, doch der polnische Konter zum Ausgleich folgte auf der Stelle (17-17). Plötzlich waren die so ruhig gewordenen polnischen Fans wieder zu hören, aber die deutschen Fans und Spieler hielten dagegen (20-20). Die Anspannung wuchs, beide Teams verwerteten ihre Angriffe aus der Annahme (23-23), dann verzog Kurek seinen Angriff. Erster Matchball (24-23), aber Collin verschlug den Aufschlag. Dann Block gegen Fromm, Satzball Polen (24-25). Fromm wehrte per Angriff ab, auch Grozer verzog seinen Aufschlag (25-26). Per Angriff glichDeutschlands Diagonalspieler abermals aus, Hirsch kam zum Block aufs Feld. Aber die Polen punkteten wieder und hatten Satzball Nummer drei (26-27). Und der war es: Grozer wurde per Block gestoppt. Tiebreak!

Wie bereits am Freitag musste der Tiebreak entscheiden. Dieses Mal ging es aber um deutlich mehr. Ein Böhme-Block brachte das 3-1, ein Kubiak-Ass den Ausgleich (4-4). Nach dem 4-5 nahm Heynen eine Auszeit, machte beruhigende Gesten mit den Händen und sprach mit Zuspieler Kampa. Es blieb ausgeglichen, da beide Teams aus der Annahme keine Schwäche zeigten, mit 7-8 wurde das letzte Mal die Seite gewechselt. Polens Kapitän Kubiak spielte „frech“ einen zweiten Ball über das Netz und sorgte für ein Break (7-9). Kaliberdas starker Aufschlag war Grundlage für den Ausgleich, den Grozer per Angriff herstellte (9-9). Und es ging so weiter: die Polen legten vor, die Deutschen zogen nach (11-11). Führung Deutschland: Böhme packte gegen Kubiak zu, Auszeit Polen (12-11). Die Polen wehrten sensationell ein weiteres Break ab und holten sich per Block gegen Fromm die Führung zurück (12-13). Böhme hämmerte den Ball zum Ausgleich auf den orange-farbenen Boden (13-13), dann erster Matchball Polen (13-14). Bieniek verzog, Mikas Angriff brachte Matchball Nummer zwei. Und der brachte die bittere Entscheidung: Kaliberda wurde abgewehrt, der Weltmeister nutzte die Chance.


Foto Conny Kurth: Am Boden: Christian Fromm.

Spielfilm
1. Satz: 3-3, 7-5, 10-7, 12-9, 16-13, 16-16, 19-19, 22-19, 24-20
2. Satz: 3-5, 7-7, 12-11, 16-15, 18-16, 20-18 (Steuerwald/Dünnes für Böhme/Kampa), 20-19 (Böhme/Kampa zurück), 21-23, 21-24
3. Satz: 6-3, 8-8, 11-11, 15-12, 18-13, 22-14, 24-15
4. Satz: 4-1, 8-4, 11-7, 13-10 (Steuerwald/Dünnes für Kampa/Böhme), 13-11 (Kampa/Böhme zurück), 14-14, 17-15, 18-18, 20-20, 22-22, 24-23, 24-25, 25-26, 26-26 (Hirsch für Kaliberda), 26-27 (Kaliberda zurück)
5. 3-1, 4-4, 6-6 (Steuerwald für Böhme), 6-7 (Böhme zurück), 9-9, 11-11, 12-13, 13-14, 14-14 (Dünnes für Kampa), 14-15 (Kampa zurück)

Statistik GER-RUS

Stimmen zum Spiel
Vital Heynen: „Wir haben unser Spiel gespielt, was sehr gut ist. Wir haben so gut gespielt, dass uns gegen den Weltmeister nur ein Ball für Rio gefehlt hat. Aber Polen war am Ende ein Ball besser und hat deshalb verdient gewonnen. Ich habe der Mannschaft immer gesagt: kämpft, kämpft, kämpft! Wir gehören zu den weltbesten Teams, wir haben Serbien und Polen geschlagen, aber es hat nicht gereicht. Meine Enttäuschung geht jetzt noch, aber in den nächsten Wochen und Monaten wird es hart sein. Aber aus Niederlagen lernt man, um beim nächsten Mal besser zu sein. Ich bin überzeugt, in vier Jahren in Tokio dabei zu sein.“

Ferdinand Tille: „Ich kann nicht sagen, was der ausschlaggebende Punkt war. Wir wollten alle zu Olympia, aber leider hat es nicht geklappt. Wir haben gekämpft, die Polen haben gekämpft und am Ende hatten sie einfach auch ein bisschen mehr Glück und haben die entscheidenden zwei Punkte gemacht.“

Lukas Kampa: „Es ist sehr bitter für uns. Ich würde die Niederlage vielleicht als die schlimmste in meiner Karriere bezeichnen. Es tut besonders weh, weil wir nichts falsch gemacht haben und alles versucht haben. Wir haben fest daran geglaubt. Ich kann nicht sagen, woran genau es lag. Aber ich glaube kaum, dass es in Rio viele solcher Spiele geben wird. Hier waren Top-Teams, aber nicht alle können nach Rio. Das ist schade, weil viele schöne Spiele verloren gehen. Aber das ist der Modus, wir können es nicht ändern.Leider hat es uns getroffen. Das ist für uns sehr enttäuschend.“

Georg Grozer: „Es ist eine sehr große Enttäuschung für uns. Ich höre jetzt erst einmal auf. Das ist natürlich kein schöner Moment zum Aufhören. Aber ich brauche Zeit für meine Familie, mindestens ein, zwei Jahre. Ich habe das meiner Frau auch schon vor langer Zeit versprochen. Was dann kommt, weiß man nie. Wir haben heute alles gegeben, es war sehr knapp.“

Marcus Böhme: „Das ist sehr bitter, zumal wir auch einen Matchball im vierten Satz hatten. In vier Jahren nochmals einen Anlauf zu starten, muss man sich überlegen. Die Polen haben am Ende ihren Spielwitz gezeigt mit Bällen, die wir teilweise nicht erwartet haben.“

Christian Dünnes: „Das ist sehr bitter im fünften Satz in der Verlängerung. Auf der einen Seite gibt es die, die feiern, weil sie ihre Hoffnung auf Olympia mehr als lebendig gehalten haben. Auf der anderen Seite sind die Enttäuschten. Es wäre eine große Überraschung gewesen, wenn wir den Weltmeister rausgehauen hätten. Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Ein entscheidender Ball war vielleicht der Ball beim Stand von 12-11 im fünften Satz, als die Polen sensationell den Ball gerettet und verwertet haben.“

Thomas Krohne (DVV-Präsident): „Das ist eine riesige Enttäuschung. Natürlich in erster Linie für die Mannschaft, aber auch für alle Mitarbeiter, den Vorstand und auch für mich. Keine Hallen-Mannschaften bei den Olympischen Spielen in Rio. Das ist für uns nicht einfach, was die Zukunft unserer Sportart in Deutschland betrifft. Uns fehlt jetzt die Plattform in Rio, wo wir uns präsentieren können. “

Stéphane Antiga (Trainer POL): „Wir mussten mental extrem stark sein in diesem Match. Wir haben ums Überleben, um die Rio-Möglichkeit gespielt. Ich bin sehr glücklich, weil wir im vergangenen Jahr drei Wettkämpfe hatten. Wir haben das World League-Halbfinale gegen Frankreich mit zwei Punkten verloren, beim World Cup fehlte uns ein Satz zur Qualifikation für Rio und auch das EM-Viertelfinale gegen Slowenien war ganz eng. Heute hatten wir das Glück. Ich glaube, es wäre traurig gewesen, wenn Polen nicht in Rio dabei gewesen wäre. Es ist schade für Europa, dass einige großartige Teams nicht dabei sind.“

Alle Infos zur Olympia-Qualifikation der Männer in Berlin www.GOlympia.org

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Hinweis: Dies ist ein aktueller Bericht vom 10.01.2016!



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