GOlympia (M): DVV-Männer verlieren im Halbfinale – 1:3 gegen Russland

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Foto Conny Kurth: Enttäuschung bei Philipp Collin und den DVV-Männern, die das Halbfinale gegen Russland verloren.

Die DVV-Männer haben bei der europäischen Olympia-Qualifikation in Berlin im Halbfinale ihre erste Niederlage kassiert: gegen Olympiasieger Russland verlor die Mannschaft von Bundestrainer Vital Heynen vor 6.900 Zuschauern 1:3 (33-31, 22-25, 19-25, 24-26) und muss nun am 10. Januar (13.30 Uhr, live bei Laola1.tv und sportdeutschland.tv) das Spiel um Platz drei gewinnen, um sich als Dritter die zweite Qualifikationschance zu sichern. Der deutsche Gegner wird im zweiten Halbfinale zwischen Weltmeister Polen und Europameister Frankreich (19.30 Uhr, live bei Laola1.tv und sportdeutschland.tv). ermittelt. Leidglich der Turniersieger der europäischen Olympia-Qualifikation qualifiziert sich direkt für die Olympischen Spiele, der Zweit- und Drittplatzierte von Berlin haben eine zweite Qualifikationschance bei einem weiteren Achterturnier im Mai/Juni in Japan. Punktbeste deutsche Spieler gegen Russland waren Denis Kaliberda und Christian Fromm (jeweils 14).

Es war der 103. Vergleich zwischen einer deutschen und russischen Männer-Nationalmannschaft (inklusive der Vorgängerstaaten). Die Bilanz sprach eindeutig für den Gast, der davon 73 Spiele gewinnen konnte. Zuletzt konnten die DVV-Männer die Bilanz aber ausgeglichen gestalten, sowohl bei den European Games in Baku als auch bei zwei Länderspielen in Vorbereitung auf die EM 2015 hieß es Sieg und Niederlage. Dementsprechend gleich hoch mussten die Chancen auf ein Weiterkommen eingeschätzt werden. Und so begann und entwickelte sich auch das Spiel. Auf Augenhöhe mit zum Teil irren Ballwechseln. Satz eins endete erst mit dem siebten (!) deutschen Satzball, zwei russische Satzbälle gab es zudem. Bis zum 18-15 im zweiten Satz nahm der Gastgeber den Schwung mit, dann gab es einen kleinen „Bruch“. Nicht, weil Deutschland in dieser Phase schwächelte, sondern weil die Russen auf einmal enorm gut in der Block-Abwehr agierten. Der Satzausgleich gab den Russen deutlich Sicherheit, die deutsche Mannschaft hatte große Probleme im Aufschlag (sieben Fehler in Satz drei, kein Ass und zu wenig Druck) und auf der Diagonalposition: Georg Grozer erwischte einen rabenschwarzen Tag und hatte eine Quote von nur knapp über 25%.


Foto Conny Kurth: Nach Satz eins jubelte das deutsche Team noch.

Startformationen
Deutschland: Lukas Kampa, Georg Grozer, Denis Kaliberda, Christian Fromm, Marcus Böhme, Philipp Collin, Markus Steuerwald/Ferdinand Tille

Russland: Sergey Grankin, Maxim Mikhaykov, Andrey Ashchev, Alexander Volkov, Egor Kliuka, Sergey Tetyukhin, Alexey Verbov

Zwei gute Aufschläge von Fromm waren Grundlage für den guten deutschen Start (4-2), sensationelle Aktionen in der deutschen Feldabwehr führten zur Drei-Punkte-Führung bei der ersten technischen Auszeit (8-5). Die Russen waren angeknockt, ein leichter Aufschlag von Collin fiel zwischen die Annahmespieler Kliuka und Tetyukhin (11-6). Grozer war noch nicht in der Partie, die Aufschläge landeten im Netz, seine Angriffe hatten noch keine Durchschlagskraft. Als Kaliberda zweimal in der Annahme „wackelte“, war der schöne Vorsprung auf einen Zähler geschmolzen (12-11). Der starke Fromm hielt die deutsche Auswahl mit Angriffen am Netz und aus dem Rückraum vorne, aber die Russen punkteten nun stabiler aus der Annahme (14-13). Als Collin gegen Kliuka im Block zupackte, war der Vorsprung minimal gewachsen (17-15), aber zwei Blocks gegen Grozer brachten den erneuten Ausgleich (18-18). Gut, dass auf Fromm Verlass war. Der wuchtige Außenangreifer hatte eine 100-prozentige Angriffsquote bis zu diesem Zeitpunkt. Es blieb „eng“, Kaliberda holte per Diagonalangriff das 22-22 und legte mit einem feinen Lob – nach sensationeller Abwehr von Steuerwald – einen drauf (23-22). Und „Kalli“ machte auch den nächsten deutschen Zähler, der Satzball bedeutete (24-23). Die Russen wehrten nervenstark drei Satzbälle ab und holten sich mit einem wiederholten Block gegen Grozer ihren ersten Satzball (26-27). Böhme wehrte ab, Fromm servierte ein lupenreines Ass – Satzball Nummer vier (28-27). Wieder und auch bei den Satzbällen Nummer fünf und sechs antworteten die Russen stark, konnten ihren zweiten Satzball aber auch nicht verwerten. Ein Grozer-Block brachte den siebten Satzball und der brachte die Erlösung: Volkov verzog seinen Schnellangriff, die Halle bebte.


Foto Conny Kurth: Punktbester deutscher Spieler mit 14 Zählern: Denis Kaliberda.

Deutschland blieb unverändert, Russland führte einen Wechsel auf der
Mittelblockposition durch. Das deutsche Team kam nach einem Collin-Block gut aus den Startlöchern (3-1), dann servierten Mikhaylov und Tetyukhin stark und sorgten für das 5-8. Der Rückstand wuchs auf vier Punkte an (6-10), Simon Hirsch kam für Grozer (10-13). Russland patzte zweimal im Angriff, der Anschluss war geschafft (12-13). Dann „pflückte“ sich zunächst Fromm Volvich im Block, direkt im Anschluss Böhme – Führung (15-14). Hirsch setzte noch einen obendrauf und hämmerte seinen Angriff in die extreme Diagonale (16-14). Als Kaliberda zweimal sensationell in der Abwehr reagierte und Böhme die vierte deutsche Punktchance auf den Boden der Max-Schmeling-Halle hämmerte, hielt es keinen mehr auf den Sitzen (17-14). Und dann punktete auch Heynen: der Bundestrainer nahm eine Challenge, bekam Recht und ballte die Fäuste (18-15). Aber die Russen schlugen zurück, wehrten in dieser Phase stark ab und punkteten aus der Abwehr (19-20). Grozer kam zurück aufs Feld, Collin stellte per Aufsteiger den Ausgleich her (22-22). Dann ging es schnell: Grozer verzog seinen Angriff, der russische Dreierblock stoppte Fromm – Satzausgleich.


Foto Conny Kurth: Erwischte einen gebrauchten Tag: Georg Grozer.

Russland hatte Oberwasser und profitierte zudem von deutschen Fehler in Annahme und Angriff. Heynen nahm früh seine erste Auszeit (2-6). Die deutschen Spieler haderten in dieser Phase etwas mit sich, zwei Punkte von Kaliberda (Angriff & Block) sorgten für den Anschluss (7-9). Ein Ass des russischen Kapitäns stellte wieder den Vier-Punkte-Rückstand her (8-12), dann hatten die deutsche Annahme-Achse Probleme mit den schnellen Flatter-Aufschlägen von Volvich (10-16). In der Folge punktete das DVV-Team wohl aus der Annahme, aber nicht mit dem eigenen Aufschlag, weil gleich vier Aufschläge missrieten (14-20). Diesen Vorsprung ließ sich der Weltranglisten-Dritte, bei dem der eingewechselte 2,08 Meter Mann Volvich mit Aufschlag- und Angriffspunkten zum Satzgewinner avancierte, nicht mehr nehmen.

Heynen reagierte und brachte mit Hirsch einen neuen Diagonalangreifer, zudem stand Fromm wieder auf dem Feld. Die deutschen Aufschläge blieben fehlerhaft, aber der Angriff funktionierte: Hirsch punktete zweimal aus dem Hinterfeld, Collin per Schnellangriff (7-6). Mit den Aufschlägen gelang es den deutschen Akteuren weiterhin nicht, Druck auszuüben. Aber das Angriffsspiel funktionierte, sodass es ausgeglichen blieb (14-13). Als Hirsch zweimal am russischen Block scheiterte, kehrte Grozer aufs Feld zurück (14-16). Und plötzlich war das deutsche Team wieder „da“, Grozer servierte sein erstes Ass im Spiel (18-18). Aber die Russen konterten prompt, servierten ebenfalls ein Ass und punkteten stark aus der Abwehr (18-21). Heynen versuchte alles, brachte nochmals zum Aufschlag/Block Patrick Steuerwald und Christian Dünnes. Das wirkte: die Aufschläge von Steuerwald machten Druck, der deutsche Block packte zweimal zu (22-22). Dann hatte Russland Matchball, weil das deutsche dreimal aus der Abwehr nicht punkten konnte (23-24). Grozer glich im zweiten Versuch ab, Russland holte sich Matchball Nummer zwei. Und dieses Mal scheiterte Grozer am Doppelblock.

Statistik GER-RUS

Spielfilm
1. Satz: 4-2, 7-4, 10-6, 12-9, 12-11, 16-15, 18-18, 20-21, 21-21 (Dünnes/Steuerwald für Kampa/Böhme), 21-22 (Kampa/Böhme zurück), 23-23, 24-23, 25-24, 26-25 (Hirsch für Grozer), 26-26 (Grozer zurück), 26-27, 28-27, 29-28, 30-31, 32-31,
2. Satz: 4-2, 4-6, 6-10, 10-13 (Hirsch für Grozer), 16-14, 19-16, 19-19, 19-20 (Grozer zurück), 20-20 (Steuerwald/Dünnes für Böhme/Kampa), 20-21 (Kampa/Böhme zurück), 22-23, 22-24,
3. Satz: 2-5, 4-8, 8-11, 10-15, 13-19, 16-22, 18-24
4. Satz: 4-4, 10-8, 13-12, 14-16 (Grozer für Hirsch), 18-18, 18-21, 19-21 (Steuerwald/Dünnes für Kampa/Böhme), 22-22, 22-23 (Kampa/Böhme zurück), 23-24, 24-25


Stimmen zum Spiel
Vital Heynen: „Wenn wir alle unseren besten Volleyball spielen, können wir den Olympiasieger schlagen. Wenn nicht, wird es schwer für uns. Das ist kein Problem, das passiert im Sport. Wir haben heute zu viele eigene Fehler gemacht, das kann man sich gegen ein Team wie Russland nicht erlauben. Wir haben jetzt noch 18 Stunden für das Spiel um Platz drei. Es geht um Alles oder Nichts.“

Lukas Kampa: „Die Enttäuschung ist groß, wir hatten eine große Chance aufs Finale. Wir haben es aber nicht geschafft und verdient verloren. Russland hat es uns sehr schwer gemacht, wir mussten hart arbeiten. Der Aufschlag war ein Knackpunkt, wir haben zu viele Fehler gemacht. Und wir hatten heute zögerlich. Jetzt müssen wir alle Kräfte für morgen sammeln.“

Marcus Böhme: „Die Enttäuschung ist schon da, aber nicht riesengroß. Es sind halt auch viele Top-Mannschaften hier, morgen haben wir eine reale Chance uns für das Turnier in Japan zu qualifizieren. Wir müssen uns auf das eigene Spiel konzentrieren.“

Christian Fromm: „Wir kamen mit den Angriffen nicht richtig durch, vielleicht wollten wir auch einfach zu viel. Wir sind aber gut in Form für morgen. Wir wollen unbedingt nach Rio und werden morgen alles dafür geben.“

Sebastian Schwarz: „Die Enttäuschung ist deshalb groß, weil wir uns heute zumindest das Ticket für Tokio hätten sichern können. Aber man muss auch anerkennen, dass die Russen heute sehr stark gespielt haben. Wir haben im weiteren Verlauf immer größere Probleme mit dem russischen Block gehabt. Morgen ist ein absolutes Finale: Entweder wir gewinnen oder Olympia findet ohne uns statt. Wir müssen alles reinlegen und zusammen mit dem Publikum wollen wir es schaffen.“

Vladimir Alekno (Trainer RUS): "Wieder einmal, wie in der Vergangenheit oftmals, war Sergey Tetyukhin der Spieler des Spiels. Wir sind ihm sehr dankbar und können ihm nicht genug danken für das, was er für den russischen Volleyball getan hat."


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Alle Infos zur Olympia-Qualifikation der Männer in Berlin www.GOlympia.org

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Hinweis: Dies ist ein aktueller Bericht vom 09.01.2016!



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