Interview der Woche

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Foto FIVB: Unvergessen! Der Olympiasieg von Jonas Reckermann (links) und Julius Brink 2012 in London.

Beach-Volleyball: Julius Brink: „Individualität im Team bewahren. Das war der Schlüssel zum Erfolg“ (22.7.14)

Am 30. Mai erklärte Olympiasieger Julius Brink seinen Rücktritt vom Leistungssport. Wie bei seinem kongenialen Partner Jonas Reckermann war eine Verletzung ausschlaggebend für das (zu frühe) Karriere-Ende. Der Abwehrspieler hatte bis dahin das Maximale aus seinen Möglichkeiten herausgeholt: Olympia-Gold, drei WM-Medaillen (1x Gold, 2x Bronze), 3 EM-Titel, 5 DM-Titel, 6 Siege auf der World Tour und noch zig weitere Top-Platzierungen auf der World Tour sowie sechsmal die Auszeichnung zum Beach-Volleyballer des Jahres. Wie Brink all die Jahre im Beach-Circuit sieht, was nun ansteht und wie er seine Zukunft und die des Beach-Volleyballs sieht, erzählt er im „Interview der Woche“.

Wann war dir klar? "Ich setze voll auf die Karte Beach-Volleyball und habe Chancen, ganz nach oben zu kommen!"
Brink: „Ganz genau weiß ich das gar nicht. Als ich begonnen habe, mehr und mehr zu trainieren, da wusste ich ja auch noch nicht, wohin die Reise führen wird. Und was heißt schon ganz nach oben? Letztendlich waren dies auch immer nur Momentaufnahmen, wenn auch keine unwichtigen...“

Gab es für dich eigentlich ein sportliches Vorbild im Beach-Volleyball?
Brink: „Ja, mein langjähriger Trainer Markus Dieckmann.“


Foto Hoch Zwei: Julius Brink 2002 in jungen Jahren mit Kjell Schneider an seiner Seite.

Du hattest drei Partner, mit denen du sehr große Erfolge gefeiert hast: Kjell Schneider, Christoph Dieckmann und Jonas Reckermann. Wie hast du von ihnen profitiert, und wie hat sich deine Rolle in den Partnerschaften verändert?
Brink: „Ich habe von allen immens profitiert, gerade die Zeiten mit Kjell und Christoph waren prägend für mich, und ich schaue gerne darauf zurück. Für die spätere Partnerschaft mit Jonas war es schon immens wichtig, in verschiedenen Konstellationen zuvor gewesen zu sein. Ich denke, ich konnte mich von Partnerschaft zu Partnerschaft mehr einbringen und erfahren, was Teamwork bedeutet. Ich denke, dass besonders die Jahre mit Jonas gezeigt haben, wie sehr man Individualität im Team bewahren und dennoch ein hohes Maß an Teamwork leisten muss. Das war ein großer Schlüssel zum Erfolg von uns allen im damaligen Team.“

Wie wichtig war die Olympia-Teilnahme in Peking 2008 und das dortige "Versagen" für das olympische Gold 2012?
Brink: „Ein von heutiger Sicht aus betrachtet notwendiger Schritt!“

Ihr habt das Projekt London 2012 seit 2009 vorbereitet und sensationelle Erfolge auf dem Weg dorthin gefeiert (u.a. Weltmeister, WM-3., 2x Europameister). Wann war euch wirklich bewusst, dass ihr in London um die Goldmedaille spielen könnt?
Brink: „Bei 14:11 im dritten Satz! Was dabei raus kam, haben ja ein paar Leute live miterleben dürfen.“

Talent und Fleiß! Beides wurde dir zugesprochen. Wie viel hattest du von beidem (prozentual) und was war noch entscheidend für deine großartige Karriere?
Brink: „Entscheidend war sicher mein Wille etwas zu erreichen bzw. zu erfahren, wie weit ich kommen kann. Aber noch viel entscheidender waren meine Teampartner und Trainer.“


Foto FIVB: Auch das gab es: Brink gegen Reckermann 2005 im Finale der World Tour in Espinho/POR. Am Ende siegte Brink mit Kjell Schneider gegen Reckermann und Markus Dieckmann.

Welche Fehler hast du gemacht bzw. würdest du rückwirkend irgendetwas anders machen (wenn überhaupt)?
Brink: „Jede Menge Fehler! Wie oben schon erwähnt, sehe ich sie aber als notwendigen Schritt bzw. als Grundvoraussetzung für Erfolg.“

Wann hast du dir angewöhnt, den "Julius Brink-Seitenwechsel" außerhalb der Netzpfosten durchzuführen?
Brink: „Als ich merkte, dass ich ein Problem in Sachen Laktattoleranz habe...“

Was hat das Team Brink/Reckermann dem Beach-Volleyballsport neben den unglaublichen Erfolgen gegeben?
Brink: „Emotionen. Wenn wir innovativ waren, dann aufgrund der Tatsache, dass wir verdammt clevere Trainer hatten :-).“

Was hat dir das Leben als Beach-Volleyball Profi außer den großen Erfolgen gebracht?
Brink: „Den Miles and More Senator-Status bei der Lufthansa! Und es hat mir Demut gelehrt.“

Wie lange dauerte der Prozess bis zu dem Entschluss, deine Karriere zu beenden?
Brink: „Das war eine schwere Geburt. Am Ende dieses Prozesses ging es dann aber doch relativ schnell, und ich musste einfach akzeptieren, dass es vorbei ist.“


Foto FIVB: Schon 2009 zeigten Brink/Reckermann ihr „Ringertalent“, als sie sensationell Weltmeister wurden.

Aktuell reist du bzw. ihr durch die Lande und haltet vor Wirtschaftsgrößen Vorträge. Was erzählt ihr dort, wie kann man sich das vorstellen und wie kommt das an?
Brink: „Das sind immer mal unterschiedliche Themen, zu denen wir angefragt werden. Mit Markus Dieckmann spreche ich über das "KonzeptGold" und über "Talentmanagement". Mit Jonas über das Thema "Diversity". Diese Form von Vorträgen machen sehr viel Spaß, und wir bekommen ein unglaublich positives Feedback. Ich werde dieses Feld weiter ausbauen.“

Du hast zuletzt beim Grand Slam in Berlin erstmals als Co-Kommentator im TV gewirkt. Wie hat es dir gefallen, und wäre das etwas für die Zukunft?
Brink: „Das war auch sehr spannend. SPORT1 hatte mich gefragt, und ich hatte viel Spaß dabei. Wir werden ja sehen, ob man mich nochmal hören will :-).“

Gibt es auch Chancen, dass du in irgendeiner Funktion im Beach-Volleyball bleibst?
Brink: „Das wird sich zeigen. Ich bin sicherlich über meine Rollen als Ambassador für Camp David und Smart immer noch dran an der Sportart und kann mir einen kalten Entzug auch nur schwer vorstellen. Zudem verfolge ich natürlich auch, was Armin so ohne mich anstellt :-).“

Du warst nie "everybody´s darling" und bist mit deiner Art oftmals angeeckt. Können nur "solche Typen" wie z.B. Robert Harting oder du Olympiasieger werden oder sind diese einfach prädestinierter dafür?
Brink: „Es gibt auch viele Olympiasieger mit einem ausgeglicheneren Gemüt als das von Robert oder mir. Ich kann da keinerlei Bedingungen feststellen...“


Foto FIVB: Keine Liebesbeziehung, aber ein echtes (Erfolgs-)Team!

Du warst und bist immer ein kritischer Geist gewesen, der auch im DVV aneckt. Typen mit Ecken und Kanten werden dort aber auch gesucht und gebraucht. Zuletzt warst du im Leitungsstab aktiv, mit Karriere-Ende nicht mehr. Ist eine Position oder Zusammenarbeit im DVV möglich?
Brink: „Ich habe bisher noch keine Stellenausschreibung als "ANECKER" von Seiten des DVV gelesen :). Aus dem Leitungsstab bin ich sinnvollerweise ausgeschieden. Derzeit sehe ich alle wichtigen Positionen beim DVV besetzt.“

Wo siehst du den Beach-Volleyball Sport 2014 und welche Rolle, welches Standing wird er in zehn Jahren haben?
Brink: „Was in zehn Jahren ist, keine Ahnung. Da mache ich mir derzeit auch keine Gedanken drüber. Ich finde nach wie vor, dass Beach-Volleyball die schönste Sportart der Welt ist. Und ich glaube, dass sie immer noch großes Potential hat.“

Das ist Julius Brink
Geburtsdatum: 06.07.1982
Geburtsort: Münster (Westfalen)
Wohnort: Köln
Größe: 1,86 m
Familienstand: verheiratet

Größte sportliche Erfolge

Deutsche Meisterschaften
2. Platz 2004 (Brink mit Schneider), 1. Platz 2006, 1. Platz 2007, 2. Platz 2008 (alle Brink mit Ch. Dieckmann), 1. Platz 2009, 1. Platz 2010, 1. Platz 2011 (alle Brink mit Reckermann)

World Tour
1. Platz Espinho 2005 (Brink mit Schneider)
3. Platz Paris 2005 (Brink mit Schneider)
--- (ab hier Brink/Dieckmann)
1. Platz Espinho und Vitoria 2006
2. Platz St. Petersburg 2006
3. Platz Shanghai und Gstaad 2006
2. Platz Prag und Roseto 2008
1. Platz Barcelona 2008
3. Platz Stavanger 2008

--- (ab hier Brink/Reckermann)
1. Platz Rom, Gstaad, Moskau 2009
2. Platz Stare Jablonki, Aland 2009
3. Platz Schanghai, Marseille 2009
2. Platz Shanghai, Stare Jablonki 2010
3. Platz Myslowice, Moskau, Prag 2010
2. Platz Peking, Klagenfurt, Agadir 2011
3. Platz Shanghai, Stavanger, Gstaad 2011

Europameisterschaften
1. Platz Den Haag 2006 (Brink mit Ch. Dieckmann)
1. Platz Kristiansand 2011 (Brink mit Reckermann)
1. Platz Den Haag 2012 (Brink mit Reckermann)

Weltmeisterschaften
3. Platz Berlin 2005 (Brink mit Schneider)
1. Platz Stavanger 2009 (Brink mit Reckermann)
3. Platz Rom 2011 (Brink mit Reckermann)

Olympische Spiele
1. Platz London 2012 (Brink mit Reckermann)

Sonstiges
Weltranglistenerster 2009 (Brink mit Reckermann)
Kurze Zeit Weltrekordhalter mit 25 Siegen in Folge auf der World Tour (Brink mit Reckermann)
Beach-Volleyballer des Jahres 2005, 2006 und 2009-2012 (Brink)



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