
Foto FIVB: Durch den historischen Erfolg bei der ersten U23 Beach-WM hat das Duo Bieneck/Schneider einen Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher.
In der Rubrik "Interview der Woche" kommen die Stars der Beach- und Hallenszene ebenso zu Wort und berichten über Aktuelles, Vergangens und Zukünftiges wie Funktionäre, Schiedsrichter oder Ehemalige.
U23 Beach-WM: Die Weltmeisterinnen im Interview (13.06.2013)
Bei der U23 Beach-WM ist dem deutschen Beach-Duo Victoria Bieneck und Isabell Schneider ein historischer Erfolg gelungen, denn sie konnten den ersten Weltmeistertitel gewinnen, der in der Altersklasse der U23 vergeben wurde. Und das obwohl sie eigentlich mit Julia Großner und Teresa Mersmann zusammen spielen, beide aber passen mussten, weil sie für die U23 schon zu alt sind. Im Interview berichten die Weltmeisterinnen von ihrem kurzfristigen Erfolgsgeheimnis, den unglaublich vielen Glückwünschen nach dem Spiel und dem Traum, später auch einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein.
Erst einmal Glückwunsch zum Titel. Habt ihr schon realisiert, was euch in Myslowice/POL gelungen ist? Ihr habt Geschichte geschrieben!
Victoria Bieneck: So langsam mit den Tagen danach und vor allem den vielen, vielen Glückwünschen realisiert man erst, was wir da eigentlich für eine Meisterschaft gewonnen haben.
Isabell Schneider: Ich glaube ich brauche noch einige Tage, um zu realisieren, dass wir es wirklich geschafft haben. Wenn ich morgens aufwache frage ich mich immer noch: War alles nur ein Traum? ;)
Wie lange habt ihr diesen Erfolg gefeiert? Immerhin war es die erste U23 Beach-WM überhaupt.
Bieneck: Wir sind am Sonntag noch nach Berlin gefahren, haben unterwegs und in Berlin noch ein bisschen gefeiert, aber irgendwann sind wir einfach nur tot ins Bett gefallen.
Schneider: Für mich gab es am nächsten Tag noch eine kleine Party in unserem Dorf. Und mit meiner Trainerin Gudula Krause muss ich auch noch auf den Erfolg anstoßen.
Nur zwei Satzverluste sprechen eine deutliche Sprache. Was hat euch bei diesem Turnier so stark gemacht?
Bieneck: Wir sind in jedes Spiel von Anfang an sehr konzentriert gegangen und haben immer das versucht umzusetzen, was wir uns vorgenommen hatten, aber auch auf den Gegner reagiert, falls er etwas anders gemacht hat, als in den gescouteten Spielen im Vorfeld.
Schneider: Unser gesamtes Team, Trainer, Physiotherapeuten und die mitgereisten Fans. :)

Foto FIVB: Gleich nach dem Sieg mussten erste Autogramme für die wartenden Fans geschrieben werden.
Dabei spielt ihr normalerweise gar nicht zusammen und geht mit anderen Partnerinnen an den Start. Wie hat es funktioniert, dass ihr euch so schnell aufeinander abstimmen konntet?
Bieneck: Auch wenn wir kein festes Team sind, wussten wir aber, dass wir gut zusammenpassen. Wir haben viel kommuniziert und somit sehr schnell zusammengefunden.
Schneider: Zusätzlich verstehen wir uns auch neben dem Feld sehr gut, ich denke das war einer der Gründe. Dazu kommt, dass wir beide die Andere als Spielerin schätzen und wir uns so viel abstimmen und einander helfen konnten. Es hat einfach auf Anhieb super gepasst.
Gab es im Vorfeld eine klare Rollenverteilung, wer im Sand das Kommando übernimmt?
Bieneck: Nein, jeder hat so seine Erfahrung mit ins Spiel gebracht.
Schneider: Ich denke auch, dass es sehr ausgeglichen war. Allerdings hat Tori (Anm. d. Redaktion Victoria Bieneck) schon viel mehr internationale Erfahrung, die uns in vielen Momenten während der WM geholfen hat.
Welchen Anteil hat Bundestrainer Jörg Ahmann am Erfolg?
Bieneck: Jörg und auch die ganze Trainercrew, von Maria Kleefisch und Daniel Krug bis hin zu unserem Physiotherapeuten Jinan Al-Shok, haben uns super unterstützt und betreut während des Turniers. Sie alle haben es möglich gemacht, dass wir uns voll auf uns konzentrieren und dadurch auch bestimmte Taktiken ausarbeiten konnten. Es wäre wünschenswert auf internationalen Turnieren immer solch eine Betreuung zu haben. Sehr viele andere Nationen machen es einem vor, wie man die Teams immer optimal betreut und Top-Platzierungen rausholt. Ich denke aber auch, dass man diesen Erfolg nicht anteilig bestimmten Personen zurechnen kann, denn man arbeitet ja auf solch einen Erfolg auch mit seinen Heimtrainern hin, insgesamt war es einfach eine sehr gute große Teamleistung.
Schneider: Ich kann mich Tori da nur anschließen. Außerdem hat Jörg sehr akribisch unsere Gegner gescouted und uns auf sie vorbereitet. Desweiteren hat er uns durch die Nominierung sein Vertrauen gezeigt. Er und sein Team haben einen großen Anteil an unserem Sieg.
Im Finale ging der erste Satz verloren, anschließend habt ihr im zweiten Durchgang nur 12 Punkte abgegeben. Ab wann habt ihr gemerkt, dass ihr Weltmeisterinnen werden könnt?
Bieneck: Ich persönlich wusste nach dem Viertelfinale gegen Russland, dass es das härteste Spiel war und wir von diesem Zeitpunkt an sehr weit kommen können. Im Finale haben wir dann im ersten Satz nicht gut gespielt, schnell hinten gelegen, und auch noch viele unnötige Fehler gemacht. Aber auch direkt nach dem ersten verlorenen Satz waren wir überzeugt, dass wir das Spiel noch gewinnen werden. Wir haben dann taktisch ein bisschen was geändert und sind auch wieder sicherer im eigenen Spiel geworden. So ein dritter Satz ist dann immer noch einmal eine spannende Kiste, was man am Ende gut sehen konnte.
Schneider: Ich habe schon vor dem Finale daran geglaubt, dass wir Weltmeister werden können und auch nach dem ersten Satz war ich mir sicher, dass wir nochmal alles geben werden um das Spiel zu drehen.

Foto FIVB: Erzielte den letzten Punkt, der ihnen den Gewinn der Goldmedaille einbrachte: Isabell Schneider.
Ziel der Einführung der U23 Beach-WM ist, die Lücke zu den Profis zu schließen? Steigen die Chancen nach so einem Erfolg, später auch bei den Profis ähnlich erfolgreich zu sein?
Bieneck: Ich habe inzwischen schon einige Turnier auf der World Tour gespielt und diese ist sicherlich noch eine Klasse für sich. Aber man hat dadurch auch die Möglichkeit, das Single-Out-System kennen zu lernen, was für viele neu ist. Außerdem erhält man durch den Sieg eine Wild Card für das Hauptfeld bei einem Turnier der FIVB World-Tour. Ich denke schon, dass diese WM Sinn macht, aber nicht unbedingt die Lücke schließt. Dafür ist es wichtiger, dass die kontinentalen Verbände eine starke Tour aufbauen, sodass es nicht mehr so ein großer Sprung, Punkte- und Leistungsmäßig, in die World Tour ist.
Schneider: Wir haben durch den Erfolg einige internationale Punkte gesammelt und parallel haben Teresa und Jule Punkte in Montpellier eingefahren (Anm. d. Red. Julia Großner und Teresa Mersmann haben zur gleichen Zeit beim CEV-Sattelite in Frankreich zusammen gespielt und den 1. Platz erreicht.), womit wir jetzt vielleicht das ein oder andere internationale Turnier spielen können.
Wie wurde der Erfolg bei euch zu Hause und im deutschen Beach-Volleyball Lager aufgenommen?
Bieneck: Es ist unglaublich, wie viele diesen Erfolg würdigen. Sei es in meiner Heimat in Hessen oder in Berlin, es kommen wirklich viele Glückwünsche. Auch aus den Volleyball- und Beach-Volleyball-Kreisen, aber auch aus vielen anderen Sportarten, welche über den Olympiastützpunkt von unserem Sieg erfahren haben.
Schneider: Ich habe unglaublich viele Glückwünsche erhalten, sowohl von Freunden und Bekannten, als auch von den Jungs und Mädels von der Tour. Echt cool wie viele sich da für uns gefreut haben.
WM-Gold bei der U23 habt ihr erreicht, was ist euer sportlicher Traum für die Zukunft?
Bieneck: Natürlich ist dieses WM-Gold ein Riesenerfolg, aber letztendlich geht es für mich darum, mich weiter mit Jule auf der World Tour zu etablieren. Dahingehend sind gerade auf einem guten Weg und wollen diesen auch weiter verfolgen. Außerdem ist für mich das größte, mich mit den besten Beach-Volleyballerinnen der Welt zu messen und dabei bleibt der Traum von Olympischen Spielen nicht aus.
Schneider: Ich hoffe, dass die eine oder andere Medaille noch dazu kommt. ;)