#HEROorZERO: „Es ist eine Herkulesaufgabe“ - Der Kapitän im Interview

Foto FIVB: Lukas Kampa gibt als Kapitän den Ton an. Foto FIVB: Lukas Kampa gibt als Kapitän den Ton an. Am Sonntag startet für die deutsche Männer-Nationalmannschaft in Berlin die Olympia-Qualifikation (5.-10. Januar). Im Vorfeld spricht Kapitän Lukas Kampa über die Chancen und den #HEROorZERO Charakter, der am 10. Januar nur einem Team den Olympia-Traum erfüllt.

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Lukas, am Sonntag startet die Olympia-Qualifikation. Wo steht die Mannschaft zum Start des Turniers?

„Ich denke, wir sind für den Turnierbeginn gut vorbereitet. Vielleicht werden wir uns zum Auftakt am Sonntag gegen Tschechien ein wenig die Anspannung aus den Knochen spielen müssen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das erste Match genau dafür gut nutzen können. Wir wollen in unseren Rhythmus kommen, unser druckvolles Spiel finden und dementsprechend mit einem Sieg ins Turnier starten. Hoffentlich können wir den Fans am Sonntag einen Vorgeschmack auf das geben, was dann in den nächsten Tagen noch kommt.“

Ihr hattet eine sehr kurze Vorbereitung, die Qualifikation liegt mitten in der Vereinssaison. Auf was bereitet man sich in so kurzer Zeit als Team vor? Welche Elemente und Teambereiche stehen im Vordergrund?    

„Für uns ging es darum, die Dinge, an denen wir seit dreieinhalb Jahren mit Andrea bereits intensiv arbeiten, in kurzer Zeit wiederaufzufrischen. Der Fokus liegt in unserem Spiel auf einer hohen Aufschlagqualität und einer starken Block-Abwehr. An diesen Elementen haben wir in Kienbaum gefeilt. Alle kommen mitten in der Saison von ihren Vereinen, stehen im Saft, sind körperlich fit und gesund. Also wurden Intensität und Trainingsumfang so dosiert, dass wir dieses Level halten und hier in bester Verfassung aufschlagen.“

Nur der Sieger erhält ein Ticket für Tokio 2020. Wie schwer wird für Euch die Mission #HEROorZERO?

„Das Turnier als Gesamtes ist eine Herkulesaufgabe. Wenn wir aber die einzelnen Spiele als separate Hürden betrachten und isoliert angehen, dann werden wir in jedem Match eine Siegchance haben. Davon bin ich überzeugt. Wir sind gewappnet. Ich bin sicher, dass wir uns von Tag zu Tag steigern können. Unsere Gruppe gibt uns dafür vielleicht einen kleinen Spielraum, um allerspätestens im Halbfinale bei 100 Prozent angekommen zu sein. Schaut man auf die Rahmenbedingungen und den Zustand der einzelnen Spieler, ist alles so vorbereitet, dass wir das Turnier gewinnen wollen und können!“

Sollte man darüber nachdenken, den Modus in Zukunft für einen starken Kontinent wie Europa zu ändern oder steht in dem Moment der olympische Gedanke über allem?   

„Über diese Frage habe ich schon mit vielen Menschen diskutiert und wurde darauf bereits oft angesprochen. Zu einer abschließenden Meinung bin ich aber noch nicht gekommen. Einerseits ist die jetzige Situation für die Qualität des olympischen Turniers sicher nicht optimal, denn starke Mannschaften aus Europa fehlen und manche Teams haben nur ganz geringe bis gar keine Möglichkeiten, bei Olympia etwas zu erreichen. Andererseits ist dies aber auch ein Kerngedanke der Olympischen Spiele. Jeder soll die Chance haben, sich für das größte Sportereignis der Welt zu qualifizieren. Deshalb hat der Modus etwas Gutes und Richtiges, aber gerade für einige europäischen Teams ist es alle vier Jahre bitter, dass man vom Niveau dazugehören sollte, aber eben nicht dabei ist.“

Foto CEV: Lukas Kampa hat mittlerweile 190 Länderspiele für Deutschland absolviert. Foto CEV: Lukas Kampa hat mittlerweile 190 Länderspiele für Deutschland absolviert.

Kommen wir nach Berlin. Zum Start wartet Tschechien, es folgen Belgien und Vize-Europameister Slowenien in der Gruppenphase. Wie schätzt du Eure Gegner in der Vorrunde ein?   

„Wie gesagt, kommt uns der Turnierbaum entgegen. Wir haben mit Tschechien einen Auftaktgegner, der für uns schlagbar sein muss und es auch ist. Diese Begegnung bietet uns die Möglichkeit, mit einem guten Gefühl in den Wettbewerb zu starten. Aber wir müssen das auch fokussiert angehen und umsetzen. Dann gilt es, gegen Belgien eine Schippe draufzulegen und gegen Slowenien vielleicht noch einen Tick besser zu spielen. Letztlich sind das Mannschaften, die wir schlagen können, und dementsprechend als Gruppensieger ins Halbfinale einziehen können. Jedoch beginnt alles am Sonntag mit Spiel eins. Dort werden die Kulisse und die Nervosität auch eine Rolle spielen. Es prasselt jetzt in den Tagen vorher einiges auf uns ein, da müssen wir den Fokus behalten.“

Vor der EM hast du in einem Interview gesagt, dass ihr gegen Gegner wie Serbien und Belgien schon ein Ausrufezeichen setzen wollt, damit sie sehen, dass ihr in Berlin schwer zu schlagen sein werdet. Dies ist mit den Niederlagen nicht gelungen. Was konntet ihr als Team dennoch aus den Rückschlägen lernen?

„Man muss nicht drumherum reden, dass uns eine Medaille bei der Europameisterschaft auch für dieses Turnier noch einmal mehr Selbstvertrauen gegeben hätte als ein Ausscheiden im Viertelfinale. Nichtsdestotrotz sind wir eine Mannschaft, die gemeinsam große Erfolge gefeiert hat. Daraus ziehen wir Selbstbewusstsein. Das Abschneiden bei der EM ist nur einer von vielen Faktoren. Wir sind als Team im Kern schon so lange zusammen und daher betrachtet man nicht nur das letzte Turnier, um das Potenzial einzuschätzen.“

Könnte man sagen, dass die verfehlten EM-Ziele Euch in Berlin noch stärker auf das Feld gehen lassen? 

„Die EM ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Gerade die Spiele gegen die Topmannschaften waren in den Resultaten deutlich. Daraus können wir als Team wenig mitnehmen, weil wir selbst eben auch zu wenig gezeigt haben. So hat aber eben jeder seine individuellen Hausaufgaben mit in seinen Verein bekommen, Dinge wie der Aufschlag, Disziplin im Block oder Einsatzbereitschaft in der Abwehr. Das kann man individuell verbessern und jeder hat daran gearbeitet. Dennoch ist es schwer vorherzusagen, was wir durch die Europameisterschaft nun gelernt haben. Uns erwartet nun ein völlig neues Turnier.“

Wie wichtig ist die Rückkehr von Markus Steuerwald für Euch, der mittlerweile zum vierten Mal eine Olympia-Qualifikation spielt?

„Persönlich freue ich mich sehr, dass Markus wieder dabei ist, und auch in der Mannschaft sind alle froh, dass uns nun wieder zwei etatmäßige Liberos zur Verfügung stehen. Das hat nichts mit Julians gezeigter Leistung zu tun, ganz im Gegenteil. Er hat das hervorragend gemacht. Aber es ist für das Training und den Wettkampf einfach wertvoll, zwei solche Liberos zu haben. Markus bringt die Erfahrung von drei Olympia-Qualifikationen mit, deswegen hilft er uns definitiv weiter. Die Fans dürfen sich auf sein gewohntes Spiel mit spektakulären Abwehraktionen freuen. Es fühlt sich an, als wäre er nie weggewesen. Ich glaube, er kann ein sehr wichtiger Faktor in diesem Turnier werden.“

Foto FIVB: Lukas Kampa und Georg Grozer gehen voran. Foto FIVB: Lukas Kampa und Georg Grozer gehen voran.

Für Spieler wie Georg oder dich ist es die letzte Chance, sich den Olympia-Traum nach 2012 noch einmal zu erfüllen. Wie geht ihr mental an das Turnier und was vermittelt ihr den jungen Spielern, die dieses besondere Gefühl noch nicht kennen?

„Ich verspüre keinen großen Unterschied. Anspannung und Vorfreude sind identisch. Es wird darauf ankommen, dass wir Älteren wie Georg und ich auf dem Court Sicherheit und Souveränität ausstrahlen, also den Jüngeren Halt geben. Gleichzeitig wollen wir Spielfreude vermitteln, ein Band mit den Fans knüpfen und die Stimmung anheizen. All das sind Bereiche, für die wir Verantwortung übernehmen wollen. Es wird wichtig sein, wie wir Erfahrenen auf dem Spielfeld vorangehen und das Team mitreißen. Da spielt keine Rolle, ob es unsere persönlich letzte Chance ist oder nicht. Das galt vor vier Jahren genauso wie heute. Jeder zieht seine eigene Motivation aus bestimmten Faktoren, aber individuelle Belange stehen hinten an. Für uns ist es ein Traum, den sich das gesamte Team gemeinsam erfüllen möchte.“

Tickets

Tickets für die Olympia-Qualifikation können bei ADticket sowie Ticketmaster gekauft werden. Die günstigste Tageskarte in der Vorrunde sowie Finalrunde (Halbfinals + Finals) kann bereits für 17,50€ (Stehplatz) erworben erwerben. In der gleichen Kategorie kostet eine Vorrunden-Turnierkarte 55€, die Finalrunden-Turnierkarte 28€. Für alle Vereine, die mit mindestens zehn Personen kommen, gibt es einen Sonderpreis.

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