„Die Mission Titelverteidigung ist aufregend“ – Die ersten Champions im Interview

Foto Conny Kurth: Im letzten Jahr gewannen Lena Overländer & Karoline Fröhlich sowie Paul Becker & Jonas Schröder die erste Snow-DM. Foto Conny Kurth: Im letzten Jahr gewannen Lena Overländer & Karoline Fröhlich sowie Paul Becker & Jonas Schröder die erste Snow-DM. Als erste Deutsche Meister im Snow-Volleyball haben sich Lena Overländer und Paul Becker 2018 ihren Eintrag in die Geschichtsbücher gesichert. Ein Jahr später stehen sie erneut im Schnee und wollen am Wochenende (9./10. März) auch bei den 2. Deutschen Meisterschaften im hessischen Willingen auftrumpfen. Im Interview sprechen beide über die Mission Titelverteidigung sowie die Regeländerungen und neuen Herausforderungen auf dem weißen Untergrund.

Letztes Jahr habt ihr Euch als jeweils erste Teams überhaupt den Snow-DM-Titel gesichert. Mit welchen Gefühlen geht ihr in die Mission Titelverteidigung?

Lena Overländer: „Es sind gemischte Gefühle, weil wir in einem neuen Modus mit drei Feldspielerinnen und Feldspielern spielen und ich auch mit einem anderen Team (Anm. d. Red.: Lena Overländer startet mit Sarah Overländer, Annika Stenchyl sowie Charlotta Werschek) teilnehme. Auf der anderen Seite ist die Freude groß, weil ich überzeugt bin, dass wir ein gutes Team haben. Es kribbelt, denn die Mission Titelverteidigung ist immer aufregend.“

Paul Becker: „Eine Titelverteidigung ist immer schön, weil es heißt, dass man in der Vergangenheit schon einmal einen Titel gewonnen hat. Durch die neue Konstellation, im Viererteam mit Jonas Schröder sowie Georg und Peter Wolf, gehen wir ganz entspannt in das Turnier. Für uns hängen schöne Gefühle an der Wintersaison, daher freuen wir uns einfach drauf.“

Ist Snow-Volleyball aus Eurer Sicht Beach-Volleyball für den Winter, oder eine eigene Sportart?

Lena: „Ich habe Snow-Volleyball schon im vergangenen Jahr als eigenständiges Spiel angesehen. Das neue Spielsystem bringt dazu noch einmal ganz neue Taktiken mit sich, außerdem beeinflusst der Untergrund das Geschehen stark. Mal kann der Schnee wie eine Eisfläche sein, bei Sonnenschein weicht der Untergrund aber auch mal auf und man sinkt ein. Ein weiterer Unterscheid ist sicherlich auch die Kälte.“

Paul: „Es wird immer mehr zu einer eigenen Sportart. Es ist kein Geheimnis, dass wir die Entwicklung und das neue Spielsystem kritischer betrachten. Jonas und ich haben seit Jahren unsere Abläufe als Duo auf dem Feld einstudiert und verinnerlicht. Darauf können wir jetzt nicht mehr zurückgreifen, sondern müssen es ganz neu aufbauen. Von daher ist es ganz klar eine eigene Sportart. Aber auch das ist am Ende völlig in Ordnung, wenn man konsequent an diesem eigenen Profil arbeitet und es weiterentwickelt.“

Wie unterscheidet es sich insgesamt mit der Umstellung auf das neue System mit drei SpielerInnen auf dem Feld?

Lena: „Wir haben in den letzten Wochen schon einmal das neue System ausprobiert und schnell festgestellt, dass es ein völlig anderes Spiel ist. Zu Beginn war es ein wenig verwirrend, weil man genau festlegen muss, wer welche Aufgaben auf dem Spielfeld hat. Am Samstag werden wir bei den ersten Partien sehen, ob dies wirklich der Fall ist und wir erfolgreich sind (lacht).“

Paul: „Im vergangenen Jahr war noch der Untergrund das entscheidende Kriterium. Jetzt ist es die neue Teamkonstellation, inkl. der Wechselmöglichkeiten. So müssen sich die Spielerinnen und Spieler auf dem Feld nicht selbst aus einer Schwächephase herausziehen, sondern können auch mit Impulsen von der Bank arbeiten. Wir haben es aber tatsächlich noch nicht ausprobiert und werden einmal vor der Snow-DM in dieser Konstellation zusammen auf dem Feld trainieren.“

Wie kann man sich die neuen Taktiken auf dem Feld vorstellen? Sehen wir viele Doppelblocks oder reine Abwehrschlachten?

Lena: „Da müssen wir schon gegen eine sehr angriffsstarke Mannschaft spielen, damit die Fans einen Doppelblock zu sehen bekommen. Ich denke, wir sind eher die Abwehrkatzen (lacht).“

Paul: „Ich glaube, dass es auf einen Blockspieler hinauslaufen wird. Zudem wird das Zuspiel aus schlechten Situationen wichtiger."

Was macht Snow-Volleyball aus Eurer Sicht so attraktiv?

Lena: „Ich finde es sehr cool, dass die Turniere in Skigebieten – entweder oben auf dem Berg oder unten in der Talstation – ausgetragen werden. So kommt richtige Wintersportatmosphäre auf und es entsteht eine gute Mischung aus Sport und Party im Schnee. Außerdem mag ich auch die Variante mit jeweils drei Spielerinnen und Spielern, da es jetzt wirklich eine komplett eigene Sportart ist, in die man sich neu rein denken muss. So werden die Karten neu gemischt.“

Paul: "Es ist ein neues Spielsystem. Wir werden anders spielen, als der Rest. Alle Fans dürfen also gespannt sein (schmunzelt).

Stören die Klamotten beim Snow-Volleyball, die ihr so im Sand nicht tragt?

Lena: „Nein, das stört mich gar nicht. Normal tragen wir zwei enge Hosen, zwei Paar Socken, Fußallschuhe und eine Mütze. Schwierig finde ich es nur, wenn die Bedingungen Handschuhe erfordern. Gerade beim Pritschen hat man kaum Kontrolle über den Ball und es erfordert eine große Umstellung.“

Paul: „Für uns ist das kein Unterscheid. Bei kalten Beach-Volleyball Turnieren arbeiten wir auch mit Thermounterwäsche. Mit den Stollenschuhen kann man sich gut auf dem Untergrund bewegen, von daher würde ich sagen, dass es aus unserer Sicht passt.“

Wie schnell habt ihr Euren dritten Partner/Partnerin gefunden?

Lena: „Ich habe ja sogar gleich drei neue Partnerinnen gesucht. Es war schnell klar, dass ich dieses Jahr mit meiner Schwester Sarah spielen werde. Wir haben uns dann jeweils umgehört und mit Annika Stenchyl und Charlotta Werschek sehr schnell unser Team vervollständigen können. Wir kennen uns alle gut.“

Paul: „Das ging tatsächlich sehr schnell. Jonas und ich hatten einige Teams, die auf uns zugekommen sind und mit uns das Turnier spielen wollten. Wir haben uns schlussendlich für die Wolf-Brüder entschieden, weil wir uns auch gut vom Beach-Volleyball kannten.“

Was habt ihr Euch für das Turnier vorgenommen?

Lena: „Wir wollen das Finale erreichen. Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn ich den Titel verteidigen kann. Zuerst einmal nehmen wir aber das Finale ins Visier, das schon an sich ein großartiger Erfolg wäre. Ich denke, dass das Team mit den besten Taktiken am Ende gewinnt.“

Paul: „Wir wollen das Turnier gewinnen. Ich glaube aber, dass es sehr schwer für uns wird. Wie schon gesagt: Jonas und ich sind ein eingespieltes Team und haben seit Jahren unsere Abläufe in dieser Konstellation trainiert. Der zusätzliche Spieler ist noch einmal eine neue Herausforderung, auf die wir uns erst einstellen müssen.“

Was würdet ihr Euch für die Zukunft des Snow-Volleyballs wünschen?

Lena: „Ich wünsche mir, dass die Sportart in den nächsten Jahren populärer wird und zu den Deutschen Meisterschaften in der Zukunft noch weitere Tour-Orte dazu kommen. Snow-Volleyball insgesamt einfach wächst.“

Paul: „Es wäre großartig, wenn wir in Zukunft eine eigene Snow-Volleyball Saison, mit Turnieren über den ganzen Winter, haben. Wir, Jonas und ich, wünschen uns, dass wieder das alte Spielsystem übernommen wird. Wichtig wäre auch, dass die Sportart ein Teil der Olympischen Spiele wird und es mehr Turniere wie Europa- und Weltmeisterschaften gibt. Nur so ist eine positive Entwicklung möglich, die wiederum auch die nötige Präsenz in den Medien schafft.“

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